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"Wetten, dass..?"-Kandidat Samuel Koch: "Papa, ich will wieder gehen"

"Wetten, dass..?"-Kandidat Samuel Koch : "Papa, ich will wieder gehen"

(RP). Am Samstag zeigt das ZDF die erste "Wetten, dass..?"-Sendung nach dem schweren Sturz des Kandidaten Samuel Koch. So offen wie nie erzählt der Vater des bis heute gelähmten 23-Jährigen, wie der Unfall das Leben seiner Familie verändert hat.

Den Knall hört Christoph Koch bis heute: das dumpfe Geräusch, mit dem sein Sohn Samuel mit dem Kopf auf die Windschutzscheibe des A 8 schlug, an dessen Steuer Christoph Koch saß. Er fuhr weiter, als Samuel schon hinter dem Auto am Boden lag, einige Meter nur, unfähig, auszusteigen. Etwas Schlimmes musste passiert sein.

Das Schlimmste, das in 30 Jahren "Wetten, dass..?" geschehen war und das eine Debatte über Quotendruck im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgelöst hatte — es ist vor allem die furchtbare Tragödie, die der Familie Koch widerfahren ist. Am Abend des 4. Dezember hatte Samuel als Wettkandidat in der Düsseldorfer Messehalle versucht, mit Sprungfedern unter den Füßen Salti über ihm entgegenfahrende Autos zu schlagen.

Dabei war der 23-Jährige so schwer gestürzt, dass er bis heute gelähmt ist und in einer Schweizer Spezialklinik behandelt werden muss. Kurz vor dem ersten "Wetten, dass..?" seit dem Unfall, das morgen aus Halle gesendet wird, erzählt Christoph Koch nun im "Stern", wie seine Familie den Sturz erlebt hat und gut zehn Wochen später darum kämpft, ihr von Grund auf verändertes Leben zu bewältigen.

"Es tut mir so leid, Papa"

Er habe sich, nachdem er endlich aus dem Wagen gestiegen sei, zu Samuel hinuntergebeugt, erzählt Christoph Koch im "Stern": "Papa, ich will wieder gehen können", habe sein Sohn gesagt. Wenig später, Samuel lag schon in der Düsseldorfer Uniklinik, habe er geflüstert: "Es tut mir so leid, Papa." Und: "Du bist der beste Papa der Welt." Wie er Samuel bei einem so riskanten Stunt anfangs nicht einmal habe zusehen wollen, erzählt Christoph Koch dann, und, wie er es letztlich nicht übers Herz brachte, seinem Sohn diesen Wunsch abzuschlagen: Er, sein Vater, sollte in Düsseldorf einen der Wagen fahren.

Er würde sich am liebsten rund um die Uhr um Samuel kümmern, sagt Koch. Die Klinik in Nottwil liegt eine Stunde vom südbadischen Wohnort der Familie entfernt. Doch der 54-jährige Informatiker muss arbeiten, sich um Samuels drei Geschwister kümmern. Seine Frau hat sich von ihrem Job als OP-Schwester beurlauben lassen, um Samuel zu betreuen. Zuhause hält ihre Tochter die Stellung, die 20-Jährige hat nach dem Unfall ihr Au-pair-Jahr in Oslo abgebrochen. Dem 14-jährigen Bruder sagte Samuel neulich am Telefon: "Es tut mir leid, dass ich dir die Mama genommen habe." Er sei nun wieder ein Kind.

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Wenn seine Mutter ihm die Mahlzeiten reicht, nimmt das dreimal täglich eine Stunde in Anspruch, vier Stunden dauern die Therapien. Momentan lernt Samuel, den Oberarmmuskel zu steuern. Vielleicht kann er bald den kleinen Finder der rechten Hand wieder bewegen. So hofft er. Die grausamste Übung, habe er gesagt, sei die, bei der der Therapeut Samuels Hand an seine Wange führt. Er spüre dann mit der Wange die Hand — aber mit der Hand nicht die Wange.

Samuel will trotz allem wieder gehen können, irgendwann vielleicht auch wieder vor der Kamera stehen. Vor seinem Unfall hat er Schauspiel studiert, sogar eine Mini-Rolle in "Vier Tage im Mai" übernommen. Der Film kommt im Frühjahr in die Kinos. Was Samuel helfe, jetzt nach vorn zu schauen: Vater und Sohn hätten über den Unfall gesprochen, sagt Christoph Koch. Er habe Samuel versichert, dass dieser nicht allein Schuld habe: "Wir haben es zusammen verbockt."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Samuel Kochs schwerer Unfall bei "Wetten, dass..?"

(RP)