Größte deutsche Shell-Raffinerie teilweise zerstört: Köln: Leck als Ursache für Brand vermutet

Größte deutsche Shell-Raffinerie teilweise zerstört: Köln: Leck als Ursache für Brand vermutet

Köln (dpa/lnw). Nach dem Großbrand in der Shell-Raffinerie in Köln rechnet das Unternehmen mit einem zweistelligen Millionenschaden. Dabei werde vor allem der Produktionsausfall teuer zu Buche schlagen, meinte der Werksdirektor Willem Schoeber (Foto) am Freitag. Bei dem Großbrand war am Donnerstagabend eine der beiden Rohöldestillationsanlagen zerstört worden.

Zumindest für einige Wochen werde die Produktion von Benzin, Kerosin, Heizöl und Diesel deshalb in etwa halbiert sein, sagte ein Werkssprecher. Zu Versorgungsengpässen bei der Belieferung von Tankstellen werde es aber nicht kommen. Insgesamt versorgt die Raffinerie etwa vier Millionen Menschen mit Rohölprodukten.

Einen Tag nach dem Unglück begann die Suche nach der genauen Ursache. Nach ersten Erkenntnissen geht die Werksleitung davon aus, dass ein Leck zu dem Brand mit anschließenden Explosionen geführt hat. In der Destillationsanlage wird bei etwa 350 Grad Celsius das Rohöl in seine Bestandteile gespalten. Offenbar hatte eines der Rohre einen Riss, oder eine Dichtung war defekt. Das heiße Öl entzündete sich sofort bei Kontakt mit Sauerstoff. Bei dem Feuer waren zwischen 50 und 100 Kubikmetern Rohöl verbrannt.

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Die Gefahr einer größeren Katastrophe hat nach Angaben des Unternehmens nicht bestanden. Die Ölzufuhr durch das Hauptrohr sei sofort unterbrochen worden, erklärte Schoeber. Alle Sicherheitssysteme hätten funktioniert. Glück hatten dennoch zwei Beschäftigte, die mit Kontrollgängen auf der Destillationsanlage beauftragt sind - sie waren zum Zeitpunkt des Unglücks nicht in der Nähe. Eine bis zu 40 Meter hohe Stichflamme war bei einer der beiden Explosionen in den Himmel geschossen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich etwa 150 Menschen auf dem Areal aufgehalten. Gefahr für die Bevölkerung habe nicht bestanden, hieß es. Die Luftmessungen von Feuerwehr und Umweltamt hätten keine bedenklichen Werte ergeben.

Die zerstörte Destillationsanlage hatte eine Kapazität von 16 000 Tonnen Rohöl am Tag. Auf dem Gelände ist noch eine weitere gleichartige Anlage in Betrieb, die allerdings eine geringere Kapazität hat. Die Shell-Raffinerie in Köln-Godorf ist die größte des Unternehmens in Deutschland. Sie versorgt fast die gesamte Rheinschiene und verarbeitet rund 8,5 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr.

(RPO Archiv)
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