Nach rassistischem Vorfall in Züricher Boutique: Schweiz entschuldigt sich bei Oprah Winfrey

Nach rassistischem Vorfall in Züricher Boutique : Schweiz entschuldigt sich bei Oprah Winfrey

Nach der rassistischen Diskriminierung der schwarzen US-Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey in einer Züricher Boutique hat sich die Schweizer Tourismusagentur offiziell entschuldigt.

"Wir bedauern sehr, was ihr zugestoßen ist", sagte eine Sprecherin am Freitag. Winfrey, eine der reichsten Frauen der Welt, hatte im US-Fernsehen erzählt, dass sie vor einigen Wochen in einem Geschäft in Zürich nicht bedient wurde. Eine Verkäuferin weigerte sich demnach wiederholt, der Milliardärin eine bestimmte Handtasche zu zeigen - mit dem Hinweis, diese sei "zu teuer" für sie. Winfrey war in der Schweiz, um die Hochzeit von Tina Turner zu feiern, die dort lebt.

Auch über Twitter distanzierte sich die Schweizer Tourismusagentur. "Wir schäumen vor Wut. Diese Person hat sich schrecklich falsch verhalten", hieß es in einem Tweet vom Freitag. Laut dem "Forbes"-Magazin hat Winfrey im angelaufenen Geschäftsjahr, das im Juni endete, umgerechnet rund 58 Millionen Euro verdient.

Verkäuferin dementiert Vorfall

Die Edelboutique verteidigte unterdessen ihre Verkäuferin und bezeichnete den Vorfall als ein Missverständnis. Die Besitzerin sieht dagegen keine Schuld bei der Verkäuferin. Oprah habe "etwas in den falschen Hals bekommen", sagte sie dem Boulevardblatt "Blick". "Ich kann der Mitarbeiterin nichts vorwerfen. Ich sehe keinen Grund, sie zu entlassen." Die Frau habe korrekt und ohne rassistische Vorurteile gehandelt.

Ihre Version der Geschichte: Die Verkäuferin habe beim Preis der 35.000 Franken (ca. 28.500 Euro) teuren Tasche Gewissensbisse gehabt und ihrer Kundin deshalb noch andere Versionen anbieten wollen. Ihr einziger Fehler sei gewesen, das Stück nicht auch aus dem Regal zu nehmen, so die Besitzerin. "Vielleicht war ihr Englisch auch nicht ganz so gut wie das von Oprah." Die Frau habe es nur gut gemeint.

Der Präsident der Vereinigung Züricher Bahnhofstrasse, Markus Hünig, bezeichnete das Verhalten der Verkäuferin als "absolut daneben". Etwas Vergleichbares sei ihm noch nie zu Ohren gekommen, wird er auf der Online-Seite des Schweizer "Tagesanzeiger" zitiert.

Auf Twitter hat die Geschichte Kritik und auch Spott über den Laden ausgelöst. "Ich wette, der Filialleiter war "begeistert" als er herausfand, wen genau sie aus dem Laden haben gehen lassen." Vielen Usern erscheint auch unbegreiflich, dass die Verkäuferin die berühmte US-Moderatorin nicht erkannt habe: "Oh, da lebt einer aber unter einem Felsen..." Auch US-Schauspielerin Mia Farrow wies auf dem Kurznachrichtendienst auf den Vorfall hin.

Ihren Shoppingbummel in Zürich hatte die 59-Jährige alleine unternommen - wie sie selbst sagt, in "kompletter Oprah Winfrey-Ausrüstung", also in einem hübschen Kleid, allerdings ohne künstliche Wimpern. Im Laden habe man sie aber offenbar nicht erkannt, mutmaßte Winfrey im Interview. In der Schweiz werde ihre Show ganz offensichtlich nicht ausgestrahlt.

(ap/dpa)