Langzeiterfahrungen fehlen: Kassen wollen Meldesystem für Arnzeimittelrisiken

Langzeiterfahrungen fehlen : Kassen wollen Meldesystem für Arnzeimittelrisiken

Hamburg/Kiel (rpo). Nach den bekannt gewordenen Todesfällen in Zusammenhang mit dem Cholesterin-Senker Lipobay haben Krankenkassen eine bessere Beobachtung neu zugelassener Medikamente gefordert.

Bei neuen Mitteln sei zwar häufig keine ausreichend klare Risikobewertung möglich, weil Langzeiterfahrungen fehlten, meinte Lothar Thormählen, Pressesprecher der Ersatzkassen-Verbände in Schleswig-Holstein, am Freitag.

Nach der Zulassung müsse die Arzneimittelsicherheit jedoch verbessert werden. "Wir brauchen ein effizientes Meldesystem für Arzneimittelrisiken. Das zeigt das jüngste Beispiel des Präparates Lipobay der Bayer AG." Lipobay kam in Deutschland 1997 auf dem Markt.

Einen Anstieg bei den Verschreibungen von Cholesterin-Senkern, wie ihn etwa die AOK in Schleswig-Holstein verzeichnete, bestätigte auch die Zentrale der Techniker Krankenkasse (TK) in Hamburg. "Die Verordnung solcher Mittel ist um eine etwa zweistellige Prozentzahl gestiegen", sagte Stefanie Simon von der TK-Pressestelle. Genauere Angaben konnte sie nicht machen. Von der Hauptgeschäftsstelle der Deutschen Angestellten- Krankenkasse (DAK) wurde eine solche Tendenz nicht registriert.

Bayer hatte Lipobay am Mittwoch vom Markt genommen, nachdem das Medikament mit 31 Todesfällen in den USA in Verbindung gebracht wurde. Im selben Zusammenhang werden nun auch vier Patiententode in Deutschland untersucht. Nach Bayer hatte auch Fournier Pharma im saarländischen Sulzbach ein Präparat vom Markt genommen.

Deren Cholesterin-Senker Zenas enthält wie Lipobay den Wirkstoff Cerivastatin. Er kann zu Muskelzerfall führen, insbesondere, wenn er zusammen mit einem anderen Blutfett senkenden Wirkstoff namens Gemfibrozil eingenommen wird. AOK-Sprecher Dieter Konietzko hatte berichtet, dass die Kasse in Schleswig-Holstein mehr als fünf Prozent ihres Arzneimittel-Budgets für Blutfett senkende Mittel ausgibt. Dabei habe sich der Verbrauch dieser Präparate "fast dramatisch" entwickelt: Seien vor zwei Jahren noch 28 200 derartige Rezepte pro Quartal ausgestellt worden, seien es im ersten Quartal 2001 schon fast 33 000 gewesen.

Die Kosten seien im selben Zeitraum von 4,94 auf "unglaubliche 6,12 Millionen Mark" pro Quartal gestiegen. Konietzko forderte Patienten auf, mit ihrem behandelnden Arzt nebenwirkungsfreie Alternativen zur Cholesterinsenkung zu besprechen. "Es ist bequem geworden, statt Bewegung oder Maßhalten beim Essen einfach eine Pille einzuwerfen und weiter zu schlemmen."

(RPO Archiv)