1. Panorama
  2. Leute

Gil Ofarim „Ich wusste, was das für Wellen schlägt“

Gil Ofarim äußert sich : „Dass ich vom Opfer zum Täter gemacht werde, hätte ich nicht gedacht“

Die Staatsanwaltschaft veröffentlicht nach dem möglichen antisemitischen Vorfall um den Musiker Gil Ofarim in einem Leipziger Hotel vorerst keine Ermittlungsergebnisse. Jetzt meldet sich der Sänger aber erneut zu Wort.

„Ich wusste, was das für Wellen schlägt“, sagte er am Montag im TV-Sender Bild. „Dass ich vielleicht vom Opfer zum Täter gemacht werde und dass ich angeblich gelogen haben soll, darum habe ich mir keine Gedanken gemacht und ganz ehrlich, das hätte ich auch nicht gedacht.“

Gil Ofarim äußert sich: „Dass ich vom Opfer zum Täter gemacht werde, hätte ich nicht gedacht“

Hintergrund sind Medienberichte, wonach Überwachungsvideos möglicherweise Fragen zu dem von Ofarim geschilderten Hergang aufwerfen. Demnach soll die Kette mit dem Davidstern auf den Überwachungskameras des Hotels nicht deutlich sichtbar gewesen sein. Die Medien hatten sich auch auf Ermittlerkreise berufen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werden derzeit mehrere Videoaufnahmen ausgewertet, Angaben zum Inhalt wurden nicht gemacht. Er könne verstehen, dass es nach den Videobeweisen so aussehen würde, als hätte er den Stern nicht getragen. „Was nicht stimmt. Ich habe ihn immer angehabt.“

Antisemitismus-Vorwürfe: Videos von Ofarim werden gesichtet

Auch in einem Interview mit der „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ) am Montag bekräftigte Ofarim, dass er die Kette im Hotel getragen habe. „Das was bisher gezeigt wurde, sind nicht die kompletten Videoaufnahmen aus dem Hotel. Ich bitte diejenigen, die diese Bilder veröffentlicht haben, doch alles zu zeigen“, sagte er der LVZ.

Ofarim hatte Anfang Oktober in einem Video berichtet, dass ihn ein Mitarbeiter von „The Westin Leipzig“ aufgefordert habe, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. Ofarim erstattete Anzeige. Der Staatsanwaltschaft Leipzig liegen mehrere Anzeigen zu dem Vorfall vor - auch von dem beschuldigten Hotelmitarbeiter wegen Verleumdung.

Ofarim erklärte zudem bei Bild: „Ich werde nach wie vor weiter meinen Davidstern tragen. Ob unter dem T-Shirt, auf dem T-Shirt, das ist egal. Ich trage ihn immer und werde ihn weiter tragen“, sagte er. Zu dem von ihm geschilderten Vorfall in dem Hotel sagte er: „Ich habe im Vergleich zu vielen anderen Jüdinnen und Juden den Mund aufgemacht und habe etwas gesagt und mich gewehrt.“ Er fügte hinzu: „Jeder sollte seinen Mund aufmachen. Ich würde es nochmal genauso machen.“

Der LVZ sagte Ofarim, dass ihm von vornherein klar gewesen sei, dass er „irgendwann wohl als Lügner“ hingestellt würde. „Ich kann nicht mehr machen, als zu erzählen, was mir passiert ist.“ Er habe schon viele Auftritte in Leipzig gehabt, so etwas sei ihm noch nie in der Stadt passiert und es tue ihm leid, dass jetzt die ganze Region in einen Topf geworfen werde. „Aber mir ist das nun mal so widerfahren und ich kann als Jude in Deutschland nicht einfach die Klappe halten.“

  • Vor einer Woche postet Gil Ofarim
    Hotel-Video : Zweifel an Vorwürfen von Gil Ofarim
  • ARCHIV - 01.02.2017, Nordrhein-Westfalen, Mönchengladbach: Am
    Urteil in Mönchengladbach : Täter muss nach Messerattacke in Regionalbahn in Haft
  • Symbolbild.
    Uhren und Schmuck gestohlen : Täter ist mit Wasserhahn-Trick erfolgreich

Die Staatsanwaltschaft will vorerst keine Ermittlungsergebnisse veröffentlichen. Die Aufnahmen der Überwachungskameras in dem Hotel würden noch gesichtet und ausgewertet, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Leipzig am Montag auf Anfrage.

Mit "Blick auf die hohe mediale Aufmerksamkeit" würden die Ermittlungen "mit Hochdruck geführt", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Zusammen mit der Polizei wolle sie die strafrechtlichen Vorwürfe und den streitigen Ablauf des Vorfalls "möglichst zeitnah aufklären". Dabei beachte sie die "Grundsätze der Unschuldsvermutung und des fairen Verfahrens".

Das Hotel-Management in Leipzig beurlaubte laut einer Sprecherin zwei Mitarbeiter für die Dauer der Ermittlungen. Sie stellten den Vorfall demnach anders dar als Ofarim. Wie die Staatsanwalt bestätigte, stellten die an dem Vorfall beteiligten Personen wechselseitig Strafanzeigen, zudem lägen "Strafanzeigen unbeteiligter Dritter" vor. Nähere Angaben zur Identität derjenigen, die Anzeigen stellten, machte die Staatsanwaltschaft nicht.

(felt/dpa)