Düsseldorf: Imker: In unserem Honig ist keine Chemie

Düsseldorf : Imker: In unserem Honig ist keine Chemie

Bei der Behandlung von Bienen gegen die Varroa-Milbe setzen viele Imker auf organische Säuren.

Sie macht ihrem Namen als "Zerstörer" alle Ehre: Die Milbe "Varroa destructor" rottet regelmäßig ganze Bienenvölker aus. Wie ein Blutegel verbeißt sich der Parasit in den Insekten und saugt sie aus. Schätzungsweise jede vierte Honigbiene fällt der Milbe zum Opfer, erklärt die Landwirtschaftskammer NRW. Es wären mehr, würde der Mensch nicht eingreifen, sagt Nabu-Biologin Melanie von Orlow. Einmal im Jahr werden die Insekten daher mit chemischen Stoffen oder organischen Säuren behandelt, um die Milben abzutöten. Auf die Qualität des Honigs habe dies aber keine Auswirkungen, so die Imker.

Wie berichtet, wollen zwei Erfinder aus Süddeutschland die Bienen-Sauna auf den Markt bringen, um die Milben - schonend für die Bienen - zu töten. Dies würde chemische Reste im Honig vermeiden. Doch die gibt es gar nicht, erklären die Imker. Der Grund ist einfach: "Nahezu alle Imker greifen auf organische Säuren zurück, die natürlicherweise in vielen Lebensmitteln enthalten sind", erklärt Christoph Otten vom Fachzentrum für Bienen und Imkerei in Mayen. Das seien hauptsächlich Ameisen-, Milch- und Oxalsäure, bestätigt Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund. Alle Stoffe sind in Deutschland als unbedenklich zugelassen. Lediglich chemische Stoffe, von denen nur noch wenige zugelassen sind, können sich in geringen Mengen im Wachs einlagern, dies sei bei guter imkerlicher Praxis allerdings ausgeschlossen.

Bienen-Experte Christoph Otten erklärt den Vorgang: Die Bienenvölker werden nach der Honigernte im Juni mit Ameisensäure behandelt. Das ist ein natürlicher Bestandteil von Honig und wird auch von Pflanzen- und Tierarten zu Verteidigungszwecken genutzt. In jedem Volk werden nach und nach etwa 200 Milliliter der Säure verdunstet. Im Dezember folgt die Behandlung mit Oxalsäure, die auch in verschiedenen Pflanzen vorkommt. Der im Volk vorhandene Honig dient als Winterfutter. Nach der Behandlung wird erst der neu produzierte Honig im Mai/Juni wieder geerntet. In dem Lebensmittel könnten somit keine Reststoffe aus der Behandlung des Vorjahres vorkommen.

Melanie von Orlow erklärt, dass die Behandlung für die Bienen natürlich nicht angenehm sei. "Sehr junge Bienen können durch die Dämpfe sterben. Doch es gibt keine Methode, die Milben für die Behandlung von den Bienen zu trennen." Von der Praktikabilität der Bienen-Sauna halten viele Imker nichts. "Die Methode ist nicht neu und funktioniert. Doch die Bienenstöcke stehen auf Wiesen ohne Stromanschluss und sind nicht einheitlich groß. Das ist nichts für den Durchschnitts-Imker", so Otten.

(RP)
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