Jan Josef Liefers - die Stimme von Radio Doria

Berlin: TV-Star Liefers - die Stimme von Radio Doria

Jan Josef Liefers, seit Jahren Publikumsliebling aus dem Münsteraner "Tatort", hat sich nebenbei eine erfolgreiche Musikerkarriere aufgebaut. Seine Band Oblivion heißt nun Radio Doria - und bringt morgen das dritte Album heraus.

Wenn ein Schauspiel-Star nicht mehr seinen populären Namen einsetzen muss, um ein musikalisches Nebenprojekt zu fördern, ist das wohl eher ein gutes Zeichen. Dass die Band Jan Josef Liefers & Oblivion nun nur noch Radio Doria heißt, hat allerdings auch juristische Gründe - der Begriff "Oblivion" ist urheberrechtlich geschützt. Zwölf Jahre lang spielte die Band zusammen und brachte zwei Alben heraus, ohne dass jemand daran Anstoß nahm. Mit der dritten Platte musste der Neuanfang her: Radio Doria war geboren. Der Name, so erklärt es Liefers, spiegele das breite musikalische Spektrum wider, das die Band biete. Als wenn man einen Sender im Radio suche und ständig auf Neues, Überraschendes stoße. Morgen erscheint das erste Werk unter neuem Namen, "Die freie Stimme der Schlaflosigkeit".

Fürs breite Publikum ist Liefers untrennbar verbunden mit der Figur des Professor Boerne aus dem Münster-"Tatort", ein selbstverliebter, leicht überheblicher, aber auch charmanter Kauz. Ohne Augenzwinkern geht nichts im Schlagabtausch mit seinem Partner Thiel, gespielt von Axel Prahl (der kurioserweise auch als Sänger tingelt), etliche Folgen sind mehr Klamotte als Krimi. Beim Thema Musik versteht Liefers aber keinen Spaß, für ihn ist es eine Leidenschaft, wichtiger, intensiver, beglückender als die Schauspielerei. Er sieht sich nicht als Schauspieler, der auch singt, sondern als Sänger, den es vor die Kamera verschlagen hat, als einen Geschichtenerzähler mit Gitarre. "Soundtrack meiner Kindheit" hieß das letzte Album, eine Nabelschau über Liefers' Jugendjahre in der DDR. Musik als Vergangenheitsbewältigung, als Lebenshilfe.

Das Thema DDR wollte Liefers nun abhaken, den Horizont erweitern. Fürs neue Album reiste er mit einem Kriegsreporter nach Aleppo, schrieb später das Lied "Unbeschreiblich". "Ich habe den Krieg gesehen, der war nicht weit. Er wartet mit Geduld auf seine Zeit. Wenn einer käme, ihn zum Guten zu verklären, will ich nichts wissen, will nichts hören", heißt es in dem Stück. Liefers ist es ernst, er will ganz altmodisch Botschaften transportieren, singt über die tonangebende Generation der Baby-Boomer ("Verlorene Kinder"), zu der der 50-Jährige selbst gehört, und über die Notwendigkeit des Innehaltens in einer sich ständig beschleunigenden Welt. "Die Illusion von Freiheit geht verloren", sagt Liefers, "wenn Menschen nach Algorithmen ausgerechnet werden."

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Der Tonfall ist kritisch, die Musik dazu eher druckvoll, pop-orientiert, ohne das Genre innovativ auszuloten. Radio Doria bewegt sich musikalisch in klassischen Deutsch-Pop-Bahnen, beweist dabei einen Hang zum Hymnischen, eine Neigung zum Pathos. Liefers macht seine Sache als Sänger prinzipiell gut, wenn seiner Stimme auch ein wenig die Kraft, das Charisma fehlt. Als Partner für ein Lied ("Blutmond") hat er sich den Songwriter Gysbert zu Knyphausen geholt, einen der Besten seines Fachs. Auch bei den Aufnahmen zu "Die freie Stimme der Schlaflosigkeit" ließ sich Liefers ungewollt von einem Großmeister inspirieren - neben dem Aufnahmeort, einem Haus in Halberstadt, liegt die Burchardi-Kirche, in der seit 2001 "As SLow aS Possible" aufgeführt wird, einem auf 639 Jahre angelegten Monumentalwerk von Klangkünstler John Cage. Nur alle paar Jahre kommt es zu einem Tonwechsel; bei den Aufnahmen zum Album war eine permanente Dissonanz zu hören.

Eher harmonisch geht's bei Liefers privat zu - trotz Konkurrenzsituation. Denn Liefers' Ehefrau Anna Loos schauspielert und singt auch. Ihre Band Silly dürfte allerdings bekannter sein als Oblivion/Radio Doria. Das Ehepaar löste den Konflikt mit einer Wette: Wer zuerst in den TopTen landete, durfte das Lied des ersten gemeinsamen Duetts aussuchen. Anna Loos gewann.

(RP)
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