Politiker frühstückt mit Doppelgängern: Der dreifache Edmund Stoiber

Politiker frühstückt mit Doppelgängern: Der dreifache Edmund Stoiber

München (rpo). Politiker müssen es in einem freien Land ertragen, von Kabarettisten und Doppelgängern aufs Korn genommen zu werden. Auch und besonders Edmund Stoiber kann da ein Lied von singen. Bayerns Ministerpräsident zeigte sich aber als Sportsmann und empfing seine bekanntesten Doppelgänger zum Weißwurstfrühstück.

Zum "launigen politischen Meinungsaustausch" traf sich der CSU-Chef mit dem Kabarettisten Michael Lerchenberg, der Edmund Stoiber beim Politiker-"Derblecken" auf dem Nockherberg imitiert, und mit dem Schauspieler Wolfgang Krebs, der in der BR-Sendung "Quer" den Landes-Übervater mimt, vor dem sogar der Moderator knien muss.

"Ich bin, äh, sehr aufgeregt, äh, wenn ich mich, äh, heute selbst besuche", sagte Krebs alias Stoiber vor dem Treffen. "Dann werde ich endlich vor mir selbst stehen." Wie sein Kollege Lerchenberg war er "in Zivil" erschienen. An Stoiber erinnerte nur das weißblond gefärbte Haar. Für Auftritte als Double trage er eine Perücke und sitze zuvor eine Dreiviertelstunde in der Maske, sagte Krebs. Lerchenberg ist dunkelhaarig und erinnert ungeschminkt keineswegs an Stoiber - erst wenn er den Mund aufmacht und Stolpersätze hören lässt.

"Was ist typisch Stoiber?"

Was denn typisch für Stoiber sei, wollten die vielen Reporter und Kamerateams wissen, die sich zu dem öffentlichkeitswirksamen Termin in der kleinen, holzgetäfelten Zirbelstube in der Staatskanzlei drängten und so viele Aufnahmen machten, dass darüber die Weißwürste kalt wurden. Das Bier war - zumindest für Stoiber - wohl ohnehin nur als schöne Requisite gedacht.

Was "einen echten Stoiber" ausmacht, verriet Schauspieler Krebs mit schief gelegtem Kopf und fahrigen Kinnbewegungen in alle Richtungen: Zunächst müsse man die Stimmlage "um einiges erhöhen und sämtliche Worte auf dem Anfang betonen, also 'Über-Wachung' oder 'Trans-Rapid'." Außerdem müsse man staatstragende Gesten beherrschen, denn: "Nach dem Papst kommt in Bayern sofort der Ministerpräsident." Dann noch ein bisschen wippen, fuchteln und mit der Hand zur Brille fahren "und ab und zu über den Rand der Brille schauen, verächtlich oder bedrohlich. Das war's schon."

Zwölf Jahre lang imitiert Krebs schon Stoiber und ist ständig auf der Suche nach neuen Gesten, "die ich sofort kopiere". Schauspieler Lerchenberg ist bereits seit 22 Jahren als Stoiber-Double aktiv. Zu der Rolle beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg sei er durch einen glücklichen Zufall gekommen. "Das verbindet uns: zur rechten Zeit da sein - und dann bleiben."

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"Sie steigen in den Hauptbahnhof ein"

Gefragt nach einem Stoiber-Klassiker antwortete Krebs: "Sie steigen in den Hauptbahnhof ein..." Gemeint war Stoibers flammendes Plädoyer für den Transrapid, in dem er sich dauernd verhaspelt, in fast jedem Satz betont, die Bahn fahre "in zehn Minuten" vom Bahnhof zum Flughafen, und die verschlungene Argumentation mit den vielsagenden Worten abschließt: "Weil das ja klar ist." Die Rede breitete sich im Frühjahr wie ein Lauffeuer im Internet aus und sorgte zwischen Flensburg und Füssen für ebenso fröhliches wie fassungsloses Gelächter.

Auf den Klassiker spielte Krebs, selbst seit 15 Jahren CSU-Mitglied, auch mit der Feststellung an, Stoiber könne noch mehrmals für das Amt des Ministerpräsidenten kandidieren. Auch 2013 sei er mit 71 Jahren nicht zu alt. "Schauen Sie sich die großen Staatsmänner doch an, die Queen in London, Jacques Chirac in Frankreich oder den Papst. Da kann ich sagen, dass Sie 71 Jahre locker brauchen, um sich in der Politik zurechtzufinden. Weil das ja klar ist." Und der Doppelgänger fügte hinzu: "Ich mache als Ministerpräsident weiter, solange es mir passt, äh, solange der Wähler will, äh, also bis 2030 oder so." Rente könne er sich vielleicht mit 97 vorstellen.

Krebs hofft tatsächlich auf noch eine oder mehrere Verlängerungen von Stoibers Amtszeit: "Ich werde mit ihm gemeinsam aufsteigen oder fallen. Stoiber ist wie eine Art Leibrente." Der Ministerpräsident versprach: "Ich werde mich bemühen, dass Sie noch einige Jahre zu tun haben."

Stoiber selbst wollte bei dem Treffen erfahren, welche Kritik am Ministerpräsidenten seine Doppelgänger bei Auftritten zu hören bekämen. Angesichts seiner guten Doubles habe er sich sogar schon einmal überflüssig gefühlt, bei der Verleihung des Karnevalsordens wider den tierischen Ernst im Jahr 2000 in Aachen: Als er auf die Bühne zu Kabarettist Lerchenberg gestiegen sei, "war das Publikum enttäuscht. Da konnte das Original den Darsteller nicht überbieten."

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(ap)
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