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Helmut Kohls Sohn: Befremden über fehlende Hochzeitseinladung

Helmut Kohls Sohn : Befremden über fehlende Hochzeitseinladung

München (RPO). Helmut Kohls Sohn Walter hat sich kritisch über die Heirat seines Vaters Helmut geäußert. Mit Befremden habe er zur Kenntnis genommen, keine Einladung zur neuerlichen Vermählung des Altkanzlers erhalten zu haben. Den Selbstmord seiner Mutter und seine Abstammung habe er als Belastung empfunden.

Zum ersten Mal hat sich ein Sohn des 78-jährigen Altkanzlers Helmut Kohl zu den Verhältnissen seiner Familie in einem Interview geäußert. Der 45-jährige Walter Kohl sagte der Illustrierten "Bunte", er sei befremdet darüber gewesen, dass sein Bruder und er nicht zur Hochzeit des Vaters eingeladen waren. Kohl hatte am 8. Mai in der Heidelberger Rehabilitationsklinik die 34 Jahre jüngere Regierungsdirektorin Maike Richter geheiratet.

Anwesend waren der Dekan Erich Ramstetter, der die kirchliche Trauung vornahm, Kohls Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner und die Trauzeugen Leo Kirch und Kai Diekmann.

Die "Bunte" zitierte Walter Kohl mit den Worten: "Trotz unterschiedlicher Auffassungen musste ich auch akzeptieren, dass mein Bruder, ich und unsere Familien nicht zu seiner zweiten Hochzeit eingeladen waren." Den Termin habe er nicht erfahren. Erst danach sei er "über den Vollzug durch ein Dreizeilen-Telegramm informiert" worden. "Ich gebe zu, dass mich diese Vorgehensweise damals befremdet hat", sagte Kohl.

Der 45-Jährige äußerte sich auch zu seiner Mutter Hannelore Kohl, die an einer schweren Lichtallergie erkrankt war und sich im Juli 2001 das Leben genommen hatte. "Der Umgang mit ihrem Tod war für die Familie eine riesige Belastung, da ein Selbstmord immer zu viele Fragen offen lässt", sagte Walter Kohl.

"Mein Name hat mich oft fast erdrückt"

Er ist dem Bericht zufolge als Selbstständiger in der Automobilzulieferer-Branche in Asien tätig. "Mein Name hat mich oft fast erdrückt", bekannte der 45-Jährige. "Heute bin ich frei. Heute kann ich sagen: Ich bin ich. Ich bin Walter Kohl."

Seine Jugendzeit erlebte er als belastend. "Kurz gesagt: Mein Leben war in großen Phasen von Ungerechtigkeiten und Belastungen geprägt, denen mein Bruder und ich machtlos gegenüberstanden. Ich fühlte mich ob dieser Erlebnisse und Erfahrungen jahrelang innerlich tief verletzt und reagierte bis vor ein paar Jahren mit Zorn und Wut. Das war ein Fehler", erklärte Kohl.

Wegen politischer Entscheidungen des Vaters hätten Mitschüler ihn "mehrfach zusammengeschlagen", sagte der Sohn des Exkanzlers. Auch das Verhalten einiger Lehrer habe er als grob ungerecht empfunden. So habe ein Lehrer in der Zeit des Nato-Doppelbeschlusses seinen Vater vor der Klasse als Massenmörder bezeichnet, ohne dass es für den Pädagogen Konsequenzen gehabt hätte.

(ap)