„Let’s Dance“-Juror Joachim Llambi „Ich werde auch weiterhin klar und deutlich meine Meinung sagen“

Interview | Duisburg · Joachim Llambi (59) ist seit 18 Jahren als strenger Juror das Gesicht von „Let’s Dance“. Dabei steht er oft auch selbst in der Kritik. Im Interview verrät der Duisburger, wie er damit umgeht und gibt ganz private Einblicke in sein Leben.

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Foto: RTL/Pervin Inan-Serttas

Herr Llambi, die 17. Staffel von „Let’s Dance“ ist Geschichte und hat mit Gabriel Kelly einen sehr verdienten Sieger hervorgebracht. Würden Sie diesen Satz so unterschreiben?

Joachim Llambi Ja absolut. Er hat über die gesamte Staffel immer konstant abgeliefert. Und auch im Finale hat er technisch und rhythmisch am besten getanzt. Auch Jana Wosnitza und Detlef Soost haben im Finale gute Leistungen gezeigt. Aber alles in allem ist Gabriel Kelly der verdiente Sieger dieser Staffel.

Wer war für Sie in der abgelaufenen Staffel die größte Überraschung?

Llambi Dass Ann-Kathrin Bendixen es bis ins Halbfinale geschafft hat, war natürlich schon überraschend. Sie ist eine ganz liebe Person, aber tänzerisch zählte sie sicher nicht zu den Besten. Mit ihrer Persönlichkeit kam sie aber beim Publikum besonders gut an. Mark Keller hat mich ebenfalls überrascht. Er war mit 59 Jahren der älteste Kandidat und man hatte das Gefühl, dass er in einen Jungbrunnen gefallen ist. Und die dritte Überraschung war für mich Tony Bauer. Es hat mich beeindruckt, wie positiv er mit seiner Leidensgeschichte umgegangen ist. Den haben die Zuschauer wirklich ins Herz geschlossen.

Tony Bauer musste aufgrund seiner Erkrankung vorzeitig aus der Staffel aussteigen. Das war für viele Zuschauer sehr ergreifend. Und auch Sie haben in diesem Moment offen ihre Gefühle gezeigt. War diese „Let’s Dance“-Staffel auch für Sie persönlich die emotionalste?

Llambi Zunächst einmal muss ich sagen: Tony Bauer ist ein so positiver Mensch – vor und hinter der Kamera. Er hat sich überhaupt nicht verstellt und ist sehr offen und authentisch mit seiner Erkrankung umgegangen. Das hat die Zuschauer berührt und mich natürlich auch. Ich glaube, er war in den gesamten 17 Staffeln einer der beliebtesten Kandidaten, die nicht gewonnen haben.

„Let’s Dance“ ist eine Unterhaltungsshow, aber gleichzeitig auch ein Wettbewerb. Ist es Ihnen als Juror deshalb wichtig, dass am Ende auch der oder die tänzerisch Beste gewinnt?

Llambi Am Ende ist Let’s Dance eine Tanzshow, da sollte es erst einmal nicht darum gehen, welcher Kandidat am sympathischsten ist. Der Erfolg dieser Sendung ist seit 17 Staffeln aus meiner Sicht, dass die Kandidaten dort etwas leisten und sich wochenlang durch das harte Training quälen. Und im Großen und Ganzen hatten wir am Ende immer den richtigen Sieger, auch diesmal mit Gabriel Kelly. Das ist auch gut so, denn die Akzeptanz der Show beruht auch bei dem Großteil der Zuschauer auf dem Stichwort Tanzen. Es ist doch letztlich genauso wie bei Quizshows. Die Deutschen wollen immer jemanden haben, der sich Mühe gibt und sich am Ende den Pokal verdient. Der Beste soll gewinnen und es muss alles korrekt ablaufen.

Sie gelten in der dreiköpfigen Jury als das strengste Mitglied. Manchmal stehen Sie nach ihren Urteilen aber auch selbst in der Kritik. Ist es schwierig, dass Kritik immer sachlich ausfällt und nicht zu persönlich wird?

Llambi Es geht bei meinen Urteilen eigentlich immer nur um die Frage: Was habe ich gerade auf der Tanzfläche gesehen? Leider vermischt der Zuschauer manchmal gerne fachliche Kritik mit Kritik an der jeweiligen Person. Das kann man nicht immer verhindern. Ich werde aber auch weiterhin klar und deutlich meine Meinung sagen. Der Zuschauer sieht immer nur die Liveshow. Aber natürlich spreche ich auch unter der Woche mit den Kandidaten und tausche mich mit ihnen aus. Ich kann Ihnen sagen: In all den Jahren gab es weniger als eine Handvoll Leute, mit denen ich mich wirklich überhaupt nicht verstanden habe und wo es auch menschlich nicht gepasst hat.

