1. Panorama

Experten: Radioaktive Strahlung nicht gesundheitsgefährdend: Mineralwasser doch ungefährlich?

Experten: Radioaktive Strahlung nicht gesundheitsgefährdend : Mineralwasser doch ungefährlich?

Die radioaktive Belastung in deutschen Mineralwässern durch Radium-226 ist nach Ansicht von Experten nicht gesundheitsgefährdend. "Die Mineralwässer in Deutschland haben zwar eine sehr große Schwankungsbreite der natürlichen Strahlung, nach unserem Kenntnisstand besteht jedoch keine Gefahr", sagte Rolf Michel, Leiter des Zentrums für Strahlenschutz und Radioökologie der Universität Hannover am Montag. Radium-226 zähle zu den hochgiftigen Substanzen, sei aber erst in sehr hohen Dosen gefährlich. Der Verband deutscher Mineralbrunnen in Bonn bezeichnete Berichte über mögliche Gesundheitsgefahren als unbewiesen.

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) berichtet am Dienstag im Magazin "Plusminus" über die mögliche Gesundheitsgefahr deutscher Mineralwässer durch Radium-226, vor allem für Kinder. Danach enthalten fünf der untersuchten 19 Mineralwasser-Sorten extrem viel Radium. Der WDR wollte keine näheren Angaben über den Bericht machen.

Das Bundesgesundheitsamt ist nach Angaben des Mineralwasser- Verbandes 1987 zu dem Ergebnis gekommen, von dem Radium-Gehalt in den Getränken gingen "keinerlei gesundheitliche Gefahren" aus. Das Radium sei als Teil der natürlichen Strahlenbelastung gewertet worden, sagte Verbandssprecher Arno Dopychai. Wie in vielen anderen Lebensmitteln gebe es in Mineralwässern natürliche Radioaktivität. Zu Krebserkrankungen kann Radium nach Auskunft des Experten Michel nur bei einer weit höheren Strahlung außerhalb der natürlichen Schwankungsbreite führen. Es gebe aber keine Daten über Krebserkrankungen, die nur durch die natürliche Konzentration von Radium-226 verursacht wurden.

Die deutschen Mineralwässer haben laut Michel eine natürliche Strahlung von bis zu 600 Milli-Becquerel pro Liter - je nach Urangehalt des Gesteins. Nach der Trinkwasserrichtlinie der Europäischen Union (EU) soll bei einer Strahlung von mehr als 500 Milli-Becquerel pro Liter eine Senkung des Wertes erwogen werden. Außerdem sollen die Verbraucher informiert werden. Eine Gefahr bestehe bei diesem Wert jedoch noch nicht.

(RPO Archiv)