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Brandfahndung oft ein Puzzlespiel: "Manchmal bist Du chancenlos"

Brandfahndung oft ein Puzzlespiel : "Manchmal bist Du chancenlos"

Rosenheim (dpa). Die Fahndung nach Ursachen bei Katastrophen wie der im niederländischen Enschede ist nach Einschätzung eines Brandermittlers wie das Zusammensetzen eines großen Puzzles mit vielen kleinen Teilen. "Manchmal bist du einfach chancenlos", sagte der Brandermittler der Kriminalpolizei Rosenheim, Franz Gmeiner, am Mittwoch in einem dpa-Gespräch. "Wenn die Zerstörungskraft des Feuers groß war, helfen keine Sachverständigen, keine technischen Geräte. Da ist jede Spur verbrannt."

Es sei stets problematisch, die Initialzündung eines Feuers zu finden, sagte Gmeiner. Oft würden Zeugen wie Feuerwehrleute oder Anwohner, die einen Brand beobachtet haben, Hinweise geben. Sie erklärten den bei Großbränden bis zu zehn eingesetzten Brandfahndern, an welcher Stelle das Feuer am stärksten loderte. So könnten die Ermittlungen eingegrenzt werden. Oft weise zum Beispiel auch eine aufgebrochene Tür darauf hin, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde.

Am Brandherd sei es häufig nötig, ganze Schichten von verkohltem Gestein, Holz oder Metall abzutragen und zu säubern. "Da müssen wir sehr bedächtig vorgehen", sagte Gmeiner. "Danach fegen wir die Stelle besenrein, um etwa angelaufenes oder geschmolzenes Metall zu finden, das auf hohe Temperaturen deutet." Bei einer Explosion am Bahnhof der oberbayerischen Stadt Wasserburg im Dezember 1997 sei man auf diese Weise auf einen abgetrennten Zeh gestoßen. Der Zeh war dem Brandstifter von der Wucht der Explosion abgetrennt worden.

Mit technischen Hilfsmitteln könne auch Gas in geringsten Mengen der Luft nachgewiesen werden. Ein Foto-Ionendetektor könne Kohlenwasserstoffe nachweisen, die in so genannten Brandmittelflüssigkeiten wie Benzin enthalten seien. "Die Technik hilft aber nur", sagte Gmeiner. "Der Spürsinn der Fahnder ist ein wichtiger Mosaikstein bei Ermittlungen."

Gmeiner berichtete, bei kniffligen Fällen zögen die Brandfahnder Spezialisten aus den Abteilungen Physik und Chemie des Landeskriminalamtes hinzu. Beim LKA sei es etwa möglich, kleinste Spuren von Benzin in der Erde nachzuweisen.

(RPO Archiv)