Reflektieren Sie trotzdem ab und an einmal, was Sie in der Show gesagt haben?

Llambi Klar, das mache ich schon. Natürlich gibt es mal den einen oder anderen Satz, wo man hinterher denkt, den hättest du dir sparen können. Aber im Großen und Ganzen stehe ich immer zu einhundert Prozent hinter dem, was ich gesagt habe.

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So war das Finale von „Let’s Dance“

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Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Wie gehen Sie mit negativen Kommentaren ihre Person betreffend um?

Llambi Einzelne negative Kommentare über mich in den sozialen Medien interessieren mich wirklich gar nicht. Was mich eher manchmal ärgert, sind Kommentare von Leuten, die sich über die Medien oder in Podcasts über meine Aussagen äußern und selbst aber gar nicht live im Studio dabei waren. Denn die Wahrnehmung, die wir in der Jury im Studio haben, ist manchmal durchaus eine andere als die, die man über das TV bekommt.

Für viele ist „Let’s Dance“ mittlerweile DIE Liveshow im deutschen Fernsehen. Die Einschaltquoten sprechen für sich. Was genau ist denn nun das Geheimnis von „Let’s Dance“?

Llambi Let’s Dance ist ein Leistungswettbewerb. Es wird niemand beleidigt und auch niemand vorgeführt. Die Promis und auch die Profitänzerinnen und Profitänzer lassen ihr Herz auf dem Parkett, alles ist echt. Es gibt einen unterhaltsamen Moderator und eine Jury, die in ihrer Besetzung seit zwölf Jahren konstant geblieben ist. In anderen Shows wechseln Jury-Besetzungen in jeder Staffel. Bei Motsi Mabuse, Jorge Gonzalez und mir stimmt einfach die Mischung. Jorge ist unser kubanischer Paradiesvogel, Motsi hat ein großes, südafrikanisches Herz und dann gibt es den Herrn Llambi, der gerne mal Tacheles redet. Wir sind sehr unterschiedlich, aber das macht eine gute Jury und letztlich eine gute Show aus.

Und man hat auch das Gefühl, dass „Let’s Dance“ etwas für alle Altersklassen ist.

Llambi Ja, das belegen ja auch die Einschaltquoten und die Umfragen der Marktforschung. Bei der Show gucken sowohl sechsjährige Kinder als auch die 90 Jahre alte Oma zu. Es ist ein großes Wort, aber man kann schon sagen, dass Let’s Dance eines der letzten großen Lagerfeuer im deutschen Fernsehen ist, wo sich Jung und Alt gemeinsam vor den Bildschirm setzen und zusammen einen schönen Abend verbringen.

Genau wie „Let’s Dance“ könnte auch das Tanzen an sich ein Sport für alle Altersklassen sein. Haben Sie auch den Eindruck, dass die Deutschen eher tanzfaul sind?

Llambi Ja, das stimmt wahrscheinlich. Es ist schade, denn die meisten, die einmal in die Tanzschule gegangen sind, bleiben aus meiner Erfahrung dann auch dabei. Getanzt wurde in Deutschland immer. Aber es ist schwierig neue Leute für das Tanzen zu begeistern. Was ich so höre, hat Let’s Dance zumindest bewirkt, dass viele Paare, die früher einmal getanzt haben, die Leidenschaft für sich wiederentdeckt haben.

Geben Sie uns doch noch einen tieferen Einblick in die „Let’s Dance“-Familie. Wie ist das Verhältnis zu den Tanzkollegen hinter den Kulissen? Sind da über die Jahre auch Freundschaften entstanden?

Llambi Es ist wie im echten Leben: Es gibt manche, mit denen geht man gerne ein Bier trinken und mit manchen eben nicht so gerne. Das ist doch ganz normal. Natürlich gibt es über die Jahre auch Leute, mit denen man nicht nur Bier getrunken hat, sondern mit denen man sogar essen gegangen ist. Das sind zwar wenige. Aber letztlich habe ich mich mit den meisten immer gut verstanden, auch wenn daraus nicht immer Freundschaften geworden sind. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Eva Padberg musste in dieser Staffel nach der dritten Show gehen und ich habe Sie in meinen Urteilen zuvor nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst. Trotzdem hat sie sich nach ihrem Ausscheiden bei mir bedankt und mir gesagt, dass es zwar eine kurze, aber doch eine tolle Zeit für sie bei Let’s Dance war. Und das ist doch schön, wenn man fair miteinander umgeht.

Wie ist denn ihr wahres Verhältnis zu Moderator Daniel Hartwich. In der Show necken Sie beide sich ja mal gerne, aber eigentlich mögen Sie ihn schon oder?

