1. Panorama
  2. Leute

Interview mit Rolf Seelmann-Eggebert: "Alle Monarchien werden das Jahrhundert überleben"

Interview mit Rolf Seelmann-Eggebert : "Alle Monarchien werden das Jahrhundert überleben"

Rolf Seelmann-Eggebert, der Doyen der Adelsberichterstattung im deutschen Fernsehen, wird am Sonntag 75 Jahre alt. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet der Royal-Fachmann über seinen größten Fauxpas, Begegnungen mit den königlichen Oberhäuptern und die Zukunft der europäischen Monarchie.

Welche Fachlektüre lag heute Morgen auf Ihrem Frühstückstisch?

Rolf Seelmann-Eggebert Zwei Tageszeitungen. Was royale Fachpresse angeht: Ich lese lediglich die "Majesty", die sich mit dem britischen Königshaus beschäftigt, unter anderem alle Termine auflistet. Eher etwas zum Abheften.

Wie kommen Sie dann an Ihre Informationen?

Seelmann-Eggebert Nun, man macht seine Hausaufgaben: hält Kontakt zu den Pressestellen der Königshäuser und den Kollegen vor Ort, denen man verlässliche Quellen zutraut.

Seriosität - macht das den Adelsexperten aus?

Seelmann-Eggebert Zum Teil. Vieles wird ja heute völlig übertrieben dargestellt - etwa die Auswirkungen von Enthüllungsbüchern über die untreuen Könige in Schweden und Spanien. Ich war politischer Korrespondent der ARD in London, als 1981 Charles und Diana heirateten und wir darüber berichteten. Auf einmal war ich mit den Royals verheiratet, ohne zu wissen, warum.

Aber Sie sind dabei geblieben.

Seelmann-Eggebert Weil ich die meisten Berichte über das britische Königshaus grottenfurchtbar fand. Einer musste den Leuten die konstitutionelle Monarchie doch mal vernünftig erklären! Also haben wir einen Vierteiler über die Windsors gemacht - der dann so erfolgreich war, dass wir auch die anderen Königshäuser portraitierten. Heute profitiere ich wohl nicht nur davon, seriös zu sein - sondern vor allem, den Zuschauern vertraut. Wie ein alter Mantel, den sie immer wieder gern aus dem Schrank holen.

Dem sie glauben, dass sie mit Königs auf Du und Du sind.

Seelmann-Eggebert Im Grunde findet sich jeder, der eine normale deutsche Kinderstube genossen hat, bei den Royals zurecht. Man muss natürlich einige eiserne Regeln befolgen.

Zum Beispiel?

Seelmann-Eggebert Zum Beispiel, dass Vertrauliches immer vertraulich bleibt. Oder darauf zu warten, dass man angesprochen wird. Als ich den früheren belgischen König Baudouin und seine Frau traf und zunächst auf die Königin zuging, da deutete sie mit dem Finger so komisch auf ihren Mann. Ich wusste mit der Geste nicht so recht etwas anzufangen und begrüßte sie - bis ich merkte: Ich hätte mich zuerst ihm, dem Ranghöheren, zuwenden sollen. Als ich dem König später sagte, ich sei so erzogen worden, die Dame zuerst zu begrüßen, meinte er nur, dass das ja auch ganz richtig sei.

Der einzige Faux-Pas?

Seelmann-Eggebert Im Grunde ja. Meist ist man ja auch umgeben von Pressereferenten, die auf einen aufpassen. Vor einem Interview mit Prinzessin Anne haben wir beim Aufbauen der Kamera die Scheibe einer Vitrine zerschlagen, in der ihre Reittrophäen standen. Binnen 30 Sekunden war eine Putzkolonne da - als kurz darauf die Prinzessin zum Interview erschien, war alles wieder in schönster Ordnung.

  • Fotos : Die holländische Königsfamilie
  • Fotos : Victoria strahlt ihr erstes Mama-Lächeln
  • Fotos : Weihnachten bei den Royals - Kates erster Kirchgang

Welche Royals haben Sie am stärksten beeindruckt?

Seelmann-Eggebert Wieder der belgische König Baudouin. Er durfte mir offiziell kein Interview geben. Also setzte er sich auf eine Parkbank und forderte mich auf, mich neben ihn zu setzen. Er sagte: Wenn ich Ihnen etwas erzähle und sie später ihren Zuschauern davon berichten, war das doch kein Interview, oder? Die dänische Königin Margrethe II. hat mir einmal erzählt, wie sie als kleines Kind einen Bombenangriff erlebt hat, bei dem ein Gestapo-Quartier in Kopenhagen zerstört wurde. Sie sagte ganz offen, ihr Vater habe ihr damals erklärt, dass der Angriff auf die Deutschen auch sein Gutes habe. Da dachte ich: Donnerwetter! So geradeaus hätte sie nicht sein müssen. Am meisten beeindruckt hat mich wohl Prinz Charles, weil er sich so aufrichtig in das Thema Landwirtschaft eingearbeitet hat. Als er verstanden hatte, dass es seine Pächter in Cornwall sind, die seinen Lebensunterhalt finanzieren, hat er mit ihnen Zäune repariert und Ställe ausgemistet, um ihr Leben zu verstehen.

Eine Art Zwangsmodernisierung?

Seelmann-Eggebert Da hat eine enorme Normalisierung stattgefunden. Im Gegensatz zur Queen etwa hat Prinz Charles normale Kindergärten und Schulen besucht, hatte einen ganz anderen Umgang. Aber ja: Wenn sich die Königshäuser nicht anpassen würden, bräuchte es mitunter nur einen Federstrich des Parlaments, und die Monarchie wäre am Ende. Die Royals waren auf ihre Rollen noch nie so gut vorbereitet wie heute, standen aber auch noch nie unter einem solchen Erfolgsdruck.

Welches Königshaus meistert das am besten?

Seelmann-Eggebert Alle sieben europäischen Königshäuser werden das Ende dieses Jahrhunderts erreichen, da bin ich mir sicher.

In England wartet alles auf den ersten Urenkel der Queen...

Seelmann-Eggebert Ich weiß nur, dass sie sicherlich nichts dagegen hätte, sich von einem Baby die Show rund um Ihr Thronjubiläum stehlen zu lassen. Sie ist, das habe ich bei unseren vielen kurzen Begegnungen immer wieder festgestellt, eine sehr realistische, vernünftige Frau.

Wie bereiten Sie sich auf die Feierlichkeiten zum Jubiläum in Juni vor?

Seelmann-Eggebert Es wird eine große Prozession auf der Themse geben, die erste seit 200 Jahren, mit 1000 Schiffen, Elizabeth und Philip vornweg. Als Admiralsfigur, das dürfte ganz nach ihrem Geschmack sein. Ich werde mich mit der Geschichte der Parade befassen, mit der Begleitmusik, allem, was dazugehört. Mitte Juni feiert die Queen ihren 86. Geburtstag nach. Das wird ein vollgepackter Monat. Die Queen denkt nicht ans Abdanken.

Wie steht es bei Ihnen?

Seelmann-Eggebert Das muss das Publikum entscheiden. Wir haben unsere Fühler nach Nachwuchs ausgestreckt. Aber solange ich darf, mache ich weiter.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Royale Love-Story: Prinz William und seine Kate

(felt)