Leichtathletik-EM Zuschauer werfen ZDF-Kommentator Rassismus bei 10.000-Meter-Finale vor

München · Es ist der letzte Tag der Leichtathletik-EM 2022. Erneut konnte Deutschland triumphieren, die Sprinterinnen sowie Speerwerfer Julian Weber gewannen Gold. Doch aufgrund der Morderation beim 10.000-Meter-Lauf geriet der sportliche Erfolg bei einigen Zuschauern in den Hintergrund.

 Der Favorit Yemaneberhan Crippa (M) holt Gold im 10.000-Meter-Lauf bei der Leichtathletik-EM in München.

Der Favorit Yemaneberhan Crippa (M) holt Gold im 10.000-Meter-Lauf bei der Leichtathletik-EM in München.

Foto: dpa/Soeren Stache

Die Leichtathletik-Europameisterschaft 2022 in München ist zu Ende und damit ein großes Turnier, das zeigt, „was für ein unfassbares Potenzial die Leichtathletik eigentlich in unserem Land hat“, wie Doppel-Europameisterin Gina Lückenkemper nach dem Staffel-Sieg erklärte. Und überhaupt war die EM für die deutschen Athletinnen und Athleten ein voller Erfolg. Zweimal gab es Bronzemedaillen, siebenmal Silber und ebenfalls siebenmal das begehrte Gold. Zuletzt konnte die Sprintstaffel der Frauen mit 42,34 Sekunden im letzten Wettbewerb triumphieren und setzte sich gegen Polen (42,61) und Italien (42,84) durch. Bei einigen Zuschauern geriet dieser sportliche Erfolg jedoch in den Hintergrund.

Denn ein weiterer Wettbewerb, der am letzten Tag ausgetragen wurde, war das 10.000-Meter-Finale der Herren. Hier hatte Deutschland nichts mit den vorderen Plätzen zu tun, den Sieg trug Yemaneberhan Crippa aus Italien vor Zerei Kbrom Mezngi aus Norwegen und Yann Schrub aus Frankreich davon. Hier stießen den Zuschauern allerdings die Aussagen des ZDF-Kommentators Peter Leissl übel auf. So habe dieser oft die nicht-weiße Hautfarbe und die Herkunft der Teilnehmer angesprochen, sprach beim Gewinner Crippa etwa von einem „Waisenjungen, der für Italien startet“, da dieser als Kind von einer italienischen Familie adoptiert wurde. Auch zum britischen Läufer äußerte sich der Kommentator: „Bei dem Briten sieht man, dass er aus Großbritannien kommt.“ Danach sagte er über den norwegischen Teilnehmer: „Der Mann aus Norwegen, Zerei Mezngi, auch ein Mann aus Eritrea, Sie können es unschwer erkennen, aus Ostafrika zumindest...“ An Aussagen wie diesen störten sich viele der Zuschauenden und ließen ihrem Unmut auf Twitter freien Lauf.

Auch wurde bemängelt, dass der Kommentator sichtlich Probleme damit hatte, einige Namen richtig auszusprechen. Zudem schien er sich in der Wahrnehmung einiger Zuschauenden sowieso primär für Julian Voigt, einen der deutschen Läufer, der 8. wurde, zu interessieren. Samuel Fitwi Sibhatu (9.) und Filimon Abraham (19.) gingen ebenfalls für Deutschland an den Start, wurden von König aber als „die beiden Läufer aus Eritrea“ bezeichnet. Und auch im anschließenden Interview mit dem Sieger trat der Moderator ins Fettnäpfchen: Er fragte Fitwi Sibhatu, ob dieser sich über den Sieg von Crippa „für seinen Landsmann aus Eritrea“ freue, obwohl dieser ja eigentlich aus Italien kommt.

Die Zuschauenden sind sich einig, dass demnach zu hoffen bleibt, dass dies intern aufgearbeitet wird - denn im Jahr 2022 noch vom Äußeren auf die Herkunft oder Zugehörigkeit zu schließen, sei doch deutlich aus der Zeit gefallen. Bislang gab es noch kein Statement seitens des ZDF.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version schrieben wir vom Kommentator Norbert König. Es handelte sich aber um den Kommentator Peter Leissl.

(joko)
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