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Kachelmann wettert gegen Medien

Kachelmann wettert gegen Medien

Der vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochene Moderator schimpft per Internet-Dienst Twitter auf die Verlage Burda und Springer. Politiker erwägen, die Berichterstattung über Vergewaltigungsprozesse einzuschränken.

Mannheim Auch nach seinem Freispruch bleibt Jörg Kachelmann seiner Linie während des Prozesses treu – er schweigt zur Sache. Mit einer Ausnahme: Über den Internet-Nachrichtendienst Twitter verbreitete er nach dem Urteil des Mannheimer Landgerichts kurze wie unmissverständliche Meldungen. "In der Super-Illu, einem der traurigen Gewächse des deutschen Journalismus von Hubert Burda steht wohl, dass ich heute mit etwas sehr Brisantem in die Öffentlichkeit gehen würde. Ok. Focus lügt, Bunte lügt, aber Super-Illu soll anders sein", schreibt Kachelmann. Und liefert gleich seine Version der "brisanten Nachricht: Die Kaltfront ist unterwegs und morgen ist es in weiten Teilen Deutschlands viel kälter".

Kachelmann war am Dienstag vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden. Laut Urteil des Landgerichts Mannheim gab es "begründete Zweifel an der Schuld" des 52-Jährigen. Seine Ex-Freundin, eine 38-jährige Radiomoderatorin, hatte den Wettermoderator beschuldigt, sie nach einem Streit am 9. Februar 2010 mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Bereits kurz nach Kachelmanns Verhaftung hatte die Zeitschrift "Bunte" eine Titelgeschichte mit einer anderen ehemaligen Geliebten des Moderators veröffentlicht, "Jetzt spricht die Ex-Freundin". Im Prozess stellte sich heraus, dass die Frau dafür 50 000 Euro Honorar bekommen haben soll.

Auf seinem Twitter-Account "J_Kachelmann" schießt der Moderator auch in Richtung Axel-Springer-Verlag. "Wir wollen über Hubert Burdas Schergen nicht die ewig eklig blubbernden Mediensümpfe unter Friede Springer vergessen", formuliert der Wettermoderator und verlinkt die Aussage mit einer in "Bild" veröffentlichten Gegendarstellung. Auch auf die Seite einer Medienrechts-Kanzlei verlinkt Kachelmann; dort werden Urteile und Unterlassungserklärungen – etwa gegen die Publizistin und "Bild"-Autorin Alice Schwarzer – im Umfeld des Prozesses aufgelistet.

Rechtsexperten der Union wollen die Berichterstattung über Vergewaltigungsprozesse beschränken. "Es darf nicht sein, dass die Intimsphäre der Betroffenen bis in den letzten Winkel in aller Öffentlichkeit ausgebreitet wird", sagte der Vorsitzende des Rechtsausschusses im Bundestag, Siegfried Kauder (CDU), der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Medien müssten verpflichtet werden, nicht über Aussagen zu berichten, die vor Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit gemacht würden, so Kauder. Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz sagte dagegen der "Passauer Neuen Presse", die Medien seien in dem Mannheimer Prozess "bedient und instrumentalisiert worden".

Auch CSU-Rechtsexperte Norbert Geis mahnte eine Selbstregulierung der Medien an. Der Politiker forderte einen "Ehrenkodex, mit dem sich die Branche verpflichtet, weitaus zurückhaltender über Prozesse wegen sexueller Gewalt zu berichten". Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und der Deutsche Presserat kritisierten den Vorstoß scharf. "Das wäre ein Eingriff in die Pressefreiheit, und da muss man den Anfängen wehren", sagte der Sprecher des Presserats.

Kauder kritisierte zudem, dass die Tendenz, Verfahren wegen Vergewaltigung medial rücksichtslos auszuschlachten, "Opfer sexueller Gewalt entmutigt, sich an die Behörden zu wenden". Diese Einschätzung teilen Organisationen wie der Frankfurter Frauennotruf. Das Urteil habe das Gefühl verstärkt, dass es kein eindeutiges Signal aus der Gesellschaft gebe, dass Vergewaltigung auf keinen Fall geduldet werde.

Laut "Salzburger Nachrichten" arbeitet Jörg Kachelmann bereits wieder für den von ihm gegründeten Wetterdienst "Meteomedia".

(RP)