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Bill Cosby: Gericht hebt Urteil wegen sexueller Nötigung auf

US-Schauspieler aus Haft entlassen : Gericht hebt Nötigungsurteil gegen Bill Cosby auf

Der einst beliebte Sitcom-Darsteller Bill Cosby sitzt seit mehr als zwei Jahren wegen sexueller Nötigung im Gefängnis. Doch das Vorgehen der Staatsanwaltschaft hatte einen entscheidenden Makel. Nun ist Cosby frei.

Das Oberste Gericht des US-Staates Pennsylvania hat das Urteil gegen den Entertainer Bill Cosby wegen sexueller Nötigung aufgehoben. Cosby hätte wegen einer früheren Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft in diesem Fall nicht angeklagt werden dürfen, urteilte das Gericht am Mittwoch. Zugleich verbot es eine weitere Strafverfolgung.

Der heute 83 Jahre alte Cosby war 2018 für schuldig befunden worden, eine Frau im Jahr 2004 bei sich zu Hause unter Drogen gesetzt und sich an ihr vergangen zu haben. Er sitzt seit mehr als zwei Jahren im Gefängnis. Nach der Aufhebung des Urteils hat Cosby das Gefängnis verlassen. „Er wurde heute kurz vor 14.30 (Ortszeit) entlassen“, teilte die Sprecherin der Gefängnisbehörde im Bundesstaat Pennsylvania, Maria Bivens, der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch mit.

Bei der Anklage 2015 hatte die Staatsanwaltschaft unter anderem auf Aussagen Cosbys in einem Zivilverfahren zurückgegriffen, in dem dieser erklärt hatte, der Beschuldigerin Andrea Constand vor dem Geschlechtsverkehr Betäubungsmittel gegeben zu haben. Cosby sagte auch, einer anderen Beschuldigerin sogenannte Quaaludes gegeben zu haben, bevor sie in den 1970er Jahren Sex hatten.

Das Oberste Gericht in Pennsylvania befand, Staatsanwalt Kevin Steele hätte sich an die Zusage seines Vorgängers halten müssen, Cosby nicht wegen dessen Aussage im Zivilprozess anzuklagen. Cosby habe sich auf dieses Versprechen verlassen, als er seine Aussage gemacht habe. Dies entspreche auch den vernünftigen Erwartungen der Gesellschaft an das Strafrechtssystem und das Vorgehen gewählter Staatsanwälte. Deshalb müsse das Urteil aufgehoben und eine weitere strafrechtliche Verfolgung verboten werden.

In einem ersten Prozess gegen Cosby im Juni 2017 wurde nur eine weitere Zeugin zugelassen. Das Verfahren endete ohne Urteil. Wenige Monate nachdem die #MeToo-Bewegung begonnen hatte und Produzent Harvey Weinstein und andere mächtige Männer in Hollywood und in anderen Branchen beschuldigt wurden, begann der zweite Prozess gegen Cosby, in dem der Richter fünf Zeuginnen zuließ, die dem Angeklagten ähnliche Vorwürfe machten. Hier wurde Cosby schuldig gesprochen.

(c-st/dpa)