Frau des Bundespräsidenten gibt ein Interview: Gaucks Ehefrau denkt nicht an Scheidung

Frau des Bundespräsidenten gibt ein Interview : Gaucks Ehefrau denkt nicht an Scheidung

Obwohl der Bundespräsident seine Lebensgefährtin zur First Lady gemacht hat, will sich Hansi Gauck nicht von ihm scheiden lassen. In einem Interview mit der Zeitschrift "Bunte" erklärt die 72-Jährige jetzt erstmals, warum.

Sie ist die Ehefrau des Bundespräsidenten, hat mit ihm vier Kinder und zehn Enkelkinder. Und doch kennt kaum jemand Hansi Gerhild Gauck (72), die seit 53 Jahren mit dem ehemaligen Pastor und Bürgerrechtler Joachim Gauck verheiratet ist.

Die beiden leben seit 1991 getrennt. Eine Scheidung kommt für Hansi Gauck aber nicht infrage. Ganz im Gegenteil: Ihren Ehering trägt die Rostockerin noch immer. "Mein Mann und ich kennen uns, seitdem wir 14 Jahre alt waren. Wir waren 19, als wir geheiratet haben", sagt sie jetzt im Interview mit der Zeitschrift "Bunte". Dabei solle es auch bleiben.

Dennoch sei der Kontakt zu ihrem Mann heute nicht eng. "Wir telefonieren, aber nicht oft. Ich habe Jochens Handynummer. Wenn etwas Wichtiges wäre, könnte ich ihn sofort erreichen. Aber ich rufe ihn nicht einfach mal so an, um ihn zu fragen, wie es ihm geht." Wäre es nach ihr gegangen, hätten sich die beiden nicht getrennt: "Was wir hatten und miteinander durchgemacht haben, erlebt man nicht alle Tage", sagt sie. "Das erleben nicht viele Menschen."

Hansi Gauck lebt allein in ihrem Haus mit Garten zehn Minuten von der Rostocker Innenstadt entfernt. Ihr Ehemann wohnt gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt (52) im Berliner Schloss Bellevue. Mit der Journalistin ist Joachim Gauck schon seit zwölf Jahren zusammen.

Dass Gauck trotz zwei Jahrzehnten Trennung immer noch mit seiner ersten Ehefrau verheiratet ist, hatte nach seiner Nominierung zum Bundespräsidenten im Februar eine öffentliche Diskussion ausgelöst. Der CSU-Politiker Norbert Geis legte Gauck nahe, seine Lebensgefährtin zu heiraten. Es sei für den Repräsentanten des Volkes wünschenswert, eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung zu finden, begründete er damals seine Forderung. Doch an die "Wilde Ehe" im Schloss Bellevue haben sich die Deutschen offenbar schnell gewöhnt. Heute stört sich kaum noch jemand an der ungewohnten Konstellation. Deutschland hat also zwei First Ladys.

Zur Trennung von seiner Jugendliebe im Jahr 1991 sagte Joachim Gauck, der "Vorrat an Gemeinsamkeiten" habe gefehlt und "das notwendige Maß an Auseinandersetzung". Dennoch blieb er mit ihr verheiratet. Vertraute Gaucks sind sich sicher, dass er mit seiner Frau im Reinen ist — und er ebenfalls keinen Grund für eine Scheidung sieht. Als Kirchenmann liefert er die Erklärung: Das Gelöbnis eines lebenslangen Bundes sei für ihn "selbstverständliche Verpflichtung". Er fühlt sich für die Mutter der gemeinsamen zwei Töchter und zwei Söhne, die die Kinder weitgehend ohne ihn erzog, weiterhin verantwortlich.

Das Leben an der Seite von Joachim Gauck war für Hansi Gauck nicht immer leicht. Die gelernte Buchhändlerin kümmerte sich um die Familie genauso wie um diejenigen, die bei ihrem Ehemann, dem Pastor, Hilfe und Rat suchten. Auch heute noch ist Hansi Gauck für andere da. Mit anderen Frauen führt sie ehrenamtlich das Café "Marientreff", eine Begegnungsstätte in Rostock. "Es macht mir Spaß, etwas zu tun und anderen zu helfen", erklärt sie ihr Engagement. "Wenn man der Gesellschaft etwas zurückgibt, profitiert man selbst am meisten davon."

Sie empfinde es inzwischen als normal, dass ihr Ehemann Bundespräsident ist, räumte aber ein: "Die erste Zeit bin ich immer zusammengezuckt, wenn ich im Radio hörte ,Bundespräsident Gauck'." Hansi Gauck selbst trat nie öffentlich in Erscheinung und steht auch heute nicht gerne im Mittelpunkt. Sie freue sich aber über sein hohes Amt: "Er mag es, und er kann es. Er war in der Schule schon so."

(RP)