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Thomas Gottschalk hört auf: Der Abschied vom Samstagabend-König

Thomas Gottschalk hört auf : Der Abschied vom Samstagabend-König

Halle (RPO). "Es gibt gewisse Dinge, die kann man nicht zwischen Tür und Angel besprechen..." Als Moderator Thomas Gottschalk diese Einleitung in Halle wählte, war Millionen TV-Zuschauern klar, was folgen würde. Der letzte Samstagabend-König gibt Deutschlands letzte große Samstagabend-Show auf. Drei Shows noch, dann ist Schluss. Über den Nachfolger wird bereits spekuliert. Sicher ist nur: Die Fußstapfen sind riesig.

10,56 Millionen Zuschauer waren an den TV-Geräten Zeugen dieser Rücktrittsankündigung. Dies entspricht einem Marktanteil von 32,1 Prozent. Gottschalk setzte sich auf sein Show-Sofa und sprach Klartext.

Denn der schwere Unfall des Kandidaten Samuel Koch, der derzeit querschnittsgelähmt in einer Spezialklinik um kleinste Fortschritte kämpfen muss, hat für den 60-jährigen Entertainer alles verändert.

"Es ist, wie Sie wissen, beim letzten Mal alles anders gewesen als sonst, denn ich habe mich entschlossen, von diesem Sofa aus immer nur gute Laune zu verbreiten. Aber beim letzten Mal ist mir das nicht gelungen. Ich habe hier gesessen und musste Ihnen mitteilen: Jetzt ist Schluss mit lustig", erinnerte sich Gottschalk an die vergangene Sendung.

Er könne mit dieser Show einfach nicht weitermachen, als sei nichts gewesen, beteuerte Gottschalk. Für ihn persönlich liege über der Sendung einfach ein Schatten.

Gottschalk will noch zwei reguläre Sendungen und die Sommerausgabe am 18. Juni aus Mallorca moderieren. Im Herbst folgen noch drei Spezialausgaben mit Rückblicken auf die besten Sendungen — dann braucht das ZDF einen neuen Moderator für sein Unterhaltungsflaggschiff.

Im Herbst soll die Entscheidung fallen. Derzeit kommentieren die Mainzer nichts. Fast wie automatisch fiel aber schon Samstagabend ein Name: Jörg Pilawa.

Jörg Pilawa als Nachfolger?

Der Hamburger war im Herbst 2010 von der ARD zum ZDF gewechselt und gilt inzwischen als Allzweckwaffe in der deutschen TV-Unterhaltung. Der 45-Jährige präsentierte inzwischen ungezählte Quiz-Formate — mit Stars, mit Kindern, mit Lehrern, mit Normalos und der Maus.

Der Familienvater moderiert dies locker, trocken und charmant. Kritiker werfen ihm allerdings auch Farblosigkeit und Verwechselbarkeit vor. Während Gottschalk in seinen 24 Jahren als ZDF-Zampano immer wieder polarisierte, wirkt Pilawa oft stromlinienförmig.

Gottschalk hingegen wurde zum Star, weil er stets eine Diva war, die an ihrer eigenen Marke arbeitete. Seine wilden Outfits dokumentierten einst die neue Lockerheit der 80er Jahre.

Gottschalks Art an weiblichen Gästen unter aberwitzigen Vorwänden herumzufummeln wurde zu seinem Markenzeichen ebenso wie die Fähigkeit in jeder zweiten Show einen Kalauer unterhalb der Gürtellinie zu platzieren.

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Gottschalk machte Fehler, Gottschalk entschuldigte sich. Das Leben ging weiter und irgendwann sah der Zuschauer da im Kasten einen alten Freund von früher. Gottschalks ansteckendes Lachen, seine Fähigkeit ohne jede Anstrengung gute Laune zu verbreiten, machten ihn zu Deutschlands bestem Showmaster.

Und die Stars der Welt liebten ihn: Brad Pitt, Angelina Jolie, Michael Douglas, Take That, Hugh Grant — der gebürtige Bamberger holte spielend Weltstars in die Entertainment-Provinz Deutschland. Gottschalk wohnte lange in den USA, mit dem Jetset der Traumfabrik ist er persönlich bekannt.

TV-Deutschland hat nun drei weitere Shows Zeit, um Abschied zu nehmen. Es besteht kein Zweifel daran, dass Gottschalk diese Auftritte meistern wird, so wie er die Sendung am Samstag locker über die Bühne brachte. Am 18. Juni auf Mallorca endet dann die Ära Gottschalk bei "Wetten, dass..?".

Und Fernseh-Deutschland wird den Verlust vielleicht erst dann richtig ermessen können, wenn der Nachfolger das erste Mal auf der Bühne steht. Ob der nun Jörg Pilawa heißt oder nicht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gottschalk verlässt "Wetten dass.."