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"Erwachsen auf Probe": RTL-Show profitiert von ihren Kritikern

"Erwachsen auf Probe" : RTL-Show profitiert von ihren Kritikern

Köln (RP). Der Trick klappt immer wieder: Für den Start seiner Baby-Verleihshow "Erwachsen auf Probe” (Mittwoch, 20.15 Uhr) hat RTL im Vorfeld die beste und massivste Werbung bekommen, die man sich denken kann: Die Kinderkommission des deutschen Bundestages hat den Kölner Sender aufgefordert, die Ausstrahlung abzublasen, der Kinderschutzbund ist entsetzt, Kirchen, Politiker, Pädagogen und Ärzte sind auf den Barrikaden.

Der Protest verschafft RTL vor allem eins: Quote für eine Show, deren Erfolg davon abhängt, für einen Skandal gehalten zu werden, ohne einer sein zu müssen. Dass das Rezept der Vorab-Skandalisierung auch Jahre nach dem Start der lahmen Container-Show "Big Brother” und der B-Prominenz-Verklappung im "Dschungelcamp” noch immer wie auf Knopfdruck funktioniert, ist erstaunlich.

Es setzt voraus, dass die Zuschauer allen Ernstes glauben, das von RTL gesendete Material zeige etwas, dass sich tatsächlich in der Wirklichkeit zugetragen habe. Das tut es natürlich nicht. "Erwachsen auf Probe” folgt präzisen Drehbüchern, lässt alles weg, was nicht ins Konzept passt, spitzt Situationen zu, rafft Zeitabläufe, setzt sie neu zusammen und "erzählt” vermeintliches Geschehen.

Ihren Unterhaltungswert bezieht die Show daraus, reichlich unbedarfte und überforderte Teenager-Darstellern mit Alltagssituationen und zu konfrontieren, in denen echte Kinder nur eine besondere dramaturgische Dreingabe. Wo die gespielte Teenie-Mutti sich schon ratlos fragt, welche Markierung auf dem Messbecher nun einen Liter und welche 100 Milliliter anzeigt, wird es schnell lustig. Spitzen-Dialog aus einer RTL-Vorschau: Der tätowierte Tennie-Papa neben dem Krabbel-Baby ruft leicht lethargisch: "Schatz? Bring mal die Flasche bitte!” Transusig schallt es aus dem Off zurück: "Welche Flasche?”

Die RTL-Behauptung, die Sendung sei gesellschaftlich besonders relevant, weil "immer mehr” Teenager sich Kinder wünschten, ist frei erfunden. Laut statistischem Bundesamt ist die Zahl der Teenager-Schwangerschaften seit 2001 rückläufig. Als "Dokumentation” (RTL-Werbung) ist die achtteilige Show so unbrauchbar wie die Urteile von Barbara Salesch für die deutsche Rechtsprechung.

(RP)