Tokio-Hotel-Fans zelten vor Essener Grugahalle: Frieren für die erste Reihe

Tokio-Hotel-Fans zelten vor Essener Grugahalle: Frieren für die erste Reihe

Düsseldorf (RPO). Fanliebe gibt es dann und wann in beunruhigenden Größenordnungen: Die Fans von Tokio Hotel sind dafür bekannt, dass sie zu leichter bis mittelschwerer Hysterie neigen. Was aber vor dem einzigen Konzert der Europatournee in Essen passiert, ist schon sehr speziell. Tagelang zelten die Fans in der Herbstkälte vor der Grugahalle, um beim Konzert in der ersten Reihe zu stehen.

Zum Beispiel Lille und Sonja. Die beiden sind 14 und 16 Jahre alt, riesige Fans der Magdeburger Band und auch sie zelten auf dem Radweg vor der Halle. Kalt? Nein, wirklich kalt sei Lille nicht gewesen in der Nacht. Sie sei nur nicht geschminkt und sehe deshalb so seltsam aus.

Das Jugendamt patroulliert vor der Konzerthalle, prüft nach, ob die Jugendlichen auch wirklich allein dort campen dürfen. Da werden Mütter angerufen, Ausweise nachgeschaut und viele Fragen gestellt.

Eine 16-Jährige beispielsweise liegt auf dem kalten Boden, als der Mitarbeiter vom Jugendamt sie fragt, wie alt sie sei und ob sie dort sein darf. "Ja, wollen Sie meine Mutter anrufen?", fragt die 16-Jährige. Will und macht er. Alles in Ordnung, das Mädchen darf mit Erlaubnis der Mutter in der Kälte liegen.

Iglozelte, Mumienschlafsäcke - die Kinder, die so sehnsüchtig darauf warten, ihren Stars ganz nah zu sein (oder wenigstens direkt hinter der Absperrung zu stehen), sind eigentlich gut ausgerüstet.

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Aber wie gut ausgerüstet kann man sein, wenn man mehrere Näche im Oktober im Zelt verbringen will? Wie gesund kann es für junge Menschen sein, fast dauerhaft zu frieren? Ärzte raten von solchen Aktionen ab.

Nach Deutschland setzen die Jugendlichen aus Deutschlands Osten nun ihren Siegeszug in Nachbarländern fort. In Frankreich haben sie Mädchen dazu gebracht, sich für Deutschkurse einzuschreiben, in Italien warfen Fans Dessous auf die Bühne, in Israel hat es "Tokio Hotel" als erste deutsche Band überhaupt auf das Cover des Musikmagazins "Rosh E'had" geschafft. Und das trotz der nicht wegzudiskutierenden Sprachbarriere, die da ist.

Bei den MTV Music Awards kassierte die Band übrigens den Preis in der Kategorie "Inter Act".

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