Barbara Schöneberger über Männerschminken: Reaktion auf den Shitstorm

„Was ich sage, ist nie politisch“ : Barbara Schöneberger wehrt sich gegen Shitstorm nach Video zu geschminkten Männern

„Bitte nicht schminken!“ Mit dieser Aufforderung an Männer hat Moderatorin und Entertainerin Barbara Schöneberger einen Shitstorm ausgelöst. Viele werfen ihr Intoleranz und ein verstaubtes Geschlechterbild vor. Jetzt hat sie auf die Vorwürfe reagiert.

„Irgendwann ist auch mal Schluss“, beginnt das Video von Barbara Schöneberger, um das seit Tagen ein Shitstorm im Internet wütet. Veröffentlicht wurde es auf dem Instagram-Profil des „Barbara Magazin“, für das Schöneberger Namensgeberin ist. Darin kommt sie schnell zum Punkt:

„Männer dürfen gerne von mir aus lustige, hochgekrempelte Hosen tragen und kurze Jacketts, die irgendwie überm Arsch enden – macht es, wenn ihr wollt. Aber wenn ihr euch jetzt auch noch schminkt: Ich finde irgendwo ist auch mal ein Punkt. Männer sind Männer, Männer sollen irgendwie auch Männer bleiben.“ Auch Augenschatten abzudecken oder die Wangenknochen zu betonen sei schon Schminken, führt Schöneberger weiter aus. Auch das sollten Männer daher sein lassen. Stattdessen die Empfehlung: „Schmiert euch morgens irgendwie 'ne Creme ins Gesicht.“

Mehr als 700.000 Mal wurde das Video bereits aufgerufen. Darauf folgte eine Welle der Empörung. Viele Nutzer warfen der Entertainerin ein veraltetes Geschlechterbild und Diskriminierung vor. „Ich bin 13 Jahre alt und wachse in einer Generation mit vielen Veränderungen auf“, schrieb eine Nutzerin. „Für mich ist es normal, wenn ich Männer auf der Straße oder auch in sozialen Medien sehe und diese stark geschminkt sind. [...] Dieses klischeehafte Denken, dass Männer nicht geschminkt sein dürfen und immer männlich und dominant sein müssen, [...] ist in meinen Augen einfach nur falsch.“ Eine andere Nutzerin kommentierte: „Hör auf anderen Menschen zu sagen was sie machen sollen und was nicht. Peinlich. Ekelhaft.“ Mehr als 1200 „Gefällt mir“-Angaben erhielt zudem der Kommentar dieses Nutzers (teils durch die Redaktion übersetzt): „Beruhige dich, Oma. Wir leben im 21. Jahrhundert. Einfach nur traurig und beschämend.“

Auch Akteure aus dem Medienbereich mischten sich in die Debatte ein. Der ARD-Moderator Tim Schreder fragte etwa in einem Kommentar unter dem Video: „Was soll ich denn jetzt morgen früh bei live nach neun der Maske sagen?“ Schönebergers Aussage sei zu vergleichen mit der Forderung, Frauen sollten besser zuhause am Herd bleiben, statt arbeiten zu gehen – schließlich müssten Frauen Frauen bleiben, kommentierte Schreder außerdem auf seinem eigenen Instagram-Profil.

Am Montagmittag hat Schöneberger nun auf die heftige, seit Tagen andauernde Kritik reagiert und auf ihrem eigenen Instagram-Profil ein knapp zweiminütiges Video veröffentlicht. „Da muss ich mich zu Wort melden. Das ist nicht die Schublade, in der ich stecken möchte“, sagt sie zu Beginn. „Ich habe nicht die Jungs gemeint, die sich regelmäßig schminken, die bunt sind, die ihre Individualität ausdrücken wollen – die waren definitiv nicht gemeint“, erklärt Schöneberger. Stattdessen habe sie mit ihrem Video „über die gesprochen, die ich früher gedatet habe“. Diese Männer seien eben nicht geschminkt gewesen.

Sie gibt in ihrem Video zu, dass sich im Vergleich zu damals womöglich einiges geändert habe. „Ich bin ja auch eine ganz andere Generation. Vielleicht hat sich das inzwischen alles so gewandelt und ich kann gar nicht mehr mitreden“, verteidigt sie ihr erstes Video. Es könne gut sein, dass einfach zu alt sei, um die Beweggründe für Männer-Makeup zu verstehen.

Schließlich wirbt sie um Verständnis dafür, nicht jede ihrer Aussagen als „päpstliches Dekret“ zu sehen. „Ich bin ja auch ein bisschen ins deutsche Showgeschäft gegangen, um nicht immer nur politisch korrekt sein zu müssen“, führt Schöneberger aus. Es könne gut sein, dass sie Leuten auf die Füße getreten habe und das auch in Zukunft weiter passieren könne. Diesen Menschen wolle sie mitteilen: „Was ich sage, ist nie politisch – es ist einfach immer nur Showgeschäft im besten Sinne.“ Sie hoffe, das damit alle Missverständnisse aus dem Weg geräumt seien.

Die ersten Kommentare unter dem neuen Video zeigen: Einige Nutzer zeigen Verständnis für diese Erklärung Schönebergers („Ich hab Dich gleich richtig verstanden“), andere jedoch geben sich mit den Ausführungen nicht zufrieden: „"Showgeschäft", "das Alter" und "nicht politisch" als Ausrede zu nehmen für das Thema Toleranz ist leider eine sehr schwache Leistung für jemand, der ja so viele Jahre dabei ist“, kommentiert eine Nutzerin.

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