Düsseldorf: Königliches unter dem Hammer

Düsseldorf : Königliches unter dem Hammer

Das Haus Oranje hat seine Dachböden aufgeräumt. 1700 Gegenstände aus dem Nachlass der niederländischen Königin Juliana wie Tafelsilber, Porzellan und Möbel werden versteigert – teilweise zu Mindestgeboten ab 15 Euro.

Auch Königin Beatrix der Niederlande hat so banale Probleme wie Platzmangel. Und so hat sie die Dachböden von sieben Palästen ausmisten lassen und dabei etwa 1700 Gegenstände gefunden, von denen sie sich nun trennt. Bis Donnerstag versteigert das renommierte Auktionshaus Sotheby's in Amsterdam und online: aufpoliertes Tafelsilber, filigran verziertes Porzellangeschirr und auch Gemälde und Gartenmöbel, die einst Beatrix' Mutter gehörten – Königin Juliana (1909-2004), die von 1948 bis 1980 das Land regierte. Eine Auktion, die mit einigen Mindestgeboten ab 15 Euro nicht nur für das Fachpublikum, sondern auch für Souvenirjäger interessant ist.

"Noch nie kamen so viele Güter der königlichen Familie unter den Hammer", sagt die Sprecherin des Auktionshauses Sotheby's, Eva van Geldorp. Mit Handtaschen, Schminkkästchen (verziert mit einem vergoldeten "J" für Juliana), Trinkgläsern und goldenen Figuren, die einst auf Königin Julianas Kaminsims standen, ist die Chance, hochherrschaftliches Flair in die eigene Küche oder ins eigene Wohnzimmer zu tragen, zwar eher gering. Aber auch wenn es alles andere als die großen Meisterwerke der königlichen Schatzkammer sind, werden die Exponate hart umkämpft.

So schnellten am ersten Auktionstag gestern die Gebote in die Höhe – vor allem für das königliche Geschirr: Ein 141-teiliges "Doccia Ginori"-Porzellanservice (1780-1810) wechselte für 168 750 Euro den Besitzer. Das Mindestgebot hatte bei 40 000 Euro gelegen. Denn wer kann schon von sich behaupten, bald von Tellern essen und aus Gläsern trinken zu können, mit denen schon Königin Beatrix und ihre Mutter Juliana speisten, die sich zeit ihres Lebens gegen übertriebenen Standesdünkel wehrte: Statt mit "Majestät" ließ sie sich mit "Frau" anreden, fuhr lieber Rad als mit Chauffeur in einer Limousine.

Wer glaubt, dass das Haus Oranje aus finanzieller Schieflage heraus seinen Haushalt verscherbelt, irrt. Der Erlös der Auktion kommt wohltätigen Zwecken zu Gute. Unter anderem dem niederländischen Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen, für die sich Königin Beatrix und ihre drei Schwestern engagieren. 1,5 bis drei Millionen Euro, schätzen die Experten des Auktionshauses, könnten in den vier Tagen zusammenkommen.

Wer überboten werden sollte oder keinen Platz mehr in seiner Vitrine für königliches Geschirr hat, kann vielleicht zumindest einen Blick auf Königin Beatrix erhaschen: Auf Einladung von Bundespräsident Christian Wulff besucht sie vom 12. bis 15. April Deutschland. Abstecher nach Essen, Emmerich und Düsseldorf sollen auf dem Programm stehen.

(RP)
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