Promi-Paare Heiko Maas und Natalia Wörner – Politik ist nie privat

Düsseldorf · Persönlichkeit des öffentlichen Lebens zu sein, bietet manche Vorzüge. Der Nachteil: Wenig bleibt privat. Jüngstes Beispiel: die Trennung des einstigen Glamour-Paares Heiko Maas und Natalia Wörner.

 Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Natalia Wörner und Heiko Maaß.

Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Natalia Wörner und Heiko Maaß.

Foto: dpa/Gregor Fischer

Promis sind auch nur Menschen. Sie verlieben sich, und sie trennen sich nicht öfter als Normalos. Es kommt einem nur so vor, weil es niemand an die große Glocke hängt, wenn so was Herrn Müller oder Frau Schulze passiert, obwohl es in Hunderttausenden von Fällen tatsächlich geschieht. Nun sind aktuell Heiko Maas und Natalia Wörner kein Paar mehr, was beide über ihre Anwältin gleich direkt der Deutschen Presse-Agentur gesteckt haben, damit es auch jeder und jede mitkriegt. Mit Aufschneiderei hat das nichts zu tun. Wer in der Öffentlichkeit steht, steht immer auch unter Druck. Es gibt Gerüchte, es gibt Häme, es gibt Hass, egal was man tut. Selbst wenn man eine Sache gut macht.

Deshalb lieber die Flucht nach vorn und die Karten auf den Tisch: „Wir haben uns bereits vor längerer Zeit entschieden, in Zukunft getrennte Wege zu gehen. Wir werden uns dabei freundschaftlich verbunden bleiben und wünschen uns gegenseitig von Herzen das Beste für die Zukunft“, heißt es nicht nur kurz und knapp, sondern auch respektvoll und ohne Blick zurück im Zorn.

Mag sein, dass es beiden eine Weile gefallen hat, zum Glamour-Paar hochgejubelt zu werden: Sie, die erfolgreiche Schauspielerin, und er, der Bundesjustiz- und spätere Außenminister. Wörner verkörpert immer noch sehr erfolgreich „Die Diplomatin“ in der gleichnamigen ARD-Serie. Maas, so behaupten böse Zungen, habe seine Rolle im echten Job zuletzt weniger gut gespielt. Immerhin wurde der Sozialdemokrat 2016 vom Männermagazin GQ zum bestangezogenen Mann Deutschlands gekürt. Aber das ist alles Schnee von gestern, denn der 56-Jährige hat sich aus der Politik zurückgezogen.

Genauso wie Christian Wulff, der schon viel länger weg von dieser Bühne ist, aber immer noch hauptsächlich mit privaten Dingen von sich reden macht. Auch bei dem 64-jährigen CDU-Mann geht es um die Liebe, wobei in seinem Fall Herz und Schmerz besonders nahe beieinander liegen: Zum dritten Mal hat der frühere Bundespräsident seine Partnerin Bettina im März dieses Jahres geheiratet, eine Wieder-und-wieder-Vereinigung, wie sie zugegebenermaßen selbst in Deutschland nicht alle Tage vorkommt.

Liebe braucht Nähe. Wer in der Woche 24/7 unterwegs ist, also kaum ein Privatleben hat, kann eine Beziehung nicht so pflegen, wie sie es vielleicht verdient hätte, selbst wenn der Wille dazu vorhanden ist. Die Freundschaften oder Ehen von Menschen, die wegen ihrer exponierten Berufe im Focus der Öffentlichkeit stehen, sind daher immer besonderen Belastungen ausgesetzt. Da hat sich Bundesfinanzminister Christian Lindner, der seinen Bund fürs Leben mit der Journalistin Franca Lehfeldt im vergangenen Jahr auf Sylt mehr oder weniger öffentlich und als Ausgetretener sogar kirchlich zelebrierte, recht forsch positioniert. Nicht zum ersten Mal.

Und oft genug geschieht es, dass nur noch für die Kameras gelächelt wird, weil die Welt dahinter es so erwartet. Welche Tragödien sich in der Familie des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl hinter den Kulissen abspielten, erfuhren die Bundesbürgerinnen und -bürger erst, als der CDU-Patriarch längst nicht mehr in Amt und Würden war.

Gerhard Schröder, der nie ein Kind von Traurigkeit gewesen ist, überspielte hingegen auch private Krisen sogleich souverän, sobald diese an die Öffentlichkeit gelangten. Schon als SPD-Ministerpräsident im VW-Land Niedersachsen bezeichnete er sich gerne als „Auto-Mann“ und hatte später nichts gegen den Spitznamen „Audi-Mann“ einzuwenden, den ihm 1997 seine vierte Ehe wegen der vier Ringe im Markenlogo des Tochterunternehmens von Volkswagen bescherte. Als Schröder dann 2018 seiner gut 25 Jahre jüngeren südkoreanischen Freundin So Yeon Kim das Ja-Wort gab, soll er selbst gewitzelt haben, mit dem fünften Ring nun „Olympia-Status“ zu erreichen.

Dasselbe könnte übrigens Schröders prominentester Partner im ersten rot-grünen Regierungsbündnis auf Bundesebene von sich behaupten. Auch Joschka Fischer ist zum fünften Mal verheiratet. 2005 ehelichte er seine Lebensgefährtin Minu Barati. Doch erstens schottet der einstige Grünen-Realo sein Privatleben seither strikt von der Öffentlichkeit ab. Zweitens pflegte er nie einen deftigen Humor à la Schröder und drittens verbindet beide politisch wie persönlich wohl nicht mehr viel. Überhaupt waren Koalitionen selten Liebesheiraten.

Was es heißt, mit Mutmaßungen über das Privatleben im Rampenlicht zu stehen, obwohl man kein hohes Regierungsamt mehr bekleidet, wird Angela Merkel nur zu gut wissen. Obwohl es niemanden etwas angeht, kursieren immer wieder Gerüchte, sie und ihr Ehemann Joachim Sauer hätten sich getrennt. Dabei ist der renommierte Quantenchemiker ein gefragter Wissenschaftler und ständig auf Achse. Zuletzt saß die Altkanzlerin beim Staatsbankett zu Ehren des Besuchs von König Charles im Schloss Bellevue in Berlin an der Seite des britischen Monarchen – ohne ihren Mann. Die Erklärung allerdings war ziemlich simpel: Joachim Sauer wurde zur selben Zeit eine wichtige Auszeichnung für seine „bahnbrechenden Beiträge zum atomistischen Verständnis der Oberflächenchemie komplexer Oxide und für die Entwicklung von Rechenwerkzeugen für Molekül-Oberflächen-Wechselwirkungen“ verliehen.

Aber so etwas interessiert nun einmal einfach nicht.

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