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Warum Männer die besseren Köche sind: Helden am Herd

Warum Männer die besseren Köche sind : Helden am Herd

Kochen ist - realistisch gesehen - noch immer eine Frauendomäne. Zumindest dann, wenn es um Spinat mit Spiegeleiern für die Kinder geht. Geht es um Haute Cuisine, drängeln sich plötzlich Männer um die Töpfe, während von Frauen weit und breit nichts zu sehen ist. Woran das liegt? Männer kochen, weil es ihnen Spaß macht. Und Frauen, weil sie es müssen.

Zugegeben: Die deutsche Frau im 21. Jahrhundert hat durchaus die Möglichkeit, Kochtöpfen weitgehend aus dem Weg zu gehen - wenn sie die nötige Sturheit mitbringt. Aber der Mensch neigt bekanntlich nicht dazu, veraltete Verhaltensweisen schnell abzulegen. Und angesichts der Tatsache, dass wir noch ziemlich viel mit dem Steinzeitmenschen gemeinsam haben, dürften Erfahrungen aus den vergangenen Jahrzehnten erst recht noch nachwirken. Und damals was Kochen für Frauen eben vor allem eines: eine Pflicht. Für viele hat sich daran bis heute wenig geändert.

Spaß macht das, was man freiwillig tut. Und deshalb haben Männer eine viel größere Chance, Freude am Kochen zu entwickeln. Das ist der Grund dafür, dass die bekanntesten Spitzenköche Männer sind. Man ist gut in dem, was man liebt. Nicht in dem, was man gezwungenermaßen tut.

Sobald es einem Mann gelingt, am Herd etwas einigermaßen Genießbares (nicht verbrannt, nicht versalzen, Zutaten waren nicht abgelaufen) zu fabrizieren, wird dieses Verhalten positiv verstärkt - erst von der Mutter, dann von der ersten Freundin, dann von der Ehefrau. Fast nirgendwo sonst können sich Männer so leicht Lob abholen wie in der Küche - weil ein Mann am Herd auch im Jahr 2007 noch etwas Exotisches hat.

Das zeigt schon ein Blick in die Fernsehwerbung: Wir warten noch immer vergeblich auf Papa Miracoli oder den patenten Hausmann Hermann-Josef aus dem Maggi-Kochstudio. Und wenn dann doch irgendwo mal ein Mann auftaucht, klopfen sich die Werber für ihre mutige und freche Idee auf die Schultern.

Ungefähr an dieser Stelle werden Sie denken, dass es in diesem Text von Klischees nur so wimmelt. Schön wär's. Allen Ausnahmen zum Trotz, die jeder aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis hervorkramen kann, sieht die gesellschaftliche Realität in deutschen Küchen ziemlich genau so aus wie beschrieben. Und so lange das so ist, werden Männer den Luxus genießen, dass Kochen für sie nur ein Hobby ist - und gut darin sein.

Männer haben am Herd übrigens noch einen weiteren Vorteil. Viele von ihnen sind bisher weitgehend von der um sich greifenden Fett-Phobie verschont geblieben. Angeblich können sie sogar mehrere Minuten lang einen Becher Sahne betrachten, ohne dabei an dessen Fett- und Kaloriengehalt zu denken. Und ein ordentlicher Schuss Sahne oder ein nicht zu kleines Stückchen Butter haben noch den wenigsten Gerichten geschadet.

Auch da sind Feiertags- und Wochenend-Köche im Vorteil: Zur Feier des Tages kann man sich das ruhig mal gönnen. Unter der Woche gibt's dann wieder Spinat mit Spiegeleiern - schnell gebraten, während die Kinder quengeln, die Wäsche im Trockner ist und Johann Lafer im Fernsehen gedämpfte Seezungenröllchen mit Zitronengrasschaum auf Gewürzreis kredenzt.

Hier geht es zur Infostrecke: Sechs Fernsehköche