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Verschwörungstheorie: Was verbirgt sich in der US-Militärbasis Area 51?

Serie „Humbug“ : Was verbirgt sich wirklich in der US-Militärbasis Area 51?

Um das militärische Sperrgebiet in der Mojave-Wüste im Süden des Bundesstaates Nevada, gut 150 Kilometer von Las Vegas entfernt, macht das US-Militär ein großes Geheimnis. Nicht wenige Menschen fragen sich deshalb: Werden dort Außerirdische und Ufos unter Verschluss gehalten?

Eindringlinge sind nicht willkommen. Rund um die Area 51 herum stehen Radarstationen, Bewegungsmelder und Sensoren, die auf menschliche Ausdünstungen reagieren. Die Sicherheitsleute sind schwer bewaffnet. Wer das Gelände unbefugt betritt, könnte erschossen werden. Doch was verbirgt das US-Militär auf dem Sperrgebiet? Weil darüber kaum etwas bekannt ist, ruft das Anhänger von Verschwörungstheorien auf den Plan.

Was wird behauptet?

Die Anhänger der Verschwörungstheorien behaupten, dass in dem Sperrgebiet um die Militärbasis herum, das in etwa so groß wie die Stadt Neuss ist, zahlreiche Ufos oder mysteriöse Flugobjekte gesichtet wurden. Sie erklären darüber hinaus, dass die US Air Force dort außerirdische Flugobjekte lagere und untersuche. Angefangen haben soll das im Jahr 1947, nachdem ein Ufo in der Kleinstadt Roswell im Bundesstaat New Mexiko abgestürzt sei.

Die Besatzung dieses Raumschiffes – einige Aliens sollen tot, einige noch am Leben gewesen sein – sei ebenfalls in die Area 51 gebracht worden, damit man Untersuchungen an ihnen durchführen konnte, wie Verschwörungstheoretiker glauben. In der geheimen Militärbasis entstünden aber auch Flugobjekte und Waffen, die auf den fortschrittlichen Technologien von Außerirdischen beruhten. Diese habe das US-Militär nicht nur bei Abstürzen von Ufos gefunden, sondern auch von Außerirdischen erhalten, heißt es.

Woher kommt der Humbug?

Das US-Militär trage eine Mitschuld an den Verschwörungstheorien, weil sich offizielle Erklärungen widersprächen. Das sagt Andreas Anton, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg. Der Wissenschaftler erforscht kultur- und sozialwissenschaftliche Aspekte bei der Suche nach außerirdischer Intelligenz und analysiert Verschwörungstheorien. Anton hat dazu bereits mehrere Bücher veröffentlicht: In „Sie sind da. Wie der Erstkontakt mit Aliens unsere Gesellschaft verändern könnte – ein Gedankenexperiment“, das der Forscher gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Schetsche verfasst hat, geht es beispielsweise um die Frage, welche Auswirkungen ein Erstkontakt mit Außerirdischen auf die menschliche Gesellschaft hätte.

 Andreas Anton erforscht kultur- und sozialwissenschaftliche Aspekte bei der Suche nach außerirdischer Intelligenz und analysiert Verschwörungstheorien.
Andreas Anton erforscht kultur- und sozialwissenschaftliche Aspekte bei der Suche nach außerirdischer Intelligenz und analysiert Verschwörungstheorien. Foto: Andreas Anton

Doch was meint Anton mit seiner Aussage über eine Mitschuld? Das US-Militär habe nach dem Vorfall bei Roswell, so erklärt er, zunächst tatsächlich bestätigt, dass es sich bei dem abgestürzten Objekt um ein außerirdisches Raumschiff handele. Später habe die Air Force ihr Statement zurückgenommen und gesagt, es seien Trümmer eines Wetterballons gefunden worden. Mitte der 1990er-Jahre habe das US-Militär dann erklärt, dass die Trümmer zu einem geheimen Projekt namens Mogul gehörten, mit dem ein Ballon mit Messtechnik in die Atmosphäre geschickt wurde. Damit sei überprüft worden, ob die Sowjetunion Atomtests durchführt. „Das halte ich für die plausibelste Erklärung“, sagt Anton. Das US-Militär habe ein militärisches Geheimnis schützen wollen und deshalb in der Not zunächst die Erklärung aufgegriffen, die der Finder der Trümmer, ein Farmer, benutzt hatte. Später sei sie durch eine passendere Erklärung ersetzt worden.

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In den 70er-Jahren habe zudem, wie Anton weiter berichtet, ein begabter Ingenieur und Ufo-Fan, der ganz in der Nähe des Luftwaffenstützpunktes Kirtland Air Force Base in New Mexico lebte, seltsame Lichter und Flugobjekte aufgenommen und fragte bei dem Stützpunkt nach. Da dort geheime Militärprojekte entwickelt wurden, nahm sich der Geheimdienst der Sache an. Er habe dem Ingenieur allerdings nicht die Aufzeichnungen untersagt, sondern ihn in seinem Glauben, es handele sich um Aliens und Ufos, bestärkt. „Es nahm immer groteskere Ausmaße an“, sagt Anton. Agenten seien in die Ufo-Szene eingeschleust worden und mit Infos wiedergekommen, die dann in offizielle Dokumente eingebettet worden seien.

Doch warum der große Aufwand? „Die Ufo-Szene war dem Geheimdienst ein Dorn im Auge, viele legten sich an US-Stützpunkten auf die Lauer“, berichtet Anton. „Die Angst war groß, dass so militärische Geheimnisse aufgedeckt werden oder an den Feind geraten.“ Die Idee sei gewesen, die Szene systematisch mit Desinformation zu versorgen, um sie lächerlich zu machen. Doch weil so auch Informationen über Ufos und Aliens in offiziellen Dokumenten zu finden waren, nährte das die Verschwörungstheorien nur weiter.

