Promis und Privatleben Schnappschuss für die Öffentlichkeit – was Steffi Graf richtig macht

Meinung | Düsseldorf · Auf einem Foto bei Instagram sieht man Steffi Graf auf einem Longboard fahren. Gepostet hat es ihr Mann Andre Agassi. Warum ist der Ausnahme-Sportlerin der Rückzug gelungen, Prinzessin Kate aber nicht?

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Foto: dpa, Schrader

Es ist ein Foto voller Lebensfreude und Leichtigkeit: Steffi Graf (54) steht in Jeans und Turnschuhen auf einem Longboard. Das ist ein etwas längeres Skateboard mit weicheren Rollen. Sie fährt eine asphaltierte Straße entlang wie ein Teenager. Ihr Mann Andre Agassi hat den Schnappschuss auf der Plattform Instagram gepostet und mit einem schlichten, roten Herz versehen. Kein Text, an dem sich herumdeuteln ließe. Keine Ortsangabe. Man weiß, dass das Paar in Las Vegas lebt und das Foto sieht aus wie die Szene aus einem amerikanischen Highschool-Film: sonnig, verspielt, dynamisch, zugleich entspannt.

Natürlich kann man die Echtheit nicht nachprüfen, KI macht vieles möglich. Aber vor allem denkt man bei diesem Foto doch: Ach, Steffi Graf gibt es ja auch noch! Scheint ihr gut zu gehen. Hält sich fit, hat Freude an einfachem Vergnügen und bekommt von immer noch demselben Ehemann ein Herz geschickt. Und schon schließt sich das Fenster wieder in die Welt von Steffi Graf.

Gerade ist viel die Rede vom Recht auf Privatsphäre prominenter Leute. Wenn Menschen wie die britische Prinzessin Kate öffentliche Ämter ausfüllen, scheint es für sie fast unmöglich, sich eine Weile zurückzuziehen. Erst als sie ihre Krebserkrankung öffentlich machte, bekam sie ein wenig Rückzug zugestanden. Erschreckt hielt die Netzöffentlichkeit inne, die zuvor halb ernst, halb im Spaß Gerüchte und Verschwörungsgeschichten über die abgetauchte Prinzessin erfunden und verbreitet hatte. Der Hunger nach Nachrichten über Kate hat allerdings auch damit zu tun, dass es zuvor ständig Neuigkeiten von ihr gab. Kate nahm öffentliche Termine wahr in traumhaften Outfits, freundlich lächelnd, erfüllte ihre Rolle perfekt. Der plötzliche Entzug und das kommunikative Desaster wie das von den Royals selbst manipulierte Familienfoto heizten die Gerüchteküche dann an.

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Foto: dpa/Frank Augstein

Steffi Graf hingegen hat sich einfach rargemacht. Sie kann das leichter tun, weil sie kein öffentliches Amt bekleidet, nicht Teil einer Dynastie ist, die um ihr Ansehen bei der Bevölkerung besorgt sein muss. Für das britische Königshaus geht es immer auch um die Rechtfertigung ihres Daseins. Darum füttert der Palast die Öffentlichkeit konstant mit idyllischen Bildern. Wenn die dann mal ausbleiben, gibt es ein Problem.

Die deutsche Ausnahme-Tennisspielerin Steffi Graf hat auch ihre Erfahrungen mit dem Leben als öffentliche Person gemacht. Während ihrer aktiven Zeit als Profisportlerin stand sie permanent im Zentrum des Interesses. Sie hat durch die Skandale um ihren Vater und den Prozess wegen Steuerhinterziehung erlebt, wie es ist, wenn sich die Öffentlichkeit gegen einen wendet und auch die negativen Geschichten genau wissen will. Dann beendete Graf ihre Profikarriere, trennte sich von ihrem langjährigen Lebensgefährten, heiratete den Tennisprofi Andre Agassi und verschwand in die USA.

Dann gelang ihr das Eigentliche: Sie hat der Versuchung widerstanden, weiter auch eine öffentliche Person zu bleiben, der man zujubelt, die man zu Galas einlädt und für ihre sportlichen Taten preist. Sie hat kaum Interviews gegeben, nur selten an öffentlichen Ereignissen teilgenommen, hat zwei Kinder bekommen und ihr Familienleben abgeschirmt. Konsequente Abstinenz kann anscheinend dafür sorgen, dass das öffentliche Interesse irgendwann nachlässt, dass man in Ruhe gelassen wird. Doch verlangt das eben auch die Größe von einem prominenten Menschen, in die Masse der Nobodys einzutauchen. Einfach wieder ein privater Mensch zu sein, der natürlich noch erkannt wird, der aber in der öffentlichen Welt keine Rolle mehr spielt. Auch keine positive. So gut wie vergessen. Das hält nur aus, wer sich jenseits des Ruhms ein erfülltes Privatleben aufgebaut hat. Das scheint Steffi Graf gelungen.

Auch der in die USA ausgewanderte britische Königssohn Harry hätte vermutlich diese Wahl treffen können. Aber dann gibt es eben auch keine Millionen-Honorare für Exklusivinterviews, keinen Rekorderlös aus Buchverkäufen, keine Riesen-PR für das eigene Engagement im Sport für versehrte Soldaten. Wer die Öffentlichkeit bedient, um daraus positive Effekte zu ziehen, muss mit der Gier nach noch mehr Informationen kalkulieren. Das heißt nicht, dass es keine Grenzen geben muss. Die Hatz auf Prinzessin Kate bis zu deren Erklärung hat diese Grenzen überschritten. Aber für Promis ohne Amt ist Rückzug möglich. Wenn sie es denn wollen. Und aushalten. Und lieber skaten gehen.

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