Rom: Italien nach Beben unter Schock

Rom: Italien nach Beben unter Schock

Die Menschen in Norditalien kommen nicht zur Ruhe: Gestern hat ein weiteres schweres Erdbeben wahrscheinlich 16 Todesopfer gefordert. Zudem stürzte die Este-Festung in Finale Emilia ein. Mehrere Kirchen wurden beschädigt.

Es hieß, die Normalität kehre langsam zurück in die Emilia-Romagna. Doch nun erleben die Menschen in der italienischen Region innerhalb weniger Tage ihren zweiten Alptraum. "Es ist ein Desaster", sagte der Polizeikommandant von San Felice sul Panaro. "Alles ist eingestürzt, es herrscht Chaos", berichtete ein Feuerwehrmann aus dem Ort Concordia.

Fünf schwere Erdstöße erschütterten gestern Vormittag erneut Nordostitalien und insbesondere die Provinz Modena. Der bisher stärkste erreichte um 9 Uhr einen Wert von 5,8 auf der Richterskala. Gegen Mittag wurde ein Beben mit Stärke 5,6 gemeldet. Wieder stürzten Dutzende Gebäude, Kirchen und Türme ein. Im Laufe des Abends erhöhte sich die Zahl der Toten auf 17. Mehrere Arbeiter starben, als gestern Morgen eine Fabrikhalle in San Felice sul Panaro einstürzte sowie beim Einsturz eines Firmengebäudes in Mirandola bei Modena. Einige Hundert Menschen wurden verletzt. Nach dem neuen Erdbeben in der Emilia-Romagna ist die vorläufige Bilanz noch verheerender als vor zehn Tagen. Damals waren sieben Menschen ums Leben gekommen.

Besonders dramatisch wirkt die neuerliche Katastrophe angesichts der Routine, die sich in der Gegend gerade wieder eingespielt hatte. "Letzte Nacht haben wir zum ersten Mal wieder zu Hause geschlafen, dann kam das nächste Beben", sagte ein Bewohner von Sant'Agostino im italienischen Fernsehen.

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Gerade noch begutachteten Experten die Schäden, die das Beben vom 20. Mai angerichtet hatte. Die Helfer hatten Zeltlager für etwa 7000 Obdachlose aufgebaut. Die Menschen richteten sich auf ruhigere Tage ein, obwohl auch in den vergangenen Tagen immer wieder Erdstöße zu spüren waren. Am Dienstagvormittag bebte die Erde dann beinahe so heftig wie vor neun Tagen, als das Beben Stärke 6,0 erreichte. Das neue Epizentrum bei Medolla liegt nur fünf Kilometer westlich des früheren Epizentrums in San Felice sul Panaro. "Der Staat wird in kürzester Zeit alles nur Erdenkliche tun", sagte Ministerpräsident Mario Monti.

Diesmal sind die Schäden noch gravierender, weil das zweite Erdbeben viele der bereits beschädigten Strukturen endgültig vernichtete. So stürzte die Este-Festung in Finale Emilia ein, die bereits beim ersten Beben beschädigt worden war. Der Pfarrer des Doms der Ortschaft Carpi soll von den herabstürzenden Trümmern der Kirche getötet worden sein, berichteten italienische Medien. Das Beben war bis nach Mailand, Venedig und in den Piemont zu spüren. Wieder sind Kulturschätze vernichtet, auch aus der Stadt Mantua wurden Schäden an Kirchen und am berühmten Palazzo Ducale gemeldet. Der Zugverkehr kam teilweise zum Erliegen. Ferrari ließ seine Werkhallen in Maranello nahe Modena sicherheitshalber räumen. Die italienische Nationalmannschaft sagte ihr Freundschaftsspiel gegen Luxemburg in Parma ab.

Aktuell gehen Experten aber davon aus, dass die Erdstöße in den kommenden Tagen anhalten.

(RP)
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