Chaos in Düsseldorf: Als der Himmel plötzlich schwarz wurde

Chaos in Düsseldorf : Als der Himmel plötzlich schwarz wurde

"Krasses Zeug", war der erste Gedanke. "Nur eine Dose von dieser neuen 'Red Bull Cola' und das Licht geht aus." Man mag in so einem Moment vielleicht an sich selber, mindestens aber an seiner Armbanduhr zweifeln. Doch dann die Entwarnung: Auch der Nebenmann schaut verdutzt, als es mitten am Tag stockdunkel wird.

Es ist Mai. Der Kalender lässt auf Sommer hoffen. Das Wetter will davon aber noch lange nichts wissen und tobt sich aus. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor starken Regenfällen. Unbeeindruckt gehen die Düsseldorfer ihrer Arbeit nach.

"Da braut sich aber ganz schön was zusammen", sagt einer. Ein paar Kollegen schauen auf, blicken aus dem Fenster und nicken zustimmend. Wer ahnt schon, dass die Stadt in wenigen Minuten einen unvergessenen Tag erleben soll. Es ist eben ein ganz normaler Tag im Mai - und alle warten auf den Sommer.

Die kleine Uhr unten auf dem Bildschirm zeigt 10.57 Uhr. "Der hatte Recht", schießt es beim erneuten Blick aus dem Fenster durch den Kopf. "Bei durchschnittlich 185 Regentagen pro Jahr und über 25 Jahren habe ich aber schon... Ach, Mathe ist doof."

Es waren weit mehr als 4700 Regentage. Rein rechnerisch. Trotzdem hat keiner davon eine so nachhaltige Wirkung, wie das, was in wenigen Minuten passieren wird.

Um kurz nach elf wird es plötzlich dunkel. "Da braut sich aber so richtig was zusammen", sagt der Kollege und knipst das Licht an. Diesmal wird ihm schon mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Ein zustimmendes Brummen erfüllt den Raum - beinahe zeitgleich mit dem Licht.

Jetzt stehen die ersten auf und gehen zum Fenster. "Mein Gott, sieht das aus", ist der Ausruf, der letztlich die Neugier aller Anwesenden weckt. Wenige Sekunden später stehen sie auf und schauen gemeinsam auf die Straße. Jetzt nimmt das Geschehen seinen Lauf: "Nur eine Dose von dieser neuen 'Red Bull Cola' und das Licht geht aus", schießt mir durch den Kopf. Dann die Entwarnung. "Ach nee, die Anderen sehen das ja auch."

Plötzlich ist es stockdunkel. Draußen herrscht gespenstische Ruhe. Niemand spricht mehr und sogar die Vögel hören auf zu zwitschern. Straßenlaternen, Reklamleuchten und die Scheinwerfer der Autos sind die einzigen Lichtquellen. Der Wind peitscht die Baumkronen mitunter in die Waagerechte. Die Natur spielt mit all ihrer Kraft.

Eine knappe halbe Stunde dauert das Spektakel. Dann wird es heller. Erst langsam, dann immer schneller. Im gleichen Tempo leeren sich die Straßen, auf denen sich die Menschen, von Vordächern geschützt, versammelt und gemeinsam gestaunt hatten.

(born)
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