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Interview in People-Magazin: Das Leiden der Kohl-Söhne

Interview in People-Magazin : Das Leiden der Kohl-Söhne

Berlin (RP). Helmut Kohl hatte seine Söhne zur Hochzeit mit seiner 34 Jahre jüngeren Lebensgefährtin Maike Richter doch nicht eingeladen. Bislang war darüber spekuliert worden, ob Walter und Peter Kohl vielleicht aus Protest gegen die neue Ehe ihres Vaters ferngeblieben waren. Jetzt schilderte Kohl-Sohn Walter (45) in der "Bunten", er habe zwar von den Hochzeitsplänen gewusst, nicht aber den Termin gekannt: "Erst danach wurde ich über den Vollzug durch ein Drei-ZeilenTelegramm informiert."

Das Büro des Altkanzlers hatte im Mai berichtet, dass die Feier "im engsten Kreis" stattgefunden habe. Statt seiner Söhne hatte Kohl den Medienunternehmer Leo Kirch, "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann und seinen Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner hinzugebeten. "Ich gebe zu, dass mich diese Vorgehensweise damals befremdet hat", berichtete Walter Kohl.

Die Trauung nahm Monsignore Erich Ramstetter vor. Der mit Kohl befreundete Priester hatte auch 2001 die Trauerpredigt für Kohls erste Frau Hannelore gehalten. Sie war nach langem Kampf gegen eine Lichtallergie aus dem Leben geschieden. Das sei eine "riesige Belastung" für die Familie gewesen, sagte Kohls Sohn. Inzwischen tritt Maike Kohl-Richter in der Öffentlichkeit mit Teilen des Schmucks und der Garderobe von Kohls erster Frau auf.

Walter Kohl (45) spricht heute von "großen Phasen von Ungerechtigkeiten und Belastungen" in seinem Leben. Er und sein jüngerer Bruder Peter hätten dem machtlos gegenübergestanden. So seien sie in der Schule wiederholt für Entscheidungen ihres Vaters "zur Rechenschaft" gezogen worden. "Das heißt, ich wurde von Mitschülern mehrfach zusammengeschlagen", erläuterte Walter Kohl.

Der Kanzler sei für seine Söhne eher ein "Schattenvater" gewesen, den sie selten gesehen hätten. Sie hätten nur unter Polizeiaufsicht spielen dürfen. Mit zwölf habe er unbemerkt eine Maschinenpistole auseinandernehmen können, erinnert sich Walter Kohl. Sein Name habe ihn früher "fast erdrückt". An die Stelle von "Zorn und Wut" sei inzwischen Versöhnung mit dem Vater getreten: "Ich kann ihn jederzeit anrufen oder besuchen."

(RP)