Skandal zieht immer weitere Kreise: Missbrauchsvorwürfe in Österreich und Holland

Skandal zieht immer weitere Kreise: Missbrauchsvorwürfe in Österreich und Holland

Linz/Den Haag (RPO). Der Skandal um den Missbrauch von Kindern durch katholische Priester zieht immer weitere Kreise. Nun klagen auch ehemalige Schüler von katholischen Internaten in Österreich und den Niederlanden über Vorfälle sexuellen Missbrauchs aus den 1960er und 1980er Jahren. Die betroffenen Niederländer gründeten eine Initiative unter Begleitung eines Anwalts.

Ehemalige Schüler eines Internates in Österreich erhoben am Donnerstag Vorwürfe gegen drei Patres des Stiftes Kremsmünster, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete. Die Geistlichen sollen in der Klosterschule Kinder erniedrigt, geschlagen und sexuell missbraucht haben. Die Diözese und der Abt des Klosters kündigten an, die Vorwürfe zu untersuchen.

Zunächst hatte sich am Donnerstag ein Mann, dessen Alter mit knapp über 40 Jahren angegeben wird, in den "Oberösterreichischen Nachrichten" zu Wort gemeldet. Der Ex-Zögling gab laut APA an, der Missbrauch in dem Benediktinerkloster habe in den 1980er Jahren stattgefunden. Daraufhin meldete sich beim ORF-Radio ein weiterer Ehemaliger und bestätigte die Anschuldigungen. Der beschuldigte Priester wies die Vorwürfe zurück.

Laut APA berichtete der Ex-Zögling, der den Skandal mit dem Zeitungsinterview lostrat, unter anderem von Demütigungen im Speisesaal des Internats. Wer zu laut gewesen sei, habe sich vor den beschuldigten Mönch hinknien müssen. "Dann drückte und rieb der Pater den Kopf des Schülers fest in seinen Schoß. Mit der anderen Hand holte er weit aus und gab ihm eine sehr heftige Ohrfeige." Manchmal habe der Pater seine Hand auch kurz vor dem Schlag zurückgezogen, um dem Schüler über das Gesicht zu streicheln. Das sei sehr erniedrigend gewesen.

Kloster und Bistum kündigen Aufklärung an

Zudem habe es schon bei kleinen Vergehen drakonische Strafen gegeben - wie Schläge mit einem Kabel oder einem Schlüsselbund, zitierte die APA das Blatt. Daran hätten sich zwei weitere Mönche beteiligt. Wer zu spät gekommen sei, habe mitunter drei Wochen lang in der Freizeit bis Mitternacht lateinische Enzyklopädien abschreiben und übersetzen müssen.

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Der Abt des Stiftes sagte dem Blatt laut APA, er könne für niemanden die Hand ins Feuer legen. "Wenn sich der Betroffene auch an uns wendet, werden wir dem nachgehen". Das Bistum Linz teilte mit, die Opfer anzuhören und den mutmaßlichen Täter mit den Anschuldigungen zu konfrontieren. Danach sollten gegebenenfalls strafrechtliche Schritte eingeleitet werden.

Erst am Dienstag war der Leiter der Salzburger Erzabtei St. Peter zurückgetreten, nachdem er den Missbrauch eines Jungen zugegeben hatte. Der Erzabt räumte ein, sich vor 40 Jahren als damals 24-jähriger Priesterseminarist an einem zwölfjährigen Jungen vergangen zu haben.

Niederländer gründen Initiative

Zwei Niederländer, die nach eigenen Angaben in den 1960er Jahren in einem Internat bei Kerkrade von katholischen Patres sexuell missbraucht wurden, drohen der Kirche eine "riesige Schadenersatzklage" an. Dazu gründeten sie eine Initiative unter Begleitung durch einen Anwalt und riefen andere Betroffene auf, sich an dem Vorstoß zu beteiligen.

Das berichteten niederländische Medien. Die jetzt 58 und 60 Jahre alten Aktivisten wiesen die von den katholischen Bischöfen des Landes angekündigte Untersuchung als ungenügend zurück. Der frühere Den Haager Bürgermeisters Willem Deetman, der nach dem Wunsch der Bischöfe eine unabhängige Untersuchung der gemeldeten Missbrauchsfälle leiten soll, sei nicht unabhängig, erläuterte einer der beiden Initiatoren im niederländischen Rundfunk. Dadurch halte die Kirche bei der Untersuchung weiter die Regie in der Hand, meinte er.

Hier geht es zur Infostrecke: Chronik zum Missbrauch an Jesuitenschulen

(apd/kna/nbe)