Wie verbreitet ist der Humbug?

Die Menschheit ist seit jeher von der Idee fasziniert, im Universum nicht allein zu sein. Das ist auch heute noch so. Ergebnisse einer Umfrage vom Meinungsforschungsinstitut Insa aus dem Jahr 2020 zeigen, dass fast jeder zweite Deutsche davon überzeugt ist, dass es Außerirdische gibt. Exakt 43 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, an intelligentes Leben im All zu glauben. Und auch Forscher sind sich sicher, dass es sehr wahrscheinlich irgendwo im All Leben gibt. Ihren Schätzungen nach könnte es alleine in der Milchstraße rund 40 Milliarden bewohnbare Planeten geben, im ganzen beobachtbaren Universum sollen es nach derzeitigem Wissensstand um die fünf Billionen sein.

Die Verschwörungstheorien zu dem Thema seien spätestens seit den 80er-Jahren weit verbreitet, erklärt Andreas Anton. Bis heute ist der Glauben daran keineswegs erloschen. Vor allem in den USA entwickelte sich ein regelrechter Kult. Umfragen zeigen, dass knapp die Hälfte der US-Amerikaner an Aliens glaubt. Viele gehen sogar davon aus, dass es auch schon Kontakt zu Außerirdischen gab. 2019 fanden sich nach einem Aufruf in den sozialen Medien zwei Millionen Menschen, die beim „Sturm auf Area 51“ auf das Gelände eindringen und Beweise für die Existenz von Aliens finden wollten. Wirklich versucht haben es ein paar Dutzend – vergeblich.

Befeuert werden die Verschwörungstheorie rund um die Area 51 durch sehr viele Bücher, Serien und vor allem bekannte Filme, die das Thema aufgreifen. Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist der Hollywood-Blockbuster „Independence Day“ des deutschen Regisseurs Roland Emmerich aus dem Jahr 1996. In dem Film wird in der Area 51 ein Raumschiff erforscht und ein Alien gefangen gehalten. Hinzu kommen die vielen angeblichen Ufo-Sichtungen rund um das Areal, die im Internet verbreitet und geteilt werden. Allein auf der Videoplattform Youtube finden sich viele Mitschnitte, die angeblich Raumschiffe von Aliens zeigen.

Was ist dran?

Erst im Jahr 2013 bestätigte der US-Geheimdienst CIA, dass es die Area 51 überhaupt gibt. Zunächst war die Militärbasis ein reines Testgelände für Nuklearwaffen. Seit 1955 erprobt die US Air Force dort auch Waffensysteme, Flugzeuge und Drohnen – darunter viele Prototypen. Im Kalten Krieg wurden bis in die 70er-Jahre unter anderem zwei neue Typen von Aufklärungsflugzeugen entwickelt. Was dort danach geschah, ist nicht bekannt. In einer offiziellen Stellungnahme der US Air Force heißt es: „Gewisse Aktivitäten und Operationen, die am Nellis-Gelände in Vergangenheit und Gegenwart durchgeführt wurden/werden, bleiben unter Verschluss und können nicht öffentlich diskutiert werden.“

 Die Militärbasis und das Sperrgebiet liegen mitten in einer Wüste im US-Bundesstaat Nevada.
Die Militärbasis und das Sperrgebiet liegen mitten in einer Wüste im US-Bundesstaat Nevada. Foto: AP/John Locher

Wenn das US-Militär in der Area 51 tatsächlich außerirdische Lebensformen erforschen würde, dann würde das zwangsläufig bedeuten, dass ein Erstkontakt mit Aliens und Ufos bereits stattgefunden hat. Doch noch ist im Universum keine Spur von Leben außerhalb der Erde gefunden worden. Forscher ergründen dafür unter anderem Planeten oder versuchen seit den 1960er-Jahren mit den Seti-Projekten systematisch, mit großen, empfindlichen Radioteleskopen außerirdische Lebenszeichen zu empfangen. Seti ist die Abkürzung für „Search for Extra-Terrestrial Intelligence“ (Suche nach außerirdischer Intelligenz). Alles bislang ohne Erfolg.

Was sagen die Experten?

Andreas Anton hält nicht viel von den Verschwörungstheorien rund um die Area 51. „Es gibt einfach keine Belege dafür“, sagt er. Zudem gebe es keine hieb- und stichfesten Beweise für einen Erstkontakt mit Außerirdischen. Diese Einschätzung, die die meisten Wissenschaftler teilten, sei das Resultat der intensiven Recherche für sein letztes Buch. Dennoch betont der Wissenschaftler: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass es außerirdisches Leben gibt, alleine bei den unzähligen Planeten, die es gibt. Die Frage ist nur, wo und was für Leben.“

Auch das Deutsche Zentrum für Raum- und Luftfahrt (DLR) gibt auf seiner Internetseite an, dass zwar intensiv nach außerirdischen Lebensformen gesucht wird, unter anderem auch auf Planeten und Monden in unserem Sonnensystem, aber noch keine Beweise dafür gefunden worden sind. Zu den Verschwörungstheorien rund um die Area 51 und einen möglicherweise bereits erfolgten Kontakt von Menschen zu Außerirdischen wollte sich das Forschungszentrum auf Anfrage nicht äußern. Die US-Bundesbehörde für Raumfahrt und Flugwissenschaft (NASA) stützt die Annahmen des DLR und teilt auf ihrer Homepage wörtlich mit: „Es gibt noch keine Beweise dafür, dass Leben irgendwo anders als auf der Erde existiert.“