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Gießen/Düsseldorf: Indizienprozess in Gießen endet mit "lebenslang"

Gießen/Düsseldorf : Indizienprozess in Gießen endet mit "lebenslang"

Für den Mord an einem Rentner im mittelhessischen Gießen und die Ermordung zweier Frauen in Düsseldorf muss eine 36-Jährige lebenslang ins Gefängnis. Nach mehr als 100 Verhandlungstagen ordnete das Landgericht im spektakulären Indizienprozess auch die anschließende Sicherheitsverwahrung an.

120 Zuschauer waren in den Schwurgerichtssaal gekommen, um das Urteil zu hören. Denn der Fall von Tuba S. ist in mehr als einer Hinsicht außergewöhnlich. So soll die Altenpflegerin, die nach einem abgebrochenen Medizinstudium auch ihre Ausbildung zur Krankenschwester vorzeitig beenden musste, nachdem sie des Diebstahls überführt worden war, in Gießen einen als Zauberer Riconelly bekannten Rentner ermordet haben. Erst als die Ermittler ihr dort auf die Spur kamen, war ein Doppelmord in Düsseldorf überhaupt erst entdeckt worden: Die dortige Polizei war davon ausgegangen, dass eine psychisch kranke 54-Jährige ihre Mutter (86) getötet und sich selbst das Leben genommen hatte - bis die Gießener Ermittler Schmuck und EC-Karten der toten Frauen bei der in Aachen lebenden Tuba S. fanden.

S. hatte zu sämtlichen Vorwürfen der Anklage geschwiegen, die sich vor allem auf Indizien stützt, insbesondere im Düsseldorfer Fall, in dem es auch wegen der Ermittlungsfehler keine objektiven Beweise gibt. Im Fall des Gießener Rentners hatte eine DNA-Spur zu der Angeklagten geführt.

In der Urteilsbegründung sprach die Vorsitzende Richterin gestern von einer "eiskalten Serientäterin", deren Motiv für alle drei Morde Habgier gewesen sei. Das Gericht erkannte die besondere Schwere der Schuld und ordnete Sicherheitsverwahrung an, da von Tuba S. weitere schwere Straftaten auch nach der Haft zu befürchten seien. Im Prozess hatte ein Psychiater sie als gemeingefährlich und als Psychopathin bezeichnet. Die Verteidigung, die Freispruch beantragt hatte, will Revision einlegen,

(RP)