Dolce & Gabbana gegen Elton John: Streit um ethische Fragen

Dolce & Gabbana gegen Elton John : Stars giften sich im Streit um künstliche Befruchtung an

Über ethische Fragen lässt sich trefflich streiten: Zwischen Elton John und dem italienischen Designer-Duo Dolce & Gabbana ist ein heftiger Dissens um künstliche Befruchtung und Leihmütter entbrannt.

Über ethische Fragen lässt sich trefflich streiten: Zwischen Elton John und dem italienischen Designer-Duo Dolce & Gabbana ist ein heftiger Dissens um künstliche Befruchtung und Leihmütter entbrannt.

Nach einem Boykottaufruf des britischen Sängers wegen ihrer Kritik an Babys, die durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden, schlugen die beiden Modeschöpfer am Montag zurück. Sie warfen Elton John vor, autoritär und voreingenommen zu sein.

Auslöser des Schlagabtauschs war ein Interview von Domenico Dolce und Stefano Gabbana mit der italienischen Zeitschrift "Panorama". Darin sagte Gabbana, er würde gerne, wenn er könnte, sofort ein Baby haben - während Dolce durch künstliche Befruchtung gezeugte Kinder rundheraus ablehnte. Er stamme aus einer traditionellen Familie mit Mutter und Vater und lehne deshalb "synthetische Babys", "gemietete Gebärmütter" und "Sperma aus dem Katalog" ab, erklärte er.

Die beiden Designer sind schwul und lebten vor ihrer Trennung vor ein paar Jahren lange in einer festen Beziehung miteinander. Im Gegensatz zu Elton John, der dank künstlicher Befruchtung und Leihmutter gemeinsam mit seinem Ehemann David Furnish zwei Söhne großzieht, haben sie keine Kinder. Entsprechend erbost reagierte der 67-jährige Popstar auf die Äußerungen. In einem Eintrag im sozialen Netzwerk Instagram warf er den beiden Modeschöpfern vor, mit ihren Ansichten ebenso veraltet zu sein wie mit ihrer Mode. Er werde nie wieder Dolce & Gabbana tragen, erklärte er und rief zum Boykott auf.

Promis schließen sich Elton John an

Seiner Schelte und seinem Aufruf schlossen sich zahlreiche Stars an, darunter Ricky Martin, Courtney Love und Martina Navratilova. Daraufhin sah sich Dolce zu einer Klarstellung veranlasst: Er habe nur über seine persönlichen Erfahrungen und Ansichten gesprochen, ohne über die "Entscheidungen anderer zu urteilen", erklärte er. Sein Geschäftspartner Gabbana sagte der Online-Ausgabe des "Corriere della Sera", er habe sich über Elton Johns Äußerungen derart geärgert, dass er auf Instagram #fascist und #boycotteltonjohn" gepostet habe.

Er habe Elton John immer als "intelligenten Menschen" betrachtet, doch halte er ihn nun für intolerant und ignorant, sagte Gabbana. "Domenico hat seine Vorstellungen, er hat Entscheidungen getroffen. Elton John entschied sich anders. Unterschiedliche Entscheidungen, unterschiedliche Leben. Gleicher Respekt," mahnte er. Unter Dolces Kritikern sehe er eine Menge "schwulenfeindlicher" Schwuler, die andere Schwule angriffen, weil diese "Ideen verbreiten, die ihren eigenen nicht entsprechen".

Der homosexuelle Sänger Ricky Martin, selbst Vater von fünfjährigen Zwillingen, hatte das Designer-Duo am Sonntag über Twitter ebenfalls scharf kritisiert. "Eure Stimmen sind zu mächtig, um so viel Hass zu verbreiten", erklärte er und fügte hinzu: "Wacht auf, es ist 2015". Victoria Beckham sandte am Montag über Twitter als Statement für die sogenannte In-vitro-Fertilisation (IVF) "Elton David Zachary Elijah und allen wunderbaren IVF-Babys alles Liebe".

Manager von D&G räumen in vertraulichen Gesprächen ein, dass die Empörung der Stars der Modemarke kurzfristig schaden könnte. Doch gehen sie von einem "Sturm im Reagenzglas" aus, der sich rasch wieder legen dürfte.

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(AFP)
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