Llambi (lacht) Ja, wir verstehen uns schon gut. Unser Hallensprecher hat halt leider keine Ahnung vom Tanzen. Und wenn er anfängt darüber zu reden, lasse ich ihn das natürlich spüren. Es ist zwischen uns so ein wenig wie es bei Gerhard Delling und Günter Netzer war. Die haben sich auch gemocht, glaube ich. Aber sobald Delling über Fußball sprechen wollte, hat Netzer ihm seine Grenzen aufgezeigt.

Sie sind ja mittlerweile viel im TV unterwegs. Welche Berufsbezeichnung würden Sie sich eigentlich geben?

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Llambi (lacht) Tausendsassa, trifft es wohl ganz gut.

Arbeiten Sie denn noch als Wertungsrichter bei Tanzturnieren oder was machen Sie, wenn Sie nicht in der Jury von „Let’s Dance“ sitzen?

Llambi Nein, für die Arbeit als Wertungsrichter habe ich eigentlich kaum noch Zeit. Ich moderiere sehr viele Events, Galas und Firmenjubiläen. Darüber hinaus halte ich Vorträge über meine berufliche Vergangenheit als Börsenmakler. Und bald sieht man mich auch bei der Fußball-Europameisterschaft im TV im Einsatz. Mir wird also nicht langweilig.

Gutes Stichwort: Sie haben bis 2012 in Frankfurt und Düsseldorf als Börsenmakler gearbeitet: Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie ihren Job aufgegeben haben?

Llambi Das Engagement im Fernsehen wurde zu diesem Zeitpunkt immer intensiver. Und der Präsenzhandel an der Börse in Frankfurt wurde eher weniger, nicht mehr. Ich musste mich deshalb damals entscheiden, ob ich noch einmal etwas Neues anfangen möchte. Und dann habe ich mich für Let’s Dance und Co. entschieden. Heute mit fast 60 würde ich einen solchen Schritt wahrscheinlich nicht mehr wagen.

Waren Sie an der Börse denn auch so ein harter Hund wie heutzutage als Juror bei „Let’s Dance“?

Llambi Ja, und das muss man tatsächlich auch sein. Ich stand hinter der Schranke und vor mir stand immer eine Traube von Menschen, die sich bei mir über die aktuellen Preise aus Angebot und Nachfrage informieren wollten. Und da gab es schon Tage, an denen es richtig zur Sache und rauf und runter ging. Das war schon ziemlich stressig. Aber es war die beste Schule und hat mir persönlich immer großen Spaß gemacht.

Sie haben es gerade erwähnt: Am 18. Juli werden Sie 60 Jahre alt. Ist eine große Feier geplant?

Llambi Sagen wir so: Es ist etwas Schönes geplant. Aber nur im engsten Familienkreis.

Apropos Familie: Sie reden in der Öffentlichkeit nicht so gerne über private Dinge. Gibt es einen Grund dafür? Haben Sie in dieser Hinsicht schlechte Erfahrungen gemacht?

Llambi Nein, das habe ich einfach schon immer so gehandhabt. Es gibt Personen in meinem engsten Umfeld, die mit der Öffentlichkeit nichts zu tun haben möchten. Dass ich persönlich nicht so gerne über private Dinge rede, ist eine gewisse Schutzhaltung. So dass ich sagen kann, hier kann der Llambi auch mal Llambi sein.

Zuletzt haben Sie sich zum ersten Mal mit ihrer jüngsten Tochter Helena (19) in der Öffentlichkeit gezeigt.

Llambi Ja sie studiert Medien und Kommunikation und kann sich vorstellen Moderatorin zu werden. Deshalb wollte sie mich jetzt gerne mal begleiten. Im Endeffekt hat jeder in meinem Umfeld das Recht dazu zu sagen, wie öffentlich er stattfinden möchte. Ich zwinge keinen, verbiete es aber auch niemandem.

Sie sind gebürtiger Duisburger und ein großer Fußballfan. Daher zum Abschluss noch eine Frage zu ihrem MSV. Halten Sie Dietmar Hirsch nach dem Abstieg in die Regionalliga für den richtigen Trainer?

Llambi Ich kenne ihn persönlich nicht, aber ich glaube, er ist der richtige Mann. Genau wie Michael Preetz hat er beim MSV gespielt und kennt daher den Verein bestens. Und damit weiß er mit Sicherheit auch ganz genau, was die Fans und was das Umfeld jetzt brauchen. Die vorherigen Trainer haben glaube ich unterschätzt, wie groß die Marke MSV Duisburg tatsächlich ist und was die Fans dementsprechend verlangen. Mit Dietmar Hirsch und Michael Preetz sind jetzt zwei Leute in wichtigen Positionen, die dafür sorgen können, dass der MSV endlich wieder zu seiner Identität zurückfindet. Und obwohl ich auch Ingo Wald sehr schätze, hoffe ich darüber hinaus, dass wir in Duisburg einen neuen Vorstand bekommen, der intern ein wenig aufräumt.

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