Nach Selfie mit Luke Mockridge Joyce Ilg postet Erklärung zu Witz über K.-o.-Trop­fen – und erntet weitere Kritik

Köln · Die Schauspielerin und Komikerin Joyce Ilg hat am Dienstagabend auf die negativen Kommentare zu ihrem Instagram-Posting mit dem Comedian Luke Mockridge reagiert – und dafür noch mehr Kritik geerntet.

 Joyce Ilg hatte mit einem Posting am Osterwochenende viel Kritik hervorgerufen.

Joyce Ilg hatte mit einem Posting am Osterwochenende viel Kritik hervorgerufen.

Foto: Bretz, Andreas (abr)

Die gebürtige Kölnerin hatte am Ostersonntag ein Selfie mit Mockridge geteilt und vor allem mit der Bildunterschrift den Ärger vieler Nutzerinnen und Nutzer auf sich gezogen. Auf dem Foto sieht man Ilg und Mockridge lächelnd auf einem Sofa liegen. Die 38-Jährige schrieb dazu „Hat hier irgendwer von euch Eier gefunden? Ich hab nur ein paar K.O Tropfen bekommen“. Das Posting ergänzte sie außerdem mit den Hashtags „#Partnerlook“ und „#FreedomOfHumour“.

Vor allem auf Twitter und Instagram wurde das vermeintlich humorvoll gemeinte Posting scharf kritisiert. Auch einige Prominente kommentierten den Beitrag. Hintergrund der Kritik: Die Podcasterin und Komikerin Ines Anioli hatte Luke Mockridge, ihrem Ex-Freund, versuchte Vergewaltigung vorgeworfen. Darauf aufbauend hatte das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ im vergangenen Jahr von weiteren Frauen berichtet, die Begegnungen mit Mockridge schilderten, in denen er sich nicht im Griff gehabt hätte. Nachdem Mockridge zunächst schwieg und sich 2021 vorübergehend aus der Öffentlichkeit zurückzog, wies er die Vorwürfe doch in der Öffentlichkeit zurück. Die zuständige Staatsanwaltschaft Köln hatte die Ermittlungen gegen Mockridge wegen Vergewaltigung nach zehn Monaten eingestellt, weil sie nicht davon ausgehe, dass der Beschuldigte aufgrund der vorliegenden Beweise verurteilt werden würde.

Als Reaktion auf die negativen Kommentare zu ihrem Spruch hatte Ilg ihren Post bereits kurz nach der Veröffentlichung mit einer Stellungnahme ergänzt: „Da es zu Missverständnissen gekommen ist, erkläre ich hiermit den Gag: Das sollte kein Witz auf Kosten von K.O. Tropfen Opfern sein, sondern eine Anspielung darauf, dass Luke diesen K.O. Tropfen Gag ja damals in seinem Programm hatte und ihm das nachträglich als vermeintlicher ‚Beweis von Schuld‘ ausgelegt wurde. Er hat aber ja nie jemandem K.O. Tropfen gegeben“, schrieb Ilg.

Ihr sei klar gewesen, dass den Spruch nicht jeder lustig finden würde. „Mein Humor hat wenig Grenzen und dazu stehe ich auch. Das war einfach nur ein lockerer Spruch... wer da mehr Aussage meinerseits reininterpretiert, dann liegt das an der persönlichen Wahrnehmung, nicht an dem, was ich aussagen wollte“, so die 38-Jährige. Auch diese Ergänzung wurde weitgehend negativ kommentiert. Vor allem Ilgs Argument der Satire- und „Humorfreiheit“ in Zusammenhang mit ihrem verwendeten Hashtag „FreedomOfHumour“ wurde kritisiert. Unter anderem die Autorin Sophie Passmann meldete sich mit einem Video zu Wort.

Selfie mit Luke Mockridge: So reagiert das Netz auf den K.-o.-Trop­fen-Witz von Joyce Ilg
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So reagiert das Netz auf den K.-o.-Trop­fen-Witz von Joyce Ilg

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Foto: Bretz, Andreas (abr)

Am Dienstagabend meldete sich Ilg nun mit einem weiteren Instagram-Post zurück – der jedoch vor allem die Reaktionen auf ihr Posting und nicht den Witz selbst in den Vordergrund stellt. „Sollten wir neben Humorgrenzen nicht auch mal über Shitstormgrenzen reden?“, fragt Ilg. Sie verstehe, dass ihr Witz bei manchen „zu extrem“ gewirkt habe, schreibt die 38-Jährige, fragt jedoch auch, ob nicht zu extrem sei, was jetzt daraus gemacht werde. „Menschen, die geliked haben, wird der Tod gewünscht.“ Sie wünsche sich ein offenes Gespräch – „MITEINANDER sprechen statt GEGENEINANDER.“ Wie sie das angehen wolle, sagt Ilg, dazu habe sie auch schon eine Idee. „Und da kommt bald was zu“, kündigt sie an.

In ihrer Instagram-Story teilte die Schauspielerin und Komikerin außerdem die Story des Komikers Faisal Kawusi, der bereits Ilgs ersten Post mit den Worten „‘Wer Lacht ist der Erleuchtung am nächsten‘ - Budhaisal“ kommentiert und dafür wiederum einige negative Reaktionen von Nutzerinnen und Nutzern bekommen hatte. „Etwas, das sehr oft passiert, ist, dass Leute sagen: Ich kann nicht darüber lachen, deswegen, Faisal, du darfst auch nicht darüber lachen“, sagt der Komiker in seiner Story – und bezieht sich daraufhin auf die bereits von Ilg als Erklärung für ihren Spruch erwähnte Satire- und Humorfreiheit. „Wenn ich Krebs bekomme, bin ich der Erste, der darüber Witze macht“, sagt Faisal. Und ergänzt: „Was ich auch ganz oft höre ist: ‚Comedy kennt seine Grenzen‘. Nein, deine Comedy kennt Grenzen. Kunst hat keine Grenzen, hat es nie gegeben, wird es auch nie geben (...). Ich bin für eure scheiß Gefühle nicht verantwortlich.“

Ilg selbst schreibt zu Kawusis Story in Zusammenhang mit einem Herz-Emoji: „Ich bin selbst schon Opfer gewesen und kann trotzdem über diese Themen lachen. Darf ich das oder darf ich das nicht? Und wer bestimmt eigentlich wie mein Humor sein darf?“ Sie habe selbst jahrelang an ihrer Heilung gearbeitet. „Und trotzdem habe ich auch in der Zeit niemanden verurteilt, der lediglich alte Wunden bei mir getriggert hat. Ich weiß nämlich, dass derjenige mir diese Wunden nicht zugefügt hat, sondern ‚nur‘ den Trigger auslöst, der durch jemand oder etwas ganz anderen entstanden ist.“

Auch Ilgs neuer Post wurde von vielen Nutzerinnen und Nutzern jedoch weitgehend negativ kommentiert. „Statt darüber zu sprechen was ich falsch gemacht habe, sprechen wir doch viel lieber darüber wie ich Opfer statt Täterin bin“, schreibt etwa die Unternehmerin und Influencerin Madeleine Darya Alizadeh. „Ja bitte bring noch mehr Statements zum Thema Humor die nächsten Tage, es war mir bis jetzt noch nicht dumm genug“, lautet der Kommentar der Autorin und Podcasterin Giulia Becker. Eine weitere Nutzerin kommentiert: „Schade, dass man sich mit so einer Reichweite mit Tätern statt mit Opfern solidarisiert.“

Anmerkung: Die Zitate aus den Social-Media-Beiträgen wurden unverändert übernommen.

(mcv)