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Verschwörungstheorie: Warum die Mondlandung nicht inszeniert war

Serie „Humbug“ : Warum die Mondlandung nicht inszeniert war

Vor mehr als 50 Jahren landeten die ersten Menschen auf dem Mond. Manche bezweifeln das bis heute. Die Ursprünge der Verschwörungstheorie der gefälschten Mondlandung sind fast so skurril wie ihre Behauptungen.

Einen großen Schritt für die Menschheit: Das sehen die meisten Menschen, wenn sie sich die Aufnahmen von der Mondlandung anschauen. Verschwörungstheoretiker sehen hingegen eine wehende Flagge, wo kein Wind ist, Schattenwürfe wie von künstlichem Licht erzeugt, einen schwarzen Himmel ohne Sterne. Auch ein halbes Jahrhundert nach der Mondlandung hat diese Geschichte ihre Anhänger.

Was wird behauptet?

Die Mondlandung habe nie stattgefunden – das ist der Kern aller Verschwörungstheorien rund um die Mission Apollo 11. Im Jahr 1969 seien Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins gar nicht zum Mond geflogen. Die Amerikaner hätten einen Erfolg im Rennen um die Landung auf dem Mond so nötig gehabt, dass sie diese lieber in einem Studio inszeniert hätten.

Die Amerikaner sollen aufwendige Kulissen für ihr Video gebaut, falsches Mondgestein hergestellt und damit die ganze Welt betrogen haben. Manche Auswüchse der Erzählung wären sehr lustig, wenn sie nicht ernst gemeint wären – so sollen Armstrong, Aldrin und Collins die Nacht der Mondlandung in einem Striptease-Club in Nevada verbracht haben, natürlich auf Kosten der Nasa.

Woher kommt der Humbug?

Er lässt sich bis zu einem Buch aus dem Jahr 1976 zurückverfolgen. „We Never Went to the Moon: America's Thirty Billion Dollar Swindle” heißt es, übersetzt „Wir sind nie zum Mond geflogen: Amerikas 30-Milliarden-Dollar-Betrug“. Geschrieben hat dieses Buch der Amerikaner Bill Kaysing, er veröffentlichte es im Eigenverlag. Kaysings Hintergrund verleiht ihm auf dem ersten Blick eine gewisse Glaubwürdigkeit. Er arbeitete für Rocketdyne, eine Firma, die für die Nasa Triebwerke herstellte. Der spätere Autor war jedoch selbst kein Wissenschaftler oder Ingenieur, er hatte einen Bachelor in englischer Literatur und leitete bei Rocketdyne die technische Dokumentation.

Kaysing schrieb viel. Nicht nur über den Mond, er publizierte zahlreiche Anleitungen: „Wie man sich gut mit weniger als einem Dollar am Tag ernährt“, „Fells Anfänger-Handbuch für Motorradfahrer“ oder „Das Überlebenshandbuch für Senioren“. Seine Verschwörungstheorie über die Mondlandung ist aber ohne Zweifel sein größter publizistischer Erfolg. Er wurde damit zum Gründer einer Bewegung, die sich schon fast ein halbes Jahrhundert hält. 2002, drei Jahre vor seinem Tod, veröffentlichte er das Buch neu – mit ein paar Änderungen. So hatte Kaysing in der ersten Fassung behauptet, dass die Rakete Saturn V, die auch bei Appollo 11 eingesetzt wurde, gar nicht funktionsfähig gewesen sei. Das ist in der neuen Auflage anders. Der „30-Milliarden-Dollar-Betrug“ habe aber dennoch stattgefunden.

Wie verbreitet ist der Humbug?

Es gibt weltweit nach wie vor Menschen, die daran glauben, dass die Mondlandung gefälscht wurde. Das zeigen Umfragen immer wieder. Laut einer Yougov-Umfrage sind es in Großbritannien 16 Prozent der Bevölkerung, in einer italienischen Studie hielten 20 Prozent die Verschwörungstheorie für plausibel. In Russland glaubten laut einer Studie sogar 57 Prozent der Teilnehmer, dass die Mondlandung Fake ist. In den USA, wo die Theorie entstanden ist, sind die Zahlen vergleichsweise gering. Laut einer Studie aus dem Jahr 2013 denken sieben Prozent der Wähler, dass die Mondlandung gefälscht wurde.

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Was ist dran?

Bis heute gilt das Apollo-Programm als eine der größten Anstrengungen eines Staates in Friedenszeiten. 400.000 Menschen arbeiteten daran, den ersten bemannten Flug zum Mond möglich zu machen. Das Projekt verschlang 23,9 Milliarden Dollar, gemessen an der heutigen Kaufkraft wären das 120 Milliarden Dollar oder 107 Milliarden Euro. Zum Vergleich – das jährliche Budget der Nasa für das Jahr 2020 beträgt umgerechnet 20 Milliarden Euro. Darüber hinaus wurde der monumentale Erfolg der USA auch durch die Rivalität mit der Sowjetunion möglich. Im Weltall verlief eine der Fronten des Kalten Kriegs. Ein Sieg im sogenannten Space Race würde die technologische und ideologische Überlegenheit des Gewinners beweisen, zumindest so die Hoffnung beider Seiten damals.

