ZDF-Moderatorin Gundula Gause Welche Sendung war für Sie mental die schwerste, Frau Gause?

Interview | Düsseldorf · Gundula Gause moderierte ihre erste Sendung „heute journal“ am 8. Februar 1993 an der Seite von Wolf von Lojewski. Im Interview blickt sie zurück, spricht über ihre späten Arbeitsschichten, die Zeit an der Seite von Claus Kleber und verrät, was ihr Glaube ihr bedeutet.

Am 8. Februar 2023 arbeitet Gundula Gause 30 Jahre lang als Co-Moderatorin für das „heute journal“. Im Interview blickt sie zurück.

Am 8. Februar 2023 arbeitet Gundula Gause 30 Jahre lang als Co-Moderatorin für das „heute journal“. Im Interview blickt sie zurück.

Foto: ZDF und Klaus Weddig/Klaus Weddig

Frau Gause, herzlichen Glückwunsch zu 30 Jahren beim „heute journal“. Hatten Sie jemals die Nase voll von den späten Arbeitszeiten?

Gause Nein, ich schätze das „heute journal“ sehr und wir senden nun mal um 21.45 Uhr. Die Zeit ist doch noch im Rahmen. Seit dem vergangenen Jahr arbeite ich auch als Moderatorin im „heute journal update“, das immer rund um Mitternacht sendet. Diese Sendezeit ist schon eine Herausforderung. Seitdem denke ich: Hochachtung vor allen Nachtarbeitern. Nach drei Tagen mit Sendungen um Mitternacht ist man froh, wenn man mal früh ins Bett kommt.

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Foto: ZDF und [F] Jana Kay, Klaus Wedd/[F] Jana Kay, Klaus Weddig; [M]

Wie vereinen Sie das mit dem Familienleben, wenn Sie in einer Woche fast jeden Abend spät arbeiten müssen?

Gause Das Thema begleitet mich seit 30 Jahren. Man muss sich in der Familie gut organisieren und besprechen, wer wann was wo macht. Ich versuche, auch immer wieder die Priorität aufs Privatleben zu setzen und die Familie zu unterstützen, wo es nur geht. Und die Familie respektiert meine Arbeit, so halten wir es gut miteinander aus.

Mehr als 18 Jahre haben Sie an der Seite von Claus Kleber moderiert. Vermissen Sie ihn beruflich?

Gause Ja natürlich. Claus ist ein ganz besonderer Journalist mit ganz eigener Vita und Erfahrungen aus einem langen Korrespondenten-Leben. Davon haben wir als Team profitiert. Die gesamte Redaktion des „heute journal“ vermisst ihn. Wir beide waren im Nachrichtenstudio dazu ein super Team. Aber es ist ja selbstverständlich, dass man irgendwann in den Ruhestand geht. Bei ihm ist das allerdings eher ein Unruhestand, er arbeitet ja weiter an Dokus. Wir bleiben einander verbunden und sehen uns ab und an.

Was haben Sie von ihm gelernt?

Gause Immer noch mal neu nachzudenken und Dinge infrage zu stellen. Nichts als gesetzt zu nehmen, weil man es immer so gemacht hat.

Sie haben beim „heute journal“ immer das Amt der Co-Moderatorin innegehabt. Haben sie jemals den Wunsch gehegt, auch Hauptmoderatorin zu werden?

Gause Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten: Einerseits würde es nicht passen, weil ich mich mit meiner Aufgabe als Co-Moderatorin stark identifiziere und darüber so intensiv an der Nachrichtensendung beteiligt bin, dass das einfach gut passt – für das Team, für die Zuschauer und für mich. Andererseits bin ich auch glücklich, dass ich im „heute journal update“ Interviews führen kann und mich da journalistisch anders „austoben“ darf, als es auf dem Co-Moderatoren-Posten möglich ist.

Von 45 Jahren „heute journal“ haben Sie zwei Drittel der Zeit miterlebt. Was war die größte Veränderung des Formats?

