Düsseldorf: Kurvendiskussion in der Show-Branche

Düsseldorf : Kurvendiskussion in der Show-Branche

In Deutschland bekommen offenbar nur nur noch Schauspielerinnen mit Kleidergröße 34 Rollenangebote. In den USA bekennen sich dagegen zahlreiche US-Promis wie beispielsweise Lady Gaga zu ihren Pfunden.

Dünn sein, koste es was es wolle – das kennt man eigentlich nur aus der Welt der Models. Doch der Magerwahn hat mittlerweile auch die deutschen Schauspielerinnen erreicht. Offenbar bekommt man hierzulande nur noch mit Größe 34 Rollen angeboten.

Schauspielerin Eva Habermann sagte erst kürzlich: "Das ist ein richtiger Diät-Druck, wirklich krank." In dem Interview mit der "Hamburger Morgenpost" gab die 36-Jährige zu: "Natürlich gibt es Kolleginnen, die Bulimie haben. Man will ja gefallen, wird ständig kritisiert."

Auch bei vielen ihrer Kolleginnen ist von den ehemals weiblichen Kurven kaum noch etwas übrig: Veronica Ferres (47) wurde als dralles "Superweib" bekannt, heute hält sie mit strenger Stoffwechseldiät ihr Gewicht niedrig. Christine Neubauer (50) hat sich innerhalb weniger Monate um zwei Kleidergrößen heruntergehungert. Diane Kruger (36) war zwar schon immer recht dünn. Bei der Fashion Week in New York im September wirkte die Schauspielerin aber richtiggehend mager: Ihr Outfit enthüllte eine extrem schmale Taille und dürre Beine und Ärmchen.

Habermann wog früher zehn Kilo mehr als heute. Sie trug Kleidergröße 38 und hatte die Kurven an den richtigen Stellen. Doch offenbar konnte auch sie dem Druck nicht standhalten: "In meiner Branche sind alle superschlank. Du musst für den Bildschirm dreimal dünner sein als in echt." Die HD-Technik ist unbarmherzig. Wenn Produzenten in der Agentur anriefen, kam zunächst immer die Frage nach ihren Maßen, berichtet Habermann. Häufig sei sie dann schon gefragt worden, ob sie nicht abnehmen könne. Egal könne das keinem sein. "Man will ja besetzt werden." Deshalb macht sie derzeit eine Entgiftungsdiät: Drei Monate lang isst sie kein weißes Mehl, keinen Zucker, keine Milchprodukte und keine Eier. Sie habe jedoch nicht dem Diät-Druck nachgeben, sondern sich neu erfinden wollen, sagt Habermann. "Ich möchte die reifere, toughe Frau sein. Nicht wie bisher niedlich."

Auch die Frauenzeitschrift "Brigitte" hat jüngst eine Kehrtwende hingelegt: Seit 2010 warb das Magazin damit, in den Fotostrecken normalgewichtige Frauen von nebenan zu zeigen. Seit September präsentieren wieder superschlanke Models die Mode. Der Anblick normaler, hübscher Frauen sei den Leserinnen zu viel gewesen, heißt es in der Begründung des Verlags.

Die Promis in Hollywood zeigen dagegen Mut zur runderen Figur: Die früher spindeldürre Sängerin Christina Aguilera (31) zeigt sich auf ihrem aktuellen Plattencover nackt und deutlich fülliger. "Ich bin mit mir im Reinen", sagte sie vor kurzem in einem "Gala"-Interview. "Und ich mag diese volle Weiblichkeit, die dazu gehört." Auch wenn es offenbar nicht einfach ist, im Showgeschäft "unperfekt" auszusehen. Die 31-Jährige scheint nicht die Einzige zu sein, die es satt hat, sich von anderen ihr Gewicht diktieren zu lassen. Auch die Schauspielerinnen Jessica Simpson (32), Christina Hendricks (37) und Salma Hayek (46) stehen zu ihren Pfunden, genauso wie Lady Gaga (26). Die Sängerin hat in den vergangenen Monaten 15 Kilo zugenommen und zeigt sich trotz neuer Rundungen gerne freizügig. Eine, die schon seit Jahren ihre Kilos erfolgreich einsetzt, ist Jennifer Lopez (43). Die Sängerin wurde trotz – oder vielleicht gerade – wegen ihres üppigen Hinterteils im Jahr 2011 vom Magazin "People" zur "Sexiest Woman Alive" gekürt. Auch für Christina Aguilera könnten sich die Pfunde auszahlen. Sie hat nur Dank ihrer Extra-Kilos Aussicht auf einen Werbedeal. Aguilera soll das neue Aushängeschild des Übergrößen-Dating-Portals "TheBigandTheBeautiful.com" werden und dafür stolze drei Millionen US-Dollar (2,36 Millionen Euro) Gage bekommen.

(RP)