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Eva Padberg: "Ich ziehe das Modeln bis zum Ende durch"

Eva Padberg : "Ich ziehe das Modeln bis zum Ende durch"

Die 34-jährige Eva Padberg hat international Karriere gemacht. Im Interview mit unserer Redaktion spricht sie über Karneval, Heimat und die Modebranche.

Eva Padberg hat eine lange Nacht hinter sich. "Es ist gestern ein wenig später geworden", gesteht sie. Das Model war für den guten Zweck auf einer Wohltätigkeitsgala von "Unicef", am Abend folgt ein weiterer Termin um Spendengelder zu sammeln. Sie trägt legere Klamotten, kommt ungeschminkt, ganz natürlich zum Interviewtermin und trinkt eine Tasse grünen Tee. Sie gehört zu den Gesichtern der deutschen Modebranche. Von Starkult um ihre Person hält sie nicht viel.

Weihnachten steht vor der Tür. Lassen Sie uns über Karneval reden!

Padberg (lacht) Ein vielversprechender Einstieg.

Sie sind im thüringischen Bad Frankenhausen aufgewachsen. Wird man da automatisch jeck?

Padberg Vorsicht. Ich war ein paar Jahre in der Tanzgruppe vom Karnevalsverein. Da bin ich aber nicht nachhaltig aufgefallen. Später habe ich einen Ehrenorden bekommen, der liegt zu Hause in meiner Karnevalskiste gemeinsam mit ganz vielen Perücken und Kostümen. Wenn ich es schaffe, nehme ich so viele Sitzungen mit, wie's geht. Das ist immer ein großer Spaß.

Welche Beziehungen haben Sie noch nach Thüringen?

Padberg Viele unterschiedliche. Gemeinsam mit meinem Mann organisiere ich seit ein paar Jahren schon ein Open-air-Festival mit elektronischer Musik. Viele aus unserem Freundeskreis leben mittlerweile in Berlin. Wir versuchen jetzt, quasi auf diese Weise etwas zurückzugeben in unsere Heimat.

Was bedeutet Heimat für Sie?

Padberg Die Verbundenheit ist da, das Herz ist da. Trotzdem gibt es auch einiges, was man mit Unverständnis begleitet. Das geht aber, denke ich, den meisten so, die viel in der Welt unterwegs waren und dann zurück aufs Land kommen. Man hat einfach das Gefühl, die Leute sind engstirniger, nicht so flexibel, nicht so spontan. Das ist schade und kann gewaltig frustrieren. Am Ende hat man aber doch dieselbe Mentalität und findet wieder einen Zugang.

Was macht den ein Thüringer Mädchen aus?

Padberg Bodenständigkeit zum Beispiel. Naturverbundenheit zählt auch dazu. Und wir sind ein unheimlich neugieriges Volk, wir reisen viel, wollen die Welt erkunden. Man sagt auch, thüringer Mädchen seien sehr hübsch - aber das werden auch ganz viele andere Regionen für sich beanspruchen.

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Sie sind Botschafterin von Unicef. Warum haben Sie sich für diese Hilfsorganisation entschieden?.

Padberg Ich hatte lange überhaupt keinen Kopf für solche Dinge. Mit Anfang 20 war ich viel in der Welt unterwegs, die Karriere lief, ich habe mir vor allem nur Gedanken um mich gemacht. Ich habe aber schnell gemerkt, dass es noch andere Seiten gibt. Es gibt Menschen überall auf der Welt, die jeden Tag um ihr Leben kämpfen. Zum ersten Mal richtig bewusst geworden ist mir das bei einer Fotoreise nach Indien. Ich habe sehr hautnah den Unterschied zwischen Reich und Arm gesehen, Krankheiten, Unterernährung. Vieles kannte man aus den Medien, es ist aber etwas anderes, wenn man plötzlich hautnah so etwas erlebt. Gar nicht lange danach habe ich eine Anfrage von Unicef bekommen, mich bei einem Projekt zu engagieren. Für mich war entscheidend, dass ich bereit war zu helfen.

Wie intensiv kann man sich überhaupt in den Krisengebieten einbringen, wenn man die ganze Zeit von Kameras begleitet wird?

