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USA: Komapatientin Schiavo ist tot

USA : Komapatientin Schiavo ist tot

Pinellas Park (rpo). Die amerikanische Komapatientin Terri Schiavo ist am Donnerstag nach dreizehn Tagen ohne Wasser und Nahrung gestorben. Schiavos Eltern hatten bis zuletzt mit Eilanträgen und Klagen um das Leben der 41-Jährigen gekämpft.

Nach dreizehn Tagen ohne Wasser und Nahrung ist die amerikanische Komapatientin Terri Schiavo am Donnerstag gestorben. Das teilte ein Anwalt ihres Mannes Michael mit, der die Entfernung der Magensonde in einem jahrelangen Rechtsstreit durchgesetzt hatte. Schiavos Eltern hatten bis zuletzt mit Eilanträgen und Klagen um das Leben der 41-Jährigen gekämpft, die seit 15 Jahren im Wachkoma lag. Sie erlitten am Mittwochabend jedoch erneut eine Niederlage vor dem Obersten Gerichtshof.

Ein Vertreter der Eltern Bob und Mary Schindler erhob am Donnerstag schwere Vorwürfe gegen ihren Ehemann. Er habe Schiavos Eltern und Geschwistern zum Zeitpunkt ihres Todes den Zugang zu der Sterbenden verweigert, sagte Bruder Paul O'Donnell den Reportern vor dem Hospiz in Pinellas Park. "Sie sind jetzt dort drinnen und beten an der Seite ihres Bettes."

Noch am Donnerstagmorgen hatte Schiavos Bruder Bobby Schindler die Komapatientin besucht. Er zeigte sich betroffen über den Zustand seiner sterbenden Schwester. "Es ist kein schöner Anblick, das kann ich Ihnen sagen", erklärte er, als er am frühen Morgen das Krankenhaus verließ. Ein Pfarrer, der ihn begleitet hatte, berichtete, Schiavos Gesicht sei eingefallen, ihre Augen rollten ständig hin und her.

Noch am Vortag hatten die Eltern Bob und Mary Schindler berichtet, ihre Tochter habe bei ihrem Besuch noch Reaktionen gezeigt. Ärzte haben ähnliche Schilderungen allerdings wiederholt angezweifelt, nach ihrer Einschätzung handelte es sich um bloße Reflexe. Schiavos Hirnrinde war infolge einer 1990 erlittenen Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr bei einem Herzstillstand massiv geschädigt worden. In der Hirnrinde befinden sich die Zellstrukturen, die Gedanken, Empfindungen, Erinnerungen und Gefühle kontrollieren.

Während Michael Schiavo erklärte, seine Frau hätte in einem solchen Zustand nicht weiterleben wollen, sahen die Eltern im Abbruch der künstlichen Ernährung eine schwere Verletzung ihrer Rechte. Nach ihrer jüngsten Niederlage vor dem Obersten Gerichtshof schienen ihre juristischen Möglichkeiten aber ausgeschöpft. Der Supreme Court hatte es ohne weitere Begründung abgelehnt, sich mit dem Fall zu befassen.

Die Einschaltung der Bundesgerichtsbarkeit in den Rechtsstreit, den Michael Schiavo und seine Schwiegereltern zunächst durch alle Gerichtsinstanzen des US-Staats Florida getragen hatten, hatte der Kongress durch ein Sondergesetz ermöglicht. Die darauf angerufenen Bundesrichter zeigten sich darüber zum Teil deutlich verstimmt. Richter Stanley Birch vom Bundesberufungsgericht in Atlanta bezeichnete das Eingreifen der Politik am Mittwoch als nicht verfassungsgemäß. Für die Schindlers sei nun die Zeit gekommen loszulassen.

Ein Vertreter des Vatikans bezeichnete die Einstellung der künstlichen Ernährung Schiavos am Donnerstag als Mord. Jeder, der nicht dagegen einschreite, mache sich mitschuldig, sagte Kardinal Renato Martino am Donnerstag noch vor Schiavos Tod in einem Interview mit Radio Vatikan. "Die Unterbrechung der Ernährung kommt einem ungerechten Todesurteil für einen Unschuldigen gleich", sagte Martino. "Und dies auf eine der grausamsten Arten: Durch Durst und Hunger."

(ap)