Laetitia Delhez schilderte Grauen in Marcinelle: Überlebende Opfer bieten Dutroux die Stirn

Laetitia Delhez schilderte Grauen in Marcinelle : Überlebende Opfer bieten Dutroux die Stirn

Arlon (rpo). Die beiden überlebenden Opfer des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux haben am Dienstag ihrem Peiniger vor dem Schwurgericht in Arlon die Stirn geboten. Acht Jahre nach den grausamen Geschehnissen schilderte die 22-jährige Laetitia Delhez in sachlichem Ton das Leid während ihrer sechstägigen Gefangenschaft. Das zweite überlebende Opfer, Sabine Dardenne, lieferte sich mit dem Kinderschänder einen Schlagabtausch. Eine Entschuldigung des Angeklagten lehnten beide ab.

Delhez sagte, Dutroux habe sie mehrmals vergewaltigt und danach gefragt: "Hat das wehgetan?" Die heute 20-jährige Dardenne wollte von Dutroux wissen, warum er sie nicht an ein von ihm mehrfach erwähntes Pädophilen-Netzwerk weitergegeben habe. Dutroux antwortete, er habe nicht gewollt, dass sie wie An und Eefje sterbe. "Ich soll also danke sagen, wenn ich richtig verstehe?" fragte Dardenne. Zudem wandte sie sich gegen Andeutungen, sie trage eine Mitschuld an der Entführung der damals 14 Jahre alten Laetitia.

"Kann man den nicht zum Schweigen bringen?"

Dutroux entgegnete, die zum Tatzeitpunkt zwölfjährige Sabine habe ihm "zwei Monate in den Ohren gelegen", damit sie eine Begleitung bekomme. Sie habe ihm sogar Adressen ihrer Freundinnen gegeben. Dies sei aktenkundig. Dardenne fiel Dutroux ins Wort: "Kann man den nicht zum Schweigen bringen?" Dass Dardenne eine Mitschuld an Laetitias Entführung trage, wies Dutroux aber zurück. Er habe Laetitia am 9. August 1996 im Auftrag des mitangeklagten Michel Nihoul verschleppt, das Mädchen dann aber zu Sabine gebracht, damit diese nicht so alleine sei.

Dutroux hat auch zugegeben, Sabine am 28. Mai 1996 bei Tournai entführt und mehrfach vergewaltigt zu haben. Sabine war 80 Tage in seiner Gewalt. Wie Dutroux wollte sich auch seine mitangeklagte Exfrau Michelle Martin entschuldigen. Delhez entgegnete: "Das ist zu spät. Das Böse, das geschehen ist, ist geschehen."

Delhez sagte aus, Dutroux habe ihr versichert: "Das einzig Böse, das ich dir antun kann, ist mit dir zu schlafen." Wie Sabine habe er auch ihr vom "bösen Chef" erzählt. "Wenn er dich findet, dann bringt er dich um", habe Dutroux zu ihr gesagt. Sie habe während der sechs Tage im Haus in Marcinelle keine warme Mahlzeit erhalten, sondern nur Wasser und Kekse.

Abends ungern allein

Delhez bestätigte, dass sie am Abend des 9. August 1996 in Bertrix auf dem Weg vom Schwimmbad nach Hause von Dutroux in ein weißes Wohnmobil gezerrt wurde. Der mitangeklagte Michel Lelièvre habe das Fahrzeug gefahren. Dutroux habe ihr sofort ein Medikament eingeflößt, wonach sie eingeschlafen sei. Im Haus sei sie zunächst in ein Bett im ersten Stock gelegt und an den Knöcheln gefesselt worden.

Als sie oben gelegen habe, habe sie drei Telefonate gehört, die Dutroux mit einem "Michel" und einem "Jean Michel" geführt habe, sagte Delhez. Dabei sei der Satz "Es ist erledigt" gefallen. Jean ist der Beiname Nihouls. Dutroux hat wiederholt ausgesagt, dass Nihoul das Bindeglied zu einem Pädophilen-Netzwerk gewesen sei. Die bereits zuvor gemachte Aussage Delhez' hatte der Netzwerk-These Nahrung gegeben. Vor Gericht muss sich Nihoul wegen der Entführung Laetitias verantworten. Ein am Morgen aussagender Polizeibeamte argumentierte dagegen, Laetitia habe vom ersten Stock ein Telefonat nicht mithören können.

Dutroux wurde am 13. August 1996, vier Tage nach der Entführung Laetitias, festgenommen. Zwei Tage später führte er die Polizei zu seinem Haus in Marcinelle, wo Laetitia und Sabine befreit wurden. Sabine hatte 80 Tage in der Gewalt Dutroux' verbringen müssen. Delhez sagte, sie habe heute noch Angst, nach draußen zu gehen, und sei abends ungern alleine. Dutroux muss sich wegen Entführung und Vergewaltigung weiterer vier Mädchen verantworten, die grausam starben.

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