Britische Punk-Ikone Modedesignerin Vivienne Westwood ist tot

London · Zu Beginn ihrer Karriere hat Vivienne Westwood den Look des Punk geprägt. Als Modedesignerin blieb die Britin für Provokation und politisches Engagement bekannt. Am Donnerstag ist sie im Alter von 81 Jahren gestorben.

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Das ist Vivienne Westwood

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Foto: dpa/Gero Breloer

Vivienne Westwood sei am Donnerstag „friedlich und im Kreise ihrer Familie“ im Süden Londons gestorben, erklärte ihre Modefirma im Kurzbotschaftendienst Twitter sowie auf Instagram. Die für ihre schrillen Entwürfe bekannte Westwood galt als Punk-Ikone der Modewelt.

Die Welt brauche „Menschen wie Vivienne, um sich zum Besseren zu ändern“, hieß es weiter seitens ihres Unternehmens. Die Modeschöpferin hinterlässt ihren österreichischen Ehemann und Co-Designer Andreas Kronthaler sowie zwei Söhne, den Fotografen Ben Westwood und Joseph Corré, den Gründer der Dessous-Firma Agent Provocateur. Kronthaler erklärte in einer von der Nachrichtenagentur PA zitierten Stellungnahme, Westwood und er hätten „bis zum Schluss gearbeitet“. Sie habe ihm „viel gegeben“, damit er weiter machen könne. „Danke, mein Schatz.“

Geboren in Nordengland am 8. April 1941 als Vivienne Isabel Swire, begann sie bereits als Teenagerin, erste Kleider zu schneidern. Mit 21 Jahren heiratete sie den begnadeten Tänzer Derek Westwood. Doch dann lernte sie den Kunststudenten Malcolm McLaren kennen und verlor ihr Herz.

Bekannt wurde sie in den 1970ern, als sie mit ihrem Lebensgefährten McLaren, dem Manager der Punk-Band Sex Pistols, in London ein Modegeschäft mit dem Namen „Sex“ betrieb. Westwood schuf Sado-Maso-Monturen für die Musiker der Sex Pistols und inspirierte die Punk-Mode wie keine Zweite. Auch nach der Trennung von McLaren blieb sie ihrer rebellischen Kreativität treu.

Ihren Durchbruch als Designerin schaffte sie 1981 mit einer Show, auf der sie ihre legendäre „Pirate Collection“ vorstellte. Vor allem die Inspiration aus der Mode des 18. und 19. Jahrhunderts war ihr Markenzeichen - allerdings in schrillen, schrägen, exzentrischen Varianten.

Anfang der 1990er Jahre legte Westwood auch als Geschäftsfrau so richtig los. Schließlich gehörte sie zu den ganz Großen der Branche. Westwood machte die Provokation zu einer Kunstform: Sie schickte Topmodel Kate Moss mit nackten Brüsten und Eiscreme essend über den Laufsteg. Ihre Kollegin Naomi Campbell brach sich fast einen Knöchel, als sie es nicht schaffte, auf einem Paar ihrer fast 23 Zentimeter hohen Plateauabsätze aufrecht zu stehen.

Bis zuletzt engagierte sich Westwood politisch, vor allem für den Umwelt- und Klimaschutz. Bis ins hohe Alter fehlte sie auf kaum einer größeren Demonstration. Zur Unterstützung für Julian Assange schmierte sie sich Torte ins Gesicht. Im knallgelben Outfit saß sie vor einem Gerichtsgebäude in London in einem überdimensionalen Vogelkäfig.

Ihr Name stand für die sprichwörtliche englische Exzentrik. Die Queen ließ sich zwar nicht modisch von Westwood inspirieren, hielt ihr Werk aber dennoch in Ehren. 1992 wurde Vivienne Westwood in den Order of the British Empire aufgenommen, 14 Jahre später machte die Queen sie zur Dame. Hof-Modeschöpferin der Royals wurde sie trotzdem nicht. Der Stil-Ikone Herzogin Kate empfahl sie eine Reduzierung ihrer Outfits - aus Gründen des Umweltschutzes.

(peng/AFP/dpa)
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