GAUSE Auf jeden Fall der Start des virtuellen Studios im Jahr 2009. Danach konnten wir alle digitalen Möglichkeiten ausschöpfen, zum Beispiel Grafiken darstellen und schnell Filmbeiträge übermitteln. Die mussten früher noch per Kassette überspielt werden. Und in der Zeit der Pandemie kam dann noch die Möglichkeit hinzu, Menschen per Zoom ins Fernsehen zu holen.

Ein jüngeres Publikum informiert sich mittlerweile vor allem über Social Media. Würden Sie sagen, dass etablierte Formate wie „heute journal“ oder „Tagesschau“ an Relevanz eingebüßt haben?

Gause Das würde ich nicht bestätigen. Das Format in seinem Anspruch bleibt dasselbe. Wir wollen und müssen es aber übers Netz vor allem an jüngere User herantragen. „ZDF heute“ als Informationsplattform kann ich nur empfehlen. Hier kann sich jeder informieren und Einordnung erhalten, daran arbeiten wir mit jahrzehntelanger Erfahrung. Die TV-Nutzung wird weiter zurückgehen und die Online-Nutzung zunehmen, wir müssen dort die Akzeptanz erhalten.

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Foto: picture alliance/dpa/Thomas Frey

Haben Sie einen Tipp gegen Nervosität vor der Sendung?

Gause Es ist schon gut, eine Veranlagung zur Ruhe zu haben und Sicherheit auszustrahlen. Ich versuche, im Leben eine Balance zu finden, die mir hilft, ruhig und nervenstark in aufregende Situationen zu gehen. Es klingt vielleicht spießig, aber man sollte darauf achten, genügend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und Bewegung an der frischen Luft zu haben. Ich habe da Glück, dass ich ein robuster Typ bin und alle Viren und Infekte mich verschonen. Vor dem Auftritt hilft dann: viel Lesen, gute Vorbereitung und Konzentration aufs Wesentliche.

Sie gelten als seriöse Nachrichtenmoderatorin. Überlassen Sie es anderen, auch mal emotionaler zu werden?

Gause Mein oberstes Gebot ist Objektivität bei der Auswahl der Worte und der Präsentation. Emotionen haben in Nachrichten nichts zu suchen, da gibt es klare Kriterien. Die Berichterstattung habe ich mit kühlem Geist zu sortieren.

Welche Sendung war für Sie mental die schwerste?

GAuse Das waren zwei großen Nachrichtenlagen, einmal die Terroranschläge in New York 2001 und auch der Tsunami am 26. Dezember 2004 im indischen Ozean. Da war man schon fassungslos angesichts der Wucht dieser Ereignisse. Dann sortiert man auch als Co-Moderatorin einmal mehr, was an einem solchen Tag relevant für den Zuschauer ist und was er noch verkraften kann. Die Flut im Juli 2021 war ebenfalls ein Ereignis mit Wucht – eine solche Katastrophe in unserem Hightech-Deutschland. Bis heute ist man immer wieder mit Menschen im Gespräch, die dabei jemanden verloren haben. Das ist eine große Herausforderung, das mit der gebotenen Sachlichkeit zu transportieren. Da bin ich manchmal froh über meine 30 Jahre Erfahrung.

Sie sind gläubige Protestantin. Was bedeutet Ihr Glaube Ihnen für Ihre Arbeit?

Gause Fürs Leben insgesamt kann er ein gutes Koordinatensystem bieten. Und die Arbeit ist ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Mein Glaube gehört dabei zu meinem persönlichen Koordinatensystem, das sich über das ganze Sein erstreckt und einen auch über die persönliche Befindlichkeit hinaus denken lässt. Der Glaube leistet also auf einer anderen Ebene einen Transfer. Dieses Spirituelle muss natürlich jede und jeder Gläubige für sich selbst definieren. Was es letztlich auf konkrete Objekte fokussiert bedeutet, ist sehr individuell. Für die einen bedeutet es nichts, für die anderen alles.

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