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Die Rolle von Walther Sommerlath: Königin Silvia prüft Nazi-Verdacht

Die Rolle von Walther Sommerlath : Königin Silvia prüft Nazi-Verdacht

Stockholm (RP). Königin Silvia von Schweden tritt die Flucht nach vorne an. Nachdem die Regentin in jüngster Vergangenheit durch Gerüchte über Rotlicht-Affären ihres Ehemannes, König Carl XVI. Gustaf, arg belastet worden war, startet sie nun eine Untersuchung, um die Rolle ihres 1990 verstorbenen deutsch-brasilianischen Vaters Walther Sommerlath in Bezug auf Nazi-Deutschland und die Judenverfolgung zu klären.

Das gab Hofsprecher Bertil Ternert im Privatsender TV4 bekannt. Walther Sommerlath hatte kurz vor der Hochzeit seiner Tochter mit König Carl XVI. Gustaf am 19. Juni 1976 versichert, er sei nie NSDAP-Mitglied gewesen. Als die schwedische Zeitung "Der Arbeiter" 2003 seine Mitgliedschaft in der Auslandsorganisation der NSDAP enthüllte, schwieg Königin Silvia dazu.

Erst im Rahmen der Hochzeitsfeiern für Kronprinzessin Victoria mit Daniel Westling im Frühling 2010 äußerte sich die Königin zu dem Thema. Wer damals überleben wollte, musste Parteimitglied sein, so der Tenor ihrer Aussage in TV4. Die Untertanen glaubten der populären Monarchin.

Doch der Privatsender enthüllte kurz darauf, dass Walther Sommerlath die Zwangsenteignung von Juden unterstützt hatte. Zudem kam ans Licht, dass er ein paar Monate vor Kriegsausbruch, im April 1939, eine zwangsenteignete Metallwarenfabrik übernommen hatte, die Panzer und Luftabwehrbauteile produzierte. Seither fragten sich die Schweden, was die Königin von all dem weiß.

Wann die königliche Recherche zu Silvias Vater fertiggestellt und der Öffentlichkeit präsentiert werden kann, ist unklar. Kritiker begrüßten die Initiative der Regentin, bemängelten aber, dass Silvia keine unabhängige Kommission damit beauftragt hat.

(RP)