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Zum Tod von Hildegard Krekel: "Man sagt nie, das kann ich nicht"

Zum Tod von Hildegard Krekel : "Man sagt nie, das kann ich nicht"

Im Sommer vergangenen Jahres ging Hildegard Krekel in ihrer Rolle als Uschi Schmitz auf eine Reise nach Australien. Der unfreiwillige Ausstieg aus der TV-Serie "Die Anrheiner" war Krekels jahrelangem Krebsleiden geschuldet; der Kampf gegen die Krankheit kostete sie zu viel Kraft. Die energiegeladene, rastlose Schauspielerin, deren liebstes Motto "Man sagt nie, das kann ich nicht" lautete, konnte nicht mehr.

Ihren Durchbruch feierte Krekel 1973 als Rita, der cool-kessen Tochter von "Ekel Alfred" Tetzlaff, dem Familien-Tyrann und Sozi-Hasser aus der Serie "Ein Herz und eine Seele". Das Format verdankte den Erfolg auch seiner grandiosen Besetzung, mit Heinz Schubert als Alfred, Elisabeth Wiedemann als dessen Frau Else ("dusselige Kuh") und Diether Krebs als Ritas Gatte Michael.

Als notorische Weltverbesserin durfte Rita ihren reaktionären Vater regelmäßig in den Wahnsinn treiben, was sehr lustig war und zugleich sehr treffend, weil gesellschaftliche Konflikte thematisiert wurden. Folgen wie "Rosenmontagszug" und "Silvesterpunsch" zählen bis heute zu den Fernseh-Klassikern. Bis zuletzt wurde Krekel immer wieder auf die Figur der Rita angesprochen, erzählte sie einmal — es war die Rolle ihres Lebens.

Zumindest das Optimistische, Lebensbejahende, Umtriebige hat Hildegard Krekel wohl mit Rita geteilt. Die Rheinländerin sprach Hörspiele ein, übernahm Rollen im Theater, im Fernsehen und im Film und synchronisierte Schauspielerinnen wie Helen Mirren und Bette Davis. "Ich bin eine alte Kommode, die viele Schubladen hat", sagte sie über sich selbst. Die größte Schublade hatte sie für die WDR-Serie "Die Anrheiner" reserviert. Dort spielte sie 14 Jahre lang mit der resoluten Wirtin Uschi Schmitz eine der tragenden Rollen und transportierte angenehm zurückhaltend rheinische Lebens- und Mundart.

Los mit der Arbeit für den Hörfunk ging es bei Hildegard Krekel bereits als Schülerin. Damals produzierte sie schon erste Hörspiele für den WDR. Sie sei die WDR-Dienstälteste, sagte Krekel daher gerne. Auch ihrem späteren Schauspielkollegen Heinz Schubert begegnete sie früh, drehte als 14-Jährige gemeinsam mit ihm den Krimi "Der Mann mit der Puppe". Später wurde sie für die Produktion "Die Ratten" verpflichtet.

Dabei arbeitete sie an der Seite von Inge Meysel, von der sie sich viel abzuschauen versuchte. Einem großen Publikum bekannt wurde Krekel dann aber erst mit "Ein Herz und eine Seele". Von der Urbesetzung lebt heute nur noch Elisabeth Wiedemann. Diether Krebs starb im Jahr 2000 ebenfalls an Krebs mit nur 52 Jahren, Drehbuchautor Wolfgang Menge im vergangenen Jahr mit 88 Jahren. Heinz Schubert wurde 74, er starb im Jahr 1999.

Mit den "Anrheinern" hatte Krekel so etwas wie ihre zweite TV-Heimat gefunden. Zu ihrem 60. Geburtstag im vergangenen Jahr hatte noch jemand aus dem Team gewitzelt, dass sie wohl noch bis 70 weitermachen würde. "Ich muss nicht für meine Rente arbeiten, sondern nur noch für mein Publikum", hatte sie damals geantwortet. Krekel ist im Kreise ihrer Familie gestorben — ihr Lebenspartner Max Lorenz, ihre beiden erwachsenen Töchter und ihre Schwester Lotti.

Beim WDR reagierte man bestürzt auf den Tod Krekels. "Der Tod von Hildegard Krekel trifft uns sehr", sagte die Produzentin der "Anrheiner". "Mit ihr verlieren wir eine große Volksschauspielerin, die die Menschen berührte."

(RP/csi/jre/jco)