Pleiten, Pech, Prozesse: Der Fall Franjo

Pleiten, Pech, Prozesse : Der Fall Franjo

Düsseldorf (RPO). Das Jahr, in dem er hart auf dem Boden der Realität aufschlug - so könnte Franjo Pooths Rückblick auf das Jahr 2008 heißen. Mit der Anmeldung der Insolvenz seiner Elektronikfirma Maxfield ging es gleich am 18. Januar los. Vorwürfe der Insolvenzverschleppung und Millionen-Klagen seiner Kreditgeber, der Commerzbank und der Stadtsparkasse, folgten. Und ein Ende der gerichtlichen Auseinandersetzungen ist nicht in Sicht.

27 Millionen Euro fordern Pooths Gläubiger, 461 an der Zahl. Die Commerzbank war mit ihrer Klage vor dem Landgericht Düsseldorf bereits Ende Oktober erfolgreich. 1,8 Millionen Euro muss Franjo Pooth an die Bank zurückzahlen, bei der mit seinem Privatvermögen für einen Kredit gebürgt hatte. Pooth will allerdings in Berufung gehen.

Ein ähnliches Verfahren steht ihm gegen die Stadtsparkasse Düsseldorf bevor. Das Geldinstitut hatte Pooth insgesamt neun Millionen Euro geliehen. Nun fordert die Stadtsparkasse eine Million Euro von Pooth, um wenigstens einen Teil ihres Geldes zurück zu erhalten. Die Umstände dieser Kreditvergabe wurden dem ehemaligen Vorstands-Chef Heinz Martin Humme und seinem Stellvertreter Karl-Heinz Stiegemann zum Verhängnis. Beide verloren ihre Jobs, Stiegemann steht möglicherweise ein Verfahren wegen des Verdachts der Bestechlichkeit bevor. Der Vorwurf an ihn: Großzügige Geschenke wie Feuerzeuge, Handys und Flachbildschirme hätten ihn zu der lockeren Kreditvergabe bewegt.

Weitere gerichtliche Auseinandersetzungen zettelte Pooth selber an. Im Mai erstattete er beim Finanzamt Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung. Im September beschuldigte er einen Bodyguard, mit einem ehemaligen PR-Manager in das Haus der Familie eingebrochen zu sein, vertrauliche Unterlagen gestohlen und veröffentlicht zu haben. Im Oktober ging er mit dieser Klage vor dem Düsseldorfer Landgericht unter. Der Bodygard verklagte ihn erfolgreich auf Unterlassung dieser Behauptung. Falls er seine Bemerkungen wiederholen sollte, droht Pooth ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro.

Obwohl sich die Schlagzeilen überschlugen, hüllte sich Franjo Pooth lange in Schweigen. Erst im April äußerte er sich gegenüber der Staatsanwaltschaft schriftlich zu den Bestechungsvorwürfen. Ganz anders Ehefrau Verona. Die Werbeikone übte sich in der Öffentlichkeit fleißig in der Rolle der verständnisvollen liebenden Ehefrau und verteidigte ihren Gatten bei mehreren Talkshow-Auftritten.

Vor wenigen Wochen dann gab das Paar der Zeitschrift "Bunte" zum ersten Mal seit der Maxfield-Pleite ein gemeinsames Interview, man durfte gespannt sein. Darin sprachen sie auch über ihr vermeintliches Luxus-Leben nach der Insolvenz von Franjos Elektronikfirma. "Dass es mir finanziell sehr gut geht, ist kein Geheimnis, und Franjo kommt aus einer vermögenden Familie. Alles, was wir besitzen, ist ehrlich und hart erarbeitet", erklärte Verona. Reue hört sich anders an.

Auch im nächsten Jahr könnte Pooth aber sein Luxusleben das ein oder andere Mal gegen einen Gerichtssaal tauschen müssen. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt wegen Insolvenzverschleppung und Bestechung, wenn sie Anklage erhebt, dürfte sich Pooth in einem Strafprozess zu verantworten haben. Der Vorwurf: Der Unternehmer soll bereits pleite gewesen sein, aber weiter Geschäfte gemacht haben.

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