1. Panorama

Antisemitismus in Paris: Jüdischer Journalist dreht erschreckenden Film mit verstecker Kamera

Antisemitismus in Paris : Jüdischer Journalist dreht erschreckenden Film mit verstecker Kamera

Nach der Attacke auf einen koscheren Supermarkt vor einem Monat herrscht in Frankreichs jüdischer Gemeinde große Unruhe. Ein israelischer Journalist machte jetzt ein Aufsehen erregendes Experiment. Mit einer Kippa spazierte er zehn Stunden lang durch Paris. Er wurde beschimpft, bedroht, bespuckt.

"Zehn Stunden Angst und Schrecken in Paris!" — Unter diesem martialischen Titel beschreibt der Journalist Zvika Klein seine Erfahrungen. Zehn Stunden spaziert der Mann durch Paris. Er trägt eine Kippa als Kopfbedeckung. Über dem Saum seiner Jeans sieht man deutlich vier Schaufäden. Sie sind Bestandteil der jüdischen Gebetskleidung. Mit einer GoPro-Kamera macht ein Begleiter, der auch als Kleins Bodyguard fungiert, heimlich Aufnahmen.

Klein beginnt seinen Spaziergang am Eiffel-Turm, setzt ihn dann durch die Innenstadt fort und stößt langsam in Stadtviertel vor, die hauptsächlich von muslimischen Menschen bewohnt werden. Was sich in diesen Gegenden abspielt, schockiert Klein. "Hier sieht es aus wie in Ramallah", notiert er seine Eindrücke. Viele Frauen seien komplett verschleiert. Zunehmend empfindet er die Situation als bedrohlich.

Ein Händler schreit über die Straße: "Guckt euch den mal an! Der sollte sich schämen! Was rennt der hier mit einer Kippa rum?". Andere rufen, er solle sich "ganz schnell verpissen". Nur ein muslimischer Passant nimmt ihn in Schutz. "Der kann doch anziehen, was er will", sagt er zu den anderen Männern.

Je länger er durch das Viertel ging, desto krasser werden seinen Schilderungen zufolge die Anfeindungen. Man habe mit dem Finger auf ihn gezeigt und Flüche ausgestoßen. Ein Mann habe vor ihm auf den Boden gespuckt. Ein kleiner Junge habe zu seiner voll verschleierten Mutter gesagt: "Was macht der denn hier, Mama? Weiß der nicht, dass sie ihn umbringen?"

Kleins Begleiter bricht das Experiment schließlich ab. "Noch ein paar Minuten länger und die hätten dich gelyncht. Verschwinde sofort aus dieser Gegend hier", habe der Mann ihm geraten, erinnert sich Klein.

Spätestens seit den Attentaten von Paris und Kopenhagen wird verstärkt über Antisemitismus in Europa diskutiert. Isreaels Premierminister Benjamin Netanjahu hatte Juden sogar aufgefordert, nach Israel zu emigrieren. Der Journalist Klein ist ähnlicher Auffassung.

Er stellt nüchtern fest: "Die Juden von Paris bleiben abends zuhause. Da ist es sicherer für sie."