1. Panorama

Nach einem Jahr Suche: Leiche von Regierungspraktikantin Levy gefunden

Nach einem Jahr Suche : Leiche von Regierungspraktikantin Levy gefunden

Washington (rpo). Ein Jahr hat es gedauert: Jetzt ist die Leiche der vermissten US-Regierungspraktikantin Chandra Levy gefunden worden.

Ein Spaziergänger entdeckte am Mittwoch (Ortszeit) in einem Washingtoner Park Teile ihres Skeletts. Die Polizei konzentriert jetzt alle Kräfte darauf, die Ursache für den Tod der 24-Jährigen herauszufinden. Und den Namen des Täters: Es gilt als praktisch sicher, dass Chandra ermordet wurde.

Der Fall Levy hatte die Öffentlichkeit über lange Monate in Atem gehalten, nachdem bekannt geworden war, dass die junge Frau eine Affäre mit einem verheirateten Kongressabgeordneten hatte. Erst die Terroranschläge vom 11. September setzten dem Medienwirbel um Chandra, die nach der Clinton-Gespielin Monica Lewinsky zur zweitberühmtesten Regierungspraktikantin wurde, und dem durch ihr Verschwinden ins Zwielicht geratenen Demokraten Gary Condit ein Ende.

Am Mittwoch und Donnerstag war es dann wieder wie im vergangenen Sommer: Journalisten belagerten das Elternhaus der Toten im kalifornischen Modesto und waren auf der Jagd nach einer Stellungnahme von Condit, der sich zur Zeit des Knochenfunds im Kongress aufhielt und dann später in einer schriftlichen Erklärung Mutter und Vater Levy sein Beileid übermittelte.

Der Fall hatte und hat alles zu bieten, was sich sonst in - schlechten - Hollywood-Filmen findet. Die hübsche und lebensfrohe Chandra mit frischem Lachen, blitzenden Augen, braunen Locken und langen Beinen kommt nach Washington, um in der dortigen US- Gefängnisbehörde ein Praktikum zu absolvieren. Dabei kreuzt sich ihr Weg mit Condit, und die Affäre beginnt. Am 29. April 2001 geht das Praktikum zu Ende, und Chandra bereitet sich auf ihre Rückkehr nach Kalifornien vor. Sie habe "big news" - große Neuigkeiten - kündigt sie telefonisch ihrer Tante an, der sie schon zuvor viel von Condit vorgeschwärmt hat. Einen Tag später wird Chandra zum letzten Mal gesehen.

Ihre Eltern starten mit Hilfe der Medien eine massive Kampagne, um Druck auf die Behörden und auf Condit auszuüben. Der Politiker leugnet eine Sexaffäre mit der jungen Frau: Es soll nur "Kameradschaft" gewesen sein. Später sickert aber durch, dass er bei Polizeivernehmungen schließlich zugegeben hat, dass es "mehr" war. Condit wird dann zum Gejagten: Die Medien heften sich an seine Fersen, wohin auch immer er geht - obwohl die Polizei erklärt, er sei nicht "verdächtig". Der Skandal kostet den 54-Jährigen schließlich die Karriere: Condit verliert Vorwahlen in seinem kalifornischen Wahlkreis und kann daher bei der nächsten Kongresswahl im November nicht mehr antreten.

  • Besucher betrachten in der Sankt Kunigundis-Kirche
    documenta in Kassel : Irritationen über Skulpturen aus Knochen in Kirche
  • Plasberg-Abschied bei „Hart aber fair“ : Ein Stück Fernsehgeschichte
  • Ein Mann sonnt sich auf vertrocknetem
    Bewässerungsverbot in Großbritannien : 15 Millionen Briten dürfen ihre Blumen nicht mehr gießen

Was geschah mit Chandra? Am Donnerstag war nur bekannt, dass sie zum Zeitpunkt ihres Todes ein Jogging-Outfit trug. Die sterblichen Überreste wurden indessen verstreut in einem Gestrüpp abseits der Wege gefunden, die Sportler in dem Park benutzen. Identifiziert wurde die Leiche mit Hilfe von Zahnabdruck-Vergleichen. Aufschlüsse über die Todesursache erhofft man sich jetzt von den weiteren gerichtsmedizinischen Untersuchungen. Erst nach deren Abschluss können die trauernden Eltern ihre Tochter zu Grabe tragen.

(RPO Archiv)