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Bettina Wulff verklagt Internetkonzern und Günther Jauch: Google weist Rufmord-Vorwürfe zurück

Bettina Wulff verklagt Internetkonzern und Günther Jauch : Google weist Rufmord-Vorwürfe zurück

Die Frau des früheren Bundespräsidenten wehrt sich juristisch gegen die Verbreitung von Gerüchten über ihr Vorleben. Wulff hat Klagen gegen Günther Jauch und Google eingereicht. Jauch hat einen Unterlassungsanspruch anerkannt.

Google aber wehrt sich gegen die Klage.

Der Internetkonzern Google weist den Unterlassungsanspruch der Frau des früheren Bundespräsidenten, Bettina Wulff, zurück. "Die bei der Google-Autovervollständigung sichtbaren Suchbegriffe spiegeln die tatsächlichen Suchbegriffe aller Nutzer wider", sagte der Sprecher von Google Nord-Europa, Kay Oberbeck, am Samstag auf dapd-Anfrage.

Die angezeigten Begriffe seien "das algorithmisch erzeugte Resultat mehrerer objektiver Faktoren, inklusive der Popularität der eingegebenen Suchbegriffe".

Oberbeck betonte: "Google schlägt diese Begriffe nicht selbst vor - sämtliche in Autovervollständigung angezeigten Begriffe wurden zuvor von Google-Nutzern eingegeben." Die Autovervollständigungsfunktion von Google zeigt bei der Suche nach Wulff zum Beispiel "Prostituierte" an.

CDU-Kreise in Hannover sollen seit 2006 das Gerücht gestreut haben, Bettina Wulff habe früher im Rotlichtmilieu gearbeitet. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer heutigen Ausgabe. Durch diese Verleumdungen ist aus Sicht der 38-Jährigen ihre "Reputation zerstört worden". Die wolle sie "jetzt zurückgewinnen", werden Vertraute zitiert. Die Frau des früheren Bundespräsidenten habe deshalb am Freitag beim Hamburger Landgericht Klagen gegen den Fernsehmoderator Günther Jauch und gegen den Google-Konzern eingereicht.

Wie die Zeitung weiter schreibt, hatte im Mai Wulffs Anwalt den Moderator erstmals aufgefordert, wegen des Zitierens eines Zeitungsbeitrags über das angebliche Gemunkel in Berlin eine sogenannte Unterlassungsverpflichtungserklärung abzugeben. Jauchs Anwalt lehnte dies damals ab. Nach der am Abend eingereichten Klage nun hat Jauchs Anwalt den strafbewehrten Unterlassungsanspruch laut "SZ-Online" anerkannt.

"Ich habe niemals über Frau Wulff eine falsche Tatsachenbehauptung aufgestellt, sondern lediglich aus einem Artikel der "Berliner Zeitung" zitiert", sagte Jauch am Samstag in einer über seinen Anwalt Christian Schertz herausgegebenen Erklärung in Berlin. "Wer daraus eine Herabsetzung von Frau Wulff konstruiert, liegt daneben", betonte Jauch im Rückblick auf die Sendung am 18. Dezember vorigen Jahres.

Google: Alle Verfahren gewonnen

Er habe aber kein Interesse an einer Auseinandersetzung mit der Ehefrau von Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Schertz erläuterte, er habe Wulffs Anwalt Gernot Lehr mitgeteilt, dass ein Anspruch auf Unterlassung aber anerkannt werde. "Ich habe, um die Sache zu beenden, Herrn Lehr geschrieben, dass wir den Anspruch anerkennen - ohne ein Fehlverhalten damit einzuräumen", sagte Schertz.

Google führte in Deutschland bereits fünf ähnliche Verfahren und habe alle gewonnen, eines davon bereits auch in zweiter Instanz. Man sei mit Wulffs Anwälten schon länger im Gespräch über angezeigte Suchergebnisse gewesen - Google löscht auf Aufforderung Inhalte aus seinem Zwischenspeicher. Vor der Klage zur Autovervollständigung habe es jedoch keinen Antrag auf eine Einstweilige Verfügung gegeben.

Unterlassungserklärungen und Schmerzensgeld

In den vergangenen Monaten hatten bereits 34 deutsche und ausländische Blogger und Medien Unterlassungserklärungen abgegeben. Mehrere Medienhäuser hätten Schmerzensgeld in fünfstelliger Höhe zahlen müssen. Nach Recherchen der Münchener Zeitung sollte die Denunziation offenbar vor allem Christian Wulff als Ministerpräsident Niedersachsens treffen. Der CDU-Politiker hatte in der Partei und auch außerhalb einflussreiche Feinde.

"Bettina Wulff war mir egal", wird eine Bloggerin aus regionalen FDP-Kreisen zitiert, die das Gerücht zehn Tage vor der Präsidentenwahl im Juni 2010 mit auf den Weg gebracht haben soll. Im Internet breitete es sich dann schnell aus und wurde nicht nur von einigen Medien ernst genommen. Bereits am Rande der Bundesversammlung Ende Juni 2010 in Berlin hatten CDU-Politiker Journalisten auf die Internet-Veröffentlichungen aufmerksam gemacht.

Die Kolportage über das angebliche Vorleben von Bettina Wulff lastete von Dezember 2011 an auch auf der Affäre ihres Mannes. Die "mediale Zerstörung des Ansehens" der ehemaligen First Lady habe zwischen dem 18. Dezember 2011 und dem 4. Januar 2012 stattgefunden, berichtete ein Vertrauter laut der "Süddeutscher Zeitung".

Noch im September soll nun ein Buch von Bettina Wulff auf den Markt kommen. Es diene ebenfalls dem Ziel, der "Zerstörung ihres Ansehens in der Öffentlichkeit entgegenzuwirken".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Christian und Bettina Wulff ganz innig

(RP/felt/csr/nbe/apd)