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Katholische Krankenhäuser in Köln: Kliniken weisen Vergewaltigungsopfer ab

Katholische Krankenhäuser in Köln : Kliniken weisen Vergewaltigungsopfer ab

Im Dezember war die junge Frau auf einer Party in Köln mit K.O.-Tropfen betäubt worden, danach wurde sie vergewaltigt. Zwei katholische Krankenhäuser wiesen das Opfer einem Medienbericht zufolge ab, sie wollten sie nicht behandeln und ihr auch nicht die "Pille danach" verschreiben. Diese widerspricht einem Grundsatz der katholischen Kirche.

Die 25-Jährige war im Dezember in zwei Kölner Kliniken des Erzbistums Köln gekommen, um sich behandeln zu lassen, berichtet der Kölner Stadtanzeiger. Doch sie wurde abgewiesen. Zuvor war die junge Frau offenbar betäubt worden und wachte erst einen Tag später auf einer Parkbank im Kölner Stadtteil Kalk wieder auf.

Die Ärztin Irmgard Maiworm hat die vergewaltigte Frau behandelt, die bei zwei katholischen Krankenhäusern abgewiesen wurde. Foto: dpa, Henning Kaiser

Eine Notärztin konnte zunächst eine Vergewaltigung nicht ausschließen und hatte die Kliniken dem Bericht zufolge um Spurensicherung gebeten, um diese möglicherweise vor Gericht zu nutzen. Doch die junge Frau wurde von den Kliniken abgewiesen. Begründung: Gynäkologische Untersuchungen zur Beweissicherung seien seit zwei Monaten untersagt. Der Grund dafür sei, dass damit ein Beratungsgespräch über eine mögliche Schwangerschaft sowie deren Abbruch und ein Rezept für die "Pille danach" verbunden seien.

Beratung bereits erfolgt

Auch der Hinweis, die Beratung sei bereits erfolgt und das Präparat verschrieben, halft laut Notärztin nicht aus. Man habe sich an ein anderes Krankenhaus wenden müssen. Hier zeigt sich eine grundsätzliche Haltung der katholischen Kirche zur "Pille danach". Die Kirche hält das Mittel für illegal. Eine solche Praxis widerspreche "allen Grundsätzen der Rechtsordnung", sagte der Ethik-Experte der Deutschen Bischofskonferenz, der Augsburger Weihbischof Anton Losinger, bereits am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Die Kölner CDU-Bundestagsabgeordnete Ursula Heinen-Esser sprach von einem Skandal. Sie ist die NRW-Landesvorsitzende der von katholischen Laien gegründeten Organisation Donum Vitae, die schwangere Frauen berät. Sie sagte der Zeitung, es sei die Pflicht von Krankenhäusern, Vergewaltigungsopfern jegliche Hilfe zukommen zu lassen.

Reaktion des Erzbistums

Nun bestreitet das Erzbistum Köln, dass seine Krankenhäuser gynäkologische Untersuchungen zur Spurensicherung bei einem Vergewaltigungsverdacht verweigern sollen. Das sei absolut nicht so, stellte Christoph Heckeley, Sprecher des Erzbistums, am Donnerstag klar. Falls zwei katholische Krankenhäuser dies doch getan hätten, so wie dies in dem Bericht beschrieben werde, widerspreche dies der offiziellen Linie. "Das bedauern wir dann sehr", sagte Heckeley.

(rm)