Padberg Ich sehe mich ganz bestimmt nicht als Charity-Tourist, der sich das mal anschauen darf. Es ist wahnsinnig wichtig, dass Kamerateams und Fotografen dabei sind. Wir wollen ja schließlich die Bilder nach Hause transportieren, um eine große Öffentlichkeit zu schaffen. Ich sehe mich da als kleines Rädchen und bin auf "Funktionieren" eingestellt.

Hierzulande ist Kritik laut geworden an der deutschen Version des Charitysongs "Do They Know It's Christmas". Haben Sie dafür Verständnis?

Padberg Ich finde es grundsätzlich gut, dass Menschen dazu animiert werden, sich über andere Gedanken zu machen. Bei Unicef ist es so, dass versucht wird, beide Seiten zu zeigen. Natürlich zeigen wir auch hilfsbedürftige Kinder, aber auch positive Beispiele von Familien und Schulen vor Ort, die schon eine Entwicklung durchgemacht haben und mit gutem Beispiel voran gehen. Ich kann Leute verstehen, die bei Charity-Aktionen die Augenbrauen hochziehen, aber am Ende ist mir nur wichtig, was dabei herauskommt.

Haben Sie gewusst, dass Sie sich als Model etablieren würden, oder haben Sie auch Selbstzweifel geplagt?

Padberg Ganz oft sogar am Anfang. In den ersten zwei Jahren nach dem Abi bin ich viel unterwegs gewesen. Mailand, Paris, Athen - ich habe viel gearbeitet, aber nichts damit verdient. Nur mit Hilfe meiner Eltern bin ich einigermaßen über die Runden gekommen. Ich habe mich oft gefragt, warum ich mir den ganzen Mist überhaupt noch antue. Wenn ich damals wirklich eine Alternative gehabt hätte, wäre vieles anders gelaufen. Hatte ich aber nicht.

Warum gibt es heute keine Supermodels mehr wie Claudia Schiffer?

Padberg Früher wurden die Mädchen anders zelebriert. Heute geht alles viel schneller. In den 1990ern waren viele Models auch im Filmgeschäft. Heute ist es eher wieder andersrum. Es haben sich auch die Typen geändert. Die breite Masse versteht manchmal überhaupt nicht, warum ausgerechnet die oder die als Topmodel gehandelt wird. Vor Jahren noch waren das rassige, weibliche Frauen für den Mehrheitsgeschmack.

Was unterscheidet Sie von anderen?

Padberg Das ist wirklich total schwierig. In diesem Geschäft ist vieles absolut willkürlich. Es kommt immer darauf an, was dein Gegenüber in dir sieht.

Die Modebranche zelebriert ein gewisses Schönheitsideal. Ist es schwierig, sich damit zu identifizieren?

Padberg Für mich war das immer nur ein Job. Es ist eine eigene Welt, wo man sich auch an einige Regeln halten sollte. Es ist schon eine Traumwelt. Ich habe mich von vielem nicht beeindrucken lassen. Natürlich beschäftigt man sich auch mit Schönheitsidealen. Für mich wird vieles zu extrem bewertet. Da gibt es dann Fotos von einer dünnen Frau und es wird in den Medien gewettert, sie sei viel zu abgemagert. Zwei Wochen später sieht man dann in derselben Illustrierten Fotos von einer Schauspielerin mit Cellulitis verbunden mit gehässigen Kommentaren. Es wird auf beiden Seiten kein gesundes Bild gezeigt. Mich ärgert das. Die Leidtragenden sind junge Mädchen, die gar nicht mehr wissen, wohin mit sich.

Die unverschämten Fragen am Ende. Sie sind 34, wann gehen Sie in Rente?

Padberg Ich ziehe das bis zum bitteren Ende durch - solange mich die Kunden buchen wollen, ist das alles toll. Mittlerweile habe ich ein paar Zusatzprojekte, dass ich nicht bis auf den nächsten Anruf warte.

Die wichtigsten drei Dinge in Ihrer Handtasche sind?

Padberg Handcreme. Handy. Portemonnaie. Sehr pragmatisch.

Sie gelten als ausgesprochene Liebhaberin von Weihnachtsmärkten. Glühwein oder Kakao mit Schuss?

Padberg Weder noch. Ein, zwei Glühwein im Jahr sind okay. Ich liebe tatsächlich Eierpunsch. Da geht ja nicht viel von, ist aber sehr lecker. Ich mag es einfach, mich von Stand zu Stand durchzuessen.

GIANNI COSTA FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)