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Betreuer der Schauspielerin empört: Inge Meysel verzichtete auf Sterbehilfe

Betreuer der Schauspielerin empört : Inge Meysel verzichtete auf Sterbehilfe

Hamburg (rpo). Inge Meysels Betreuer Peter Knuth zeigte sich am Montag empört über die Gerüchte, die 94-jährige Schauspielerin habe sich mit einer Giftpille das Leben genommen. Zugleich kritisierte er die Äußerungen des DGHS-Vizepräsidenten Karl-Heinz Blessing.

Die am vergangenen Wochenende im Alter von 94 Jahren verstorbene Volksschauspielerin Inge Meysel soll am Freitag nächster Woche in Hamburg beerdigt werden. Es laufe alles "höchstwahrscheinlich auf den 23. Juli hinaus", sagte Meysels Betreuer Peter Knuth am Montag.

Zugleich zeigte sich Knuth empört über Mutmaßungen, dass sich die 94-Jährige mit einer Giftpille das Leben genommen haben könnte. "Ich habe kein Verständnis für solche Äußerungen", sagte Knuth.

Die "Bild"-Zeitung hatte am Montag daran erinnert, dass Inge Meysel noch vor zwei Jahren in einem Interview mit dem Blatt betont hatte, den Augenblick ihres Todes selber wählen zu wollen. Meysel war seit 20 Jahren Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) und hatte sich auf Werbeplakaten für Sterbehilfe eingesetzt.

"Bild" über den Tod Inge Meysels

"Ich habe immer Tabletten dabei, um selbst zu entscheiden, wann ich sterben will. Dieser Moment ist dann gekommen, wenn ich mein leben nicht mehr selbstständig meistern kann", hatte Inge Meysel vor zwei Jahren der "Bild"-Zeitung gesagt.

Die Offizielle Todesursache lautet allerdings Herzstillstand. Die "Bild"-Zeitung hatte aber in Frage gestellt, ob dies die ganze Wahrheit ist, und sucht nach Anhaltspunkten:

Außerdem beteuerte Meysel, dass sie Selbstmord begehen würde, wenn ihr das Leben nicht mehr lebenswert erscheinen oder sie an einer unheilbaren Krankheit leiden würde. "Und die Schauspielerin war seit Monaten ein Pflegefall", so die "Bild"-Zeitung. Sie habe nicht mehr allein gehen können und sei oft verwirrt gewesen. "Sie war rund um die Uhr auf die Hilfe ihrer Pflegerin angewiesen."

Vor ihrem Tod legte Meysel fest, wie sie beerdigt werden wollte. Nach Angaben ihres Betreuers Peter Knuth soll die Leiche verbrannt werden. "Die Asche wird neben der Urne von Inges Ehemann John Olden beigesetzt. So hat sie sich es gewünscht."

Knuth kritisierte Äußerungen von DGHS-Vize Blessing

Knuths Zorn richtete sich besonders gegen Äußerungen des DGHS-Vizepräsidenten Karl-Heinz Blessing. Seine Organisation habe "mit Trauer, aber auch mit großer Dankbarkeit auf die Nachricht vom Tod Inge Meysels reagiert", teilte Blessing mit. "Sie hatte das, was man ein langes, erfülltes Leben nennen darf. Nach allem, was wir gehört haben, hatte sie auch das Glück eines leichten Sterbens", betonte Blessing weiter. Nach Ansicht der Deutschen Hospiz Stiftung habe Meysel gerade auf die von ihr zuvor befürwortete Sterbehilfe verzichtet.

"Hätte sie Ernst gemacht mit dem Wunsch, sich selbst zu töten, hätte sie das jederzeit tun können", sagt Eugen Brysch, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung. So aber sei ihr Verhalten "eine klare Absage an die Todespille".

Zehn Wochen vor ihrem Tod hatte die an Demenz leidende Schauspielerin einen Oberschenkel-Bruch erlitten. In den letzten Wochen habe sich dann ihr Zustand verschlechtert, sie sei bettlägerig gewesen und habe zum Schluss gefüttert werden müssen, hieß es.

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