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Fußball-Manager schreibt über Alzheimer: "Warum gerade du, Assauer?"

Fußball-Manager schreibt über Alzheimer : "Warum gerade du, Assauer?"

Rudi Aussauer macht sein Leiden öffentlich. Der schwer an Alzheimer erkrankte ehemalige Manager von Schalke 04 hat ein Buch über seine Krankheit geschrieben. Assauer schont seine Leser nicht. Mit deutlichen Worten beschreibt er seine Verzweiflung. Hier lesen Sie erste Auszüge.

Rudi Assauer — der Mann mit der Zigarre. Wie kein anderer verkörperte der in Herten aufgewachsene Assauer den Typus Fußball-Macho. Der Gewinn des Uefa-Cups im Jahr 1997 mit Schalke 04 war der Höhepunkt seiner Laufbahn. Auch seine Beziehung zur deutlichen jüngeren Schauspielerin Simone Thomalla prägte das Bild der Öffentlichkeit von Assauer. Heute lernt die Öffentlichkeit einen anderen Assauer kennen. Einen verzweifelten, traurigen, ängstlichen Mann.

 Rudi Assauers Buch "Wie ausgewechselt" erschien im Riva-Verlag.
Rudi Assauers Buch "Wie ausgewechselt" erschien im Riva-Verlag. Foto: dpa, Riva Verlag Ho

In seinem Buch "Wie ausgewechselt", das unserer Redaktion vorliegt, beschreibt Assauer seinen Alltag. Fast die ganze Zeit laufe bei ihm der Fernseher. Wie ein "lebendiges Gemälde", das ihn ablenken soll vom eigenen Leben. Für den ehemaligen Bundesliga-Spieler eine totale Umstellung. Der gesunde Assauer war stets auf Achse, arbeitete viel, lebte ein aktives Leben. Nach der Diagnose Alzheimer nahm ihm seine Familie den Autoschlüssel weg. Heute lebt er bei seiner Tochter.

Diesen drastischen Verfall von Lebensqualität beschreibt Assauer sehr direkt.

"Ich möchte nicht ständig diese Tabletten nehmen, ich muss aber. Schon allein deshalb ist mir völlig klar: Ich werde nie mehr ein vernünftiges Leben führen, das geht nicht. Andere gehen in meinem Alter erst in Rente. Und was mache ich? Ich wollte ursprünglich auch im fortgeschrittenen Alter arbeiten, so lange wie möglich den Job weitermachen. Solange es eben geht. Dann wollte ich ein schönes Leben führen, die letzten Jahre genießen."

Assauer wäre der glücklichste Mensch der Welt, wenn der Verfall genau jetzt gestoppt werden könnte, schreibt er. Schon heute sei sein Zustand erbärmlich. Zum Teil erkenne er selbst alte Freunde nicht mehr wieder. Dies sei sehr schlimm für ihn, einfach eine Qual.

Assauer berichtet, wie seine Gedanken immer wieder um seine Krankheit kreisen:

"Denke ich über meinen Zustand und meine Krankheit nach, führt mich das immer wieder zu ein und derselben Frage zurück: Warum ich? Ich sage zu mir: Warum gerade du, Assauer? Keiner kann mir das sagen. Ich finde keine Lösung. Es gibt keine Antwort. Aber ich zermartere mir den Kopf"

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Assauer erinnert sich immer wieder an das Schicksal seiner Mutter, die an Parkinson litt und lange gepflegt werden musste.

Assauer blickt zurück:

"Ich war damals bereit, ihr Sterbehilfe zu leisten. Ich hätte es getan, ich hätte sie davon erlöst. Sie konnte nicht mehr geheilt werden. Sie hat apathisch im Pflegeheim gelegen, es war eine Katastrophe. Ich konnte das schlecht mitansehen"

Assauers Freund Huub Stevens hat das Vorwort zum Buch geschrieben. Der niederländische Trainer berichtet, dass ihn die Verwandlung seines Freundes erschreckt habe. Der einstige Macho wirke heute fast schüchtern. "Glückauf, Rudi! Mach das Beste daraus", endet Stevens Beitrag. Der alte Kumpel-Gruß aus dem Ruhrpott.

Am Freitag tritt Rudi Assauer im Fernsehen auf. In der ZDF-Sendung "Volle Kanne" (RP ONLINE berichtet aktuell) spricht er über sein Buch und seine Krankheit. Assauer soll den Sender gebeten haben, ihn wie jeden anderen Gast zu behandeln. Am 7. Februar widmet das ZDF dem Menschen Assauer eine Ausgabe seiner Reportage-Reihe 37 Grad.

(csi)