Interview: Ruth Maria Kubitschek: Mit 83 Abschied von der Schauspielerei

Interview: Ruth Maria Kubitschek: Mit 83 Abschied von der Schauspielerei

Die 83-jährige Ruth Maria Kubitschek denkt ans Aufhören. In einem ihrer wohl letzten Fernsehfilme spielt sie in "Cinderella" (ARD, 30. August) eine amerikanische Tante. Für Kubitschek war die Rolle eine Herausforderung: Gedreht wurde ausschließlich in Englisch.

Sie sind jetzt 83 Jahre alt. Gibt es ein Projekt, das sich bislang in Ihrer Karriere nicht erfüllt hat und das Sie noch verwirklichen möchten?

Kubitschek Ich werde wahrscheinlich nicht mehr spielen. Der "Cinderella"-Film, "Frau Ella" und eine "Traumhotel"-Folge aus Marokko sind wohl die letzten Aufnahmen, die man mit mir vor der Kamera sehen wird. Ich denke, das war es. Jetzt konzentriere ich mich aufs Malen und dass ich mal lebe und nicht mehr so viel in der Weltgeschichte herumfahre und immer fort bin und irgendeinen Termin habe. Das wünsche ich mir. Bei einer Rolle jedoch, die mich noch einmal fordern würde, werde ich vielleicht umfallen.

Fällt Ihnen der Abschied schwer?

Kubitschek Es hat mir viel Spaß gemacht, aber jetzt ist es an der Zeit, sich um andere Dinge zu kümmern. Ich habe einen wunderschönen Garten in der Schweiz. Den möchte ich jetzt auch mal genießen und nicht nur dafür verantwortlich sein.

Ihr Lebenspartner, Wolfgang Rademacher, produziert "Das Traumschiff". Würden Sie noch einmal schwach, wenn er Sie fragen würde, ob Sie dort eine Rolle übernehmen?

Kubitschek Er macht das mit großer Freude. Aber ich kann auf einem Schiff bei geschlossenem Fenster nicht leben.

Sie spielen demnächst in "Cinderella - ein Liebesmärchen in Rom" (ARD, 30. August, 20.15 Uhr). Was begeistert Sie an Aschenputtel?

Kubitschek Das Aschenputtel hatte die Geduld, all das Böse auszuhalten. Das ist ein großer Kraftakt. Wenn jemand erniedrigt wird, arbeiten muss und die anderen gehen fein angezogen aus, dass man da nicht verbittert, sondern seinen guten Charakter behält, spricht für einen sehr starken Menschen. Das Mädchen tut weiter seine Arbeit und verliert nicht seinen Glauben an das Gute und Schöne. Der Wunsch in ihr ist geblieben und konnte durch Unterdrückung nicht getötet werden.

Was ist Ihr Lieblingsmärchen?

Kubitschek Als Kind habe ich gar nicht so viele Märchen gelesen. Aber ich mag tatsächlich Aschenputtel am meisten.

Die Geschichte spielt im Rom der 1950er Jahre. Sie verkörpern eine amerikanische Tante. Wie sind Sie dazu gekommen?

Kubitschek Sehr spontan. Ich kam gerade aus Marokko zurück und hatte ein Buch geschrieben, als meine damalige Agentin anrief und mich fragte, ob ich zum Drehen nach Rom fahren möchte. Sie sagte, du warst schon oft in Italien und weißt ja, wie schlecht die Italiener Englisch sprechen, du kannst das also ruhig machen.

Sie haben in Englisch gedreht?

Kubitschek Ja. Der Regisseur ist ein Kanadier. Das wunderschöne junge Mädchen, das die Cinderella spielt, lebt teilweise in New York. Die beiden sprechen hervorragend Englisch. Und auch die Wörner spricht die Sprache gut. Mir ist es hingegen schwer gefallen. Ich hatte noch nie so eine große Rolle in Englisch.

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Wann haben Sie denn die Sprache gelernt?

Kubitschek In der DDR gab es die Möglichkeit ja nicht. Ich habe irgendwann auf einer Sprachschule einen Kursus für Englisch im Alltag gemacht. Jedes Wort fiel mir schwer, da ich in diesem Bereich einfach nicht begabt bin.

Und wie sind Sie dann beim Dreh zurecht gekommen?

Kubitschek Am ersten Tag habe ich kein Wort herausgebracht. Dann sagte der Regisseur zu mir: ,Please speak every language you want, but speak.' Da war ich über mich selbst entsetzt. Ich habe den Text geschrien im Hotelzimmer, bis ich ihn konnte, damit ich diese Worte rausbekomme. Dann hat es auch vor der Kamera geklappt.

Was geben Sie der amerikanischen Tante mit?

Kubitschek Der Kostümausstatter von Fellini hat mich mit einem schwarzen Kleid ausgestattet, mit weißen Haaren, Hüten und mit jeder Menge falschem Schmuck. Ich hasse falschen Schmuck. Aber ich konnte mich nicht wehren.

Vor einem Jahr haben Sie sich in der Schweiz einbürgern lassen und damals gesagt, dass Sie die ganze Gemeinde in Ihren Garten einladen würden.

Kubitschek Das habe ich auch gemacht. 200 Leute waren da. Ich bin in der Schweiz nun schon seit 50 Jahren häufig zu Gast und habe seit den 80er Jahren Wohnungen dort. In der DDR und meiner eigentlichen Heimat, der Tscheslowakei, habe ich es nie geschafft, Wurzeln zu schlagen. Das ist mir in der Schweiz gelungen. Ich mag die Menschen dort.

Sie haben einen 4000 Quadratmeter großen Garten, den sie hegen und pflegen. Was sind Ihre Lieblingsbeschäftigungen dort?

Kubitschek Ich gucke in die Töpfe und gieße die Pflanzen. Und ich kaufe Blumen ein, bin für die Schönheit verantwortlich. Ich bin aber nicht diejenige, die buddelt und alles in Ordnung hält. Darum kümmert sich eine Freundin.

Wie haben Sie es geschafft, so fit und gesund zu bleiben?

Kubitschek Ernährung ist das Wichtigste. Ich esse wenig Milchprodukte und wenig Fett. Nur selten mal ein Schnitzel. Ansonsten viel Obst und Gemüse.

LESLIE BROOK FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)
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