Was sagen die Experten?

„Man kann alle Theorien um die Mondlandung auseinanderpflücken und rational widerlegen“, sagt Suzanna Randall. Schon 2021 könnte die promovierte Astrophysikerin die erste deutsche Frau im All werden. Sie ist nämlich eine von zwei Kandidatinnen der Initiative „Die Astronautin“ – das spendenfinanzierte Projekt bildet Randall und die Meteorologin Insa Thiele-Eich für einen Flug zur Internationalen Raumstation (ISS) aus.

 Die Astrophysikerin Suzanna Randall will als erste deutsche Frau ins All fliegen.
Die Astrophysikerin Suzanna Randall will als erste deutsche Frau ins All fliegen. Foto: Marek Beier

Wie oft hört man als angehende Astronautin von der angeblich gefälschten Mondlandung? „Das ist eine Sache, die mir immer wieder begegnet“, sagt Randall. „Manche Menschen glauben nicht einmal, dass es Sterne gibt.“ Sie kennt die Behauptungen der Verschwörungstheorien – und auch die wissenschaftlichen Antworten darauf. „Natürlich ist auf dem Mond kein Wind. Die Schwingungen der Flagge kommen vom Aufstellen“, sagt sie zu der Behauptung, dass eine wehende Flagge auf dem Mond nicht möglich sei. Wenn man sich die Aufnahme anschaue, sehe man deutlich: „Die Flagge bewegt sich einige Sekunden nach dem Aufstellen und danach nicht mehr.“

Ein weiterer vermeintlicher Beweis für die Verschwörungstheorie sind die fehlenden Sterne auf den Aufnahmen. Schaut man sich die Fotos oder Videos von den ersten Menschen auf der Mondoberfläche an, ist der Himmel stets schwarz. Warum das so ist, erklärt Astrophysiker Dirk Lorenz mit einem anschaulichen Experiment in der WDR-Wissenschaftssendung „Quarks“. Kurze Antwort: Es liegt an den Kamera-Einstellungen. Die Mondfläche ist sehr hell, sie reflektiert das Sonnenlicht. Eine Aufnahme auf dem Mond, die den Sternenhimmel zeigt, wäre stark überbelichtet – man würde die Astronauten und die Mondfläche deswegen nur schlecht sehen. An solchen Aufnahmen hatte die Nasa wenig Interesse.

 Auf diesem Foto von Neil Armstrong verlaufen die Schatten nicht parallel - dafür gibt es aber eine einfache Erklärung
Auf diesem Foto von Neil Armstrong verlaufen die Schatten nicht parallel - dafür gibt es aber eine einfache Erklärung Foto: Nasa

Doch was ist mit den Schatten? Auf manchen Bildern der Mondlandung werfen Astronauten und Objekte Schatten in unterschiedliche Richtungen. Für Kaysing ein klarer Beweis dafür, dass Lichtprojektoren in einem Filmstudio benutzt wurden – denn sonst wären die Schatten parallel, schreibt er. Parallelität ist jedoch eine Frage der Perspektive, wie Autor Thomas Eversberg in seinem Buch „Hollywood im Weltall“ erklärt. Darin entkräftet der Raumfahrtexperte vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt die Argumente der Verschwörungstheoretiker, unter anderem jenes mit den Schatten. „Fotografieren Sie die Kacheln in Ihrem Bad“, fordert Eversberg im siebten Kapitel seines Buchs auf („Eine Lampe – schräge Schatten“). Beim einfachen Experiment stellt man fest, dass die eigentlich parallel verlaufenden Fugen auf dem Bild anders aussehen. Sie verlaufen „strahlenförmig in unterschiedliche Richtungen nach außen, aber keinesfalls parallel“, schreibt Eversberg.

Dafür, dass die Mondlandung nicht gefälscht wurde, gebe es auch ohne Experimente starke Indizien, meint Suzanna Randall. Das beste Argument für Nicht-Wissenschaftler sei die Dimension des Apollo-Programms. „400.000 Menschen waren in den USA und außerhalb involviert. Dass sie alle geschwiegen haben sollen, ist absurd.“ Und bald, davon ist Randall überzeugt, werden Menschen wieder die Oberfläche des Mondes betreten. Einfach hinzufliegen, reiche heute nicht mehr aus. Eine Kolonie auf dem Mond oder ein Flug zum Mars seien sinnvollere Ziele, sagt Randall. Dafür müsse man aber erst mal forschen. „Wir werden in den nächsten zehn Jahren wieder zum Mond fliegen. Davon bin ich überzeugt.“

Eine ungekürzte dreistündige Fassung der Mondlandung ist auf dem Youtube-Kanal der Nasa